Entries from Januar 2008
(kollektives) verschlafen …
Januar 8, 2008 · Keine Kommentare
Kategorien: Methoden
Soziale Arbeit - eine Interpretation der CNT-AIT (F)
Januar 2, 2008 · 1 Kommentar
Am 3. Dezember 2007 erreichte uns ein Gratulationsschreiben von unseren GenossInnen der CNT-AIT (anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Frankreich) zur Gründung unserer Föderation. Dem Schreiben war ein kritischer Text im Bezug auf soziale Arbeit hinzugefügt, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Hier nun die Übersetzung, den Originaltext haben wir als Kommentar hinzugefügt. Wir gehen natürlich davon aus, dass unsere GenossInnen, obwohl kein “-Innen” verwendet wird, beiderlei Geschlecht ansprechen.
Sozialarbeiter
Personen in prekären Arbeitsverhältnissen im Dienste des Prekariats
Aber die 80-er Jahre liegen sehr weit zurück. Die Zeit der väterlichen Almosenist vorbei. Heute wird dem Sozialsektor befohlen, sich an die Marktgesetze anzupassen, die zu der Not sowie zu dem Rest der Gesellschaft passen. Die Schlüsselwörter haben sich verändert! Berechnung, Kontrolle, Rentabilität, Produktivität, das sind die neuen Werte, die das Funktionieren des Sozialbereiches beherrschen. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich die staatlichen Hilfen für die Resozialisierungsvereine weiter verringert, während sich die Forderungen der Mächtigen noch verstärkt haben. Unter dem Deckmantel der Resozialisierung wird der Sozialarbeiter ungewollt zu einem Polizeispitzel, ein Kontrolleur der Not, eine Polizeihilfskraft, die die Überwachung der aus dem System ausgestoßenen Personen übernimmt. Und die Leute irren sich dabei nicht. Viele verzichten auf ihr Recht auf das Realeinkommen, um die Kontrolle über ihr Leben zu vermeiden, ihre Art und Weise in diesem Zustand zu überleben. Und zahlreiche Ausgeschlossene haben noch ganz andere Schwierigkeiten zu erleiden, da sie nicht den Verwaltungsnormen entsprechen, die Bedingung sind, diese Almosen zu erhalten.
Man fühlt es täglich; die Not ist mehr als ein Übel, das man ausmerzen muss, es ist ein gefährlicher Makel geworden, der verwaltet, beherrscht und betreut werden soll. Diese Wiederholung betrifft alle: den Ausgeschlossenen sowie den Sozialarbeiter. Aufgrund der gekürzten Subventionen verringern die Vereine ihre Ausgaben. Die Situation des Sozialarbeiters ist von da an nicht so weit entfernt von dem seines „Klienten.“ Wiederholter befristeter Vertrag… CES[1], Zeitaufwand, Teilzeitarbeit, Mindestlohn …. sind meistens die Arbeitsbedingungen des Erziehers XY. Und die ungerechte Seite der Situation will, dass man nicht selten feststellt, dass die Leiter dieser Vereine sich gleichzeitig Löhne von mehreren tausenden Euros pro Monat zahlen lassen.
Personen im Zustand des Prekariats um das Prekariat zu betreuen, das muss man sich einmal überlegen. In Montauban fragte ein Sozialarbeiter voriges Monat einen „Klienten“, der wegen Behördengängen kam, welchen Beruf er ausübte, bevor er die Schrecken der Arbeitslosigkeit kennen lernte, und dann den Mindestlohn: „Erzieher“, antwortet er, „aber aus Mangel an Subventionen hat der Verein zugesperrt“.
Die Zukunft des Sozialarbeiters lautet: Verschwinden!
Eine Hilfsorganisation zu gründen, bedeutet zu beschließen, dass diese Organisation mit Dauer umgesetzt wird, dass es kein konjunkturelles Ereignis ist, sondern eine Struktur, die integraler Bestandteil des kapitalistischen System ist.
Es ist auch Aufgabe der Sozialarbeiter die Rolle zu verstehen, die man sie spielen lassen will. In einer Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit herrschen, wäre die Zukunft des Sozialarbeiters so schnell wie möglich zu verschwinden.
CNT-AIT 19 novembre 2006

