LISA-FAS Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (WIEN)

Entries from März 2008

LISA - Audio

März 24, 2008 · Keine Kommentare

a-radiocat.jpg Wer schon immer etwas über die LISA wissen wollte, aber zu faul war sich unsere  Texte  durchzulesen, für den/die haben wir jetzt einen weiteren Beitrag im Audioformat.
Enstanden ist das Ganze bei einer Radiosendung, die jeden Sonntag im allerfreiesten  Radio Wiens zu hören ist ;)
Ihr könnt einen Zusammenschnitt der Sendung hier kostenlos herunterladen:
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 http://rapidshare.com/files/101956794/allgemein_zur_lisa.mp3.html
Dauer:  19min45sek - Dateigröße: 27,1MB
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Kategorien: Audio

Wie gelb* kann eine Gewerkschaft werden?

März 20, 2008 · 3 Kommentare

Neulich in der Arbeit schau ich, böses ahnend, in mein Posteingangsfach. Was ich vorfand war jede Menge Arbeit und ein Flugzettel der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) der GdG (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten). Ist ja der ÖGB an sich schon ein undemokratischer, hierarchischer Moloch, zeichnet sich die FSG der GdG nochmal dadurch aus, als verlängerter Arm der Chefität zu fungieren.

Lisa und Otto NormalarbeiterIn hört ja ansonsten sehr wenig von der FSG. Plötzlich ist es aber deren besonderes Anliegen festzustellen, dass „das Ziel der KIV-UG ist, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA15 Angst hervorzurufen“. War ich doch etwas verwundert über die Tatsache an sich, amüsierte mich gleichzeitig der Inhalt der Aussendung. Die KIV, so die FSG, würde trotz besseren Wissens bevorstehende Ausgliederungen und Privatisierungen „behaupten“. Und, was am schändlichsten ist, schrecken diese Leute auch nicht davor zurück, Anträge, die „den selben Unsinn beinhalten“ an den Hauptausschuss (gewerkschaftlich-rechtliches Gremium) zu stellen. Das verurteilen die FSGler aufs schärfste, ist da zu lesen und dass es keinen Grund zur Panik und Verunsicherung gäbe, da ja „Die Mitwirkung der FSG ein Garant für Ihre (also die der HacklerInnen in der MA 15) Zufriedenheit mit und am Arbeitsplatz“ sei. JA, Wir MA 15 Bedienstete arbeiten unter unsicheren Bedingungen und JA wir haben Angst. Die KIV kann da nichts dafür, sie spricht nur aus was ist! Ein (mein) KIV Personalvertreter erklärte mir mal, dass die Anträge aus Dienststellenversammlungen von einer Zwischeninstanz (hab’ den Namen jener vergessen) geprüft werden, um dann gefiltert in den Hauptausschuss zu gelangen. Also so was gibt’s ja nicht mal im Iran oder China. Entweder Demokratie oder keine Demokratie. Aber ja, man muss diesen Störenfrieden, die sich erdreisten unbequeme Fragen zu stellen, schon mal die Rute ins Fenster stellen!
Wie dem auch sei: Die FSG ist sich nicht zu blöd, die wenigen demokratischen Mitwirkungsrechte der ArbeiterInnen in Frage zu stellen!Aber halt! Es macht schon Sinn, dass diejenigen die über das Schicksal der Öffentlichen Dienstleitungen in Wien entscheiden (SPÖ) gleichzeitig die gewerkschaftlichen VertreterInnen der ArbeiterInnen in dem Bereich sind (FSG). Keine Panik, keine Angst, wir mauscheln, kuschen und packeln weiter…. Demokratie? Wer braucht so was? Wunderlich ist aber, dass in letzter Zeit auch FSG-PersonalvertreterInnen ihren Unmut geäußert haben und nun aber alles – laut Flugblatt – in Ordnung zu sein scheint. Was ist der Grund dieser Hanswurstiade? Möglicherweise ein Ordnungsruf der „Parteifreunde“ aus dem Rathaus? Im Prinzip ist mir das ja egal, ich bin weder bei der KIV, noch beim ÖGB. Und es fragt sich, ob es überhaupt dafür steht, diesen patscherten Angriff der FSG zu kommentieren.Es steht aber dafür, das ganze Kasperltheater mal zu überdenken. Der ÖGB ist nicht reformierbar. Wie gelb muss eine Gewerkschaft werden, bis sie keine mehr ist? Es braucht eine neue Gewerkschaft - und diesen Aufruf richte ich vor allem auch an EUCH, KollegInnen von der KIV!

Ert, MA 15 Hackler

Mitglied der Libertären Initiative Sozial Arbeitender

* Unter einer gelben Gewerkschaft versteht man eine Gewerkschaft, die den Interessenskonflikt zwischen UnternehmerInnen und ArbeiterInnen verneint und somit auch den gewerkschaftlichen Kampf ablehnt. Nicht selten werden gelbe Gewerkschaften von Unternehmen selbst ins Leben gerufen und/oder finanziert. Es kommt auch vor, dass das Unternehmen versucht mit der Zuckerbrot-Taktik (Privilegien für die GewerkschaftsfunktionärInnen), eine bestehende Gewerkschaft auf seine Seite zu ziehen, um sie somit zu einer “gelben” zu machen.

Bis vor Kurzem konnte man auf der Homepage des “Verbandes Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (http://www.voegb.at)” noch die Definition, was eine gelbe Gewerkschaft ist, nachlesen.

Kategorien: Betriebsinfo

Von der Pflege von Menschen …

März 4, 2008 · Keine Kommentare

… zur Auflösung der Familie

Seit Monaten sorgt die „Pflegedebatte“ immer wieder für viel Diskussionsstoff in den Medien. Der Haupttenor liegt dabei auf den jeweiligen „Lösungsansätzen“ der beiden Regierungsparteien. Bei allem worüber sich die Regierung in ihrer Scheindiskussion hier streitet, ist sie nicht in der Lage die Problematiken zu beseitigen.

Die Gruppe der pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige stehen vor dem Problem, dass der Staat deren Versorgung und Betreuung finanziell und personell Mittel unterversorgt und zusätzlich deren Selbsthilfe illegalisiert. Es handelt sich hier um einen Staat der sich in einem Transformationsprozeß befindet. Er beschränkt sich zunehmend auf seine „Kernkompetenz“: Der Sozialstaat muss dem Kontrollstaat weichen. Oder anders: Sozialer Friede wird in Zukunft nicht mehr erkauft, sondern durch den staatlichen Gewaltapparat hergestellt!

Obwohl der Staat im Sozial- und Gesundheitsbereich sehr auf Deregulierung bedacht ist, tritt er in der häuslichen Pflege sehr regulativ auf. Anstatt gewachsene Selbsthilfestrukturen und offizielle Institutionen zu stärken und zu unterstützen, stülpt er ein bürokratisch, juristisches Regelwerk darüber. Ob mensch qualifiziert genug ist jemanden das Essen zu verabreichen, das mensch selbst gekocht hat oder ob mensch die Qualifikation besitzt jemand anderen ein Pflaster aufzukleben, will der Staat bestimmen.

keinmenschistillegal.gifAusgebildete Pflegekräfte, durch deren prekäre Arbeitsverhältnisse die Versorgung vieler pflegebedürftiger Menschen erst ermöglicht würde, sind zur Zielscheibe geworden. Dass ein Teil dieser Pflegekräfte aus anderen, benachbarten Staaten kommt scheint der inländischen Medienlandschaft & PolitikerInnenriege hierbei besonders aufzustoßen. Eine neue Gruppe von „Illegalen“ wurde eingeführt und zwar jene der „illegalen Pflegekräfte“.

Die Sozial- und Gesundheitssysteme im sogenannten Westen befinden sich nun schon seit einigen Jahren im steten Abwärtstrend. Das ist insofern eine Zäsur, da das Nachkriegssystem, aufgebaut auf relativ hohen Löhnen - zumeist für die männlichen „Familienoberhäupter“ - und einem funktionierenden Pensions- und Sozialsystem erlaubte, dass unbezahlte Haus- und Pflegearbeit zumeist von „Hausfrauen“ geleistet werden konnte. Andererseits eben ermöglichte der Sozialstaat, dass die entstehenden Pflege- und Betreuungskosten weitestgehend abgedeckt wurden. Die mangelnde berufliche Qualifikation vieler Angehöriger wurde und wird bis zum heutigen Tage nicht berücksichtigt. Zu einer oft zusätzlichen Berufstätigkeit, ökonomischen Engpässen uvm. führt das zu einer Dauerbe- & überlastung der pflegenden Angehörigen, denen selten ein befriedigender Mechanismus zur Entlastung zur Verfügung steht.

Neuerdings aufkommende Parolen wie „Wohin mit den Alten?“ oder „Die Kinder sind unsere Zukunft!“ sind bei weitem keine leeren Phrasen. Sie zeigen unverhohlen auf, dass das System Familie zuallererst ein ökonomisches Verhältnis darstellt.

Wie aber schon die ländliche Großfamilie durch die industrielle Revolution aufgelöst wurde, löst sich nun die fordistische Kernfamilie auf und weicht den Anforderungen einer auf Einzelkampf aufbauenden Ökonomie und Ideologie. Die moralisch verklärte Familie (sei es der „ewige Bund vor Gott“ oder die „Keimzelle des Staates) weicht zunehmend Alternativmodellen wie etwa Zweckbündnissen auf Zeit. Neu ist das nicht: Die traditionelle, patriarchale - auf Besitz von Grund, Boden, Hausrat, Kinder und Frauen aufbauende - Familie entsprach wie oben erwähnt schon nicht der ökonomischen Realität des Proletariats des 19. Jh’s. Das Proletariat besaß nichts und konnte nichts weitergeben. Heirat, Erbschaft und „gute Sitten“ waren und sind rein bürgerliche Größen. Das kurze Intermezzo nach dem 2. WK - nennen wir es Fordismus - und die damit einhergehende, nicht zuletzt durch den Sozialstaat ermöglichte, Verbürgerlichung des Proletariats (siehe Mittelstand, Häuselbauer, Familienauto und Klassenkompromiss) waren in Wirklichkeit nichts anderes als eine moderne Form von „Brot und Spielen“.

Der Staat hat auf voller Linie versagt und weil er es nicht geschafft hat, dürfen es die Menschen selbst auch nicht schaffen?

Demgegenüber können wir die jetzige (ökonomische) Krise der Familie als Chance begreifen. Als Chance, patriarchale Strukturen endgültig loszuwerden. Als Chance, gemeinsam unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Als Chance unsere eigenen Kräfte zu benutzen, um uns gegenseitig zu helfen, solidarisch zu agieren und „unsere“ Kinder und Alten als gleichberechtigte Menschen zu behandeln, ernst zu nehmen und ihr Leben und Ableben so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten. Und wenn eine Welt des Kapitals und der Staatlichkeit hierfür nicht den Rahmen schaffen kann, müssen wir eben eine neue, bessere Welt aufbauen.

Kategorien: Kritik