Wer bis jetzt der Meinung ist, dass jeder Mensch hier sagen kann was mensch sich halt so denkt, der irrt. Die freie Meinung hört spätestens mit der Arbeit auf. Und auch wir, die gesellschaftskritischen, sozial engagierten ArbeiterInnen, sind davon betroffen.
Einen sozialen Betrieb und dessen Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren, das ist momentan Sache der Geschäftsführung oder von PressesprecherInnen, die eben von der Geschäftsführung eingesetzt wurden und deren Interessen vertreten. Den ArbeiterInnen an der Basis ist ein eigenständiges öffentliches Auftreten, im Bezug auf ihre Arbeit meist untersagt. Sehr oft ist das auch durch spezielle Passagen in der Betriebsvereinbarung und/oder im Arbeitsvertrag geregelt. Wenn nun jemand von der Basis dagegen verstößt bedeutet das einen Kündigungsgrund ähnlich der Industriespionage. Als Ausnahme ist dabei der Betriebsrat oder die Betriebsrätin zu sehen. Geschützt durch ihre/seine Unkündbarkeit können sich diese etwas weiter vorwagen. Ob sie das nun nutzen und falls ja, ob das dann im Sinne der ArbeiterInnen ist ist Glückssache. Der Maulkorb für die einzelnen und die Basis bleibt, so oder so.
Nun wird dieser Maulkorb oft mit der hohen Sensibilität der sozialen Sache begründet. Wird irgendwo ein neues Flüchtlingsheim oder eine neue Drogenberatungsstelle eröffnet, dann erfahren das die MitarbeiterInnen dieses Betriebs oft erst aus den Medien. Um zu verhindern, dass einE QuerulantIn etwas zu früh den Medien steckt, werden Entscheidungen erst dann kommuniziert wenn sie schon getroffen und unumkehrbar sind. Die Basis wird entmündigt, mit der unterschwelligen Andeutung: Ihr seit entweder zu dumm um den größeren Sinn der Sache zu erkennen oder ihr seit zu intrigant und zu subversiv um euch am Wissen Teil haben lassen zu können. Die Basis wird als Gefahr wahrgenommen, sie soll keinen großen Einblick haben und gefälligst ihr Maul halten.
Die Verschwiegenheit, die die Persönlichkeitsrechte der KlientInnen schützt, wurde ganz nebenbei ausgeweitet. Nun soll die Verschwiegenheit der sozial Arbeitenden auch die Machenschaften der Geschäftsführung schützen. Das Informationsmonopol liegt bei den oberen Etagen. Um öffentliche Meldungen von der Basis zu unterbinden werden solche als ungesetzlich interpretiert und als Konsequenz gäb´s
da noch eine Kündigung. In diesem Umfeld können die Bosse ihre Umstrukturierungen, Einsparungen und Liberalisierungen vornehmen und die Basis links liegen lassen. Angst vor schlechter Publicity in den Medien brauchen sie deswegen nicht zu haben, es halten ja alle brav das Maul.
Wo bleibt da das Recht auf freie Meinungsäußerung? JedEr Einzelne hat das Recht sich zu allem zu äußern, auch öffentlich. Dieses Recht wird uns jedoch nicht geschenkt. Es liegt an uns Mittel und Wege zu finden um dieses Recht einzufordern und um dieses Recht auszuüben. Wir sind ExpertInnen unseres eigenen Lebens, auch unserer Arbeit und wir haben etwas zu sagen. Nur wir selbst können diese Zensur durchbrechen, es ist unser Recht – unsere Pflicht – uns zu Wort zu melden, nur so können wir uns partizipieren und Veränderungen bewirken. Dieser blog bietet allen die sich kritisch zu Wort melden wollen die Möglichkeit das in anonymisierter Form zu tun. (göf)

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