LISA-FAS Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (WIEN)

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Von der Pflege von Menschen …

März 4, 2008 · Keine Kommentare

… zur Auflösung der Familie

Seit Monaten sorgt die „Pflegedebatte“ immer wieder für viel Diskussionsstoff in den Medien. Der Haupttenor liegt dabei auf den jeweiligen „Lösungsansätzen“ der beiden Regierungsparteien. Bei allem worüber sich die Regierung in ihrer Scheindiskussion hier streitet, ist sie nicht in der Lage die Problematiken zu beseitigen.

Die Gruppe der pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige stehen vor dem Problem, dass der Staat deren Versorgung und Betreuung finanziell und personell Mittel unterversorgt und zusätzlich deren Selbsthilfe illegalisiert. Es handelt sich hier um einen Staat der sich in einem Transformationsprozeß befindet. Er beschränkt sich zunehmend auf seine „Kernkompetenz“: Der Sozialstaat muss dem Kontrollstaat weichen. Oder anders: Sozialer Friede wird in Zukunft nicht mehr erkauft, sondern durch den staatlichen Gewaltapparat hergestellt!

Obwohl der Staat im Sozial- und Gesundheitsbereich sehr auf Deregulierung bedacht ist, tritt er in der häuslichen Pflege sehr regulativ auf. Anstatt gewachsene Selbsthilfestrukturen und offizielle Institutionen zu stärken und zu unterstützen, stülpt er ein bürokratisch, juristisches Regelwerk darüber. Ob mensch qualifiziert genug ist jemanden das Essen zu verabreichen, das mensch selbst gekocht hat oder ob mensch die Qualifikation besitzt jemand anderen ein Pflaster aufzukleben, will der Staat bestimmen.

keinmenschistillegal.gifAusgebildete Pflegekräfte, durch deren prekäre Arbeitsverhältnisse die Versorgung vieler pflegebedürftiger Menschen erst ermöglicht würde, sind zur Zielscheibe geworden. Dass ein Teil dieser Pflegekräfte aus anderen, benachbarten Staaten kommt scheint der inländischen Medienlandschaft & PolitikerInnenriege hierbei besonders aufzustoßen. Eine neue Gruppe von „Illegalen“ wurde eingeführt und zwar jene der „illegalen Pflegekräfte“.

Die Sozial- und Gesundheitssysteme im sogenannten Westen befinden sich nun schon seit einigen Jahren im steten Abwärtstrend. Das ist insofern eine Zäsur, da das Nachkriegssystem, aufgebaut auf relativ hohen Löhnen - zumeist für die männlichen „Familienoberhäupter“ - und einem funktionierenden Pensions- und Sozialsystem erlaubte, dass unbezahlte Haus- und Pflegearbeit zumeist von „Hausfrauen“ geleistet werden konnte. Andererseits eben ermöglichte der Sozialstaat, dass die entstehenden Pflege- und Betreuungskosten weitestgehend abgedeckt wurden. Die mangelnde berufliche Qualifikation vieler Angehöriger wurde und wird bis zum heutigen Tage nicht berücksichtigt. Zu einer oft zusätzlichen Berufstätigkeit, ökonomischen Engpässen uvm. führt das zu einer Dauerbe- & überlastung der pflegenden Angehörigen, denen selten ein befriedigender Mechanismus zur Entlastung zur Verfügung steht.

Neuerdings aufkommende Parolen wie „Wohin mit den Alten?“ oder „Die Kinder sind unsere Zukunft!“ sind bei weitem keine leeren Phrasen. Sie zeigen unverhohlen auf, dass das System Familie zuallererst ein ökonomisches Verhältnis darstellt.

Wie aber schon die ländliche Großfamilie durch die industrielle Revolution aufgelöst wurde, löst sich nun die fordistische Kernfamilie auf und weicht den Anforderungen einer auf Einzelkampf aufbauenden Ökonomie und Ideologie. Die moralisch verklärte Familie (sei es der „ewige Bund vor Gott“ oder die „Keimzelle des Staates) weicht zunehmend Alternativmodellen wie etwa Zweckbündnissen auf Zeit. Neu ist das nicht: Die traditionelle, patriarchale - auf Besitz von Grund, Boden, Hausrat, Kinder und Frauen aufbauende - Familie entsprach wie oben erwähnt schon nicht der ökonomischen Realität des Proletariats des 19. Jh’s. Das Proletariat besaß nichts und konnte nichts weitergeben. Heirat, Erbschaft und „gute Sitten“ waren und sind rein bürgerliche Größen. Das kurze Intermezzo nach dem 2. WK - nennen wir es Fordismus - und die damit einhergehende, nicht zuletzt durch den Sozialstaat ermöglichte, Verbürgerlichung des Proletariats (siehe Mittelstand, Häuselbauer, Familienauto und Klassenkompromiss) waren in Wirklichkeit nichts anderes als eine moderne Form von „Brot und Spielen“.

Der Staat hat auf voller Linie versagt und weil er es nicht geschafft hat, dürfen es die Menschen selbst auch nicht schaffen?

Demgegenüber können wir die jetzige (ökonomische) Krise der Familie als Chance begreifen. Als Chance, patriarchale Strukturen endgültig loszuwerden. Als Chance, gemeinsam unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Als Chance unsere eigenen Kräfte zu benutzen, um uns gegenseitig zu helfen, solidarisch zu agieren und „unsere“ Kinder und Alten als gleichberechtigte Menschen zu behandeln, ernst zu nehmen und ihr Leben und Ableben so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten. Und wenn eine Welt des Kapitals und der Staatlichkeit hierfür nicht den Rahmen schaffen kann, müssen wir eben eine neue, bessere Welt aufbauen.

Kategorien: Kritik

Soziale Arbeit - eine Interpretation der CNT-AIT (F)

Januar 2, 2008 · 1 Kommentar

Am 3. Dezember 2007 erreichte uns ein Gratulationsschreiben von unseren GenossInnen der CNT-AIT (anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Frankreich) zur Gründung unserer Föderation. Dem Schreiben war ein kritischer Text im Bezug auf soziale Arbeit hinzugefügt, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Hier nun die Übersetzung, den Originaltext haben wir als Kommentar hinzugefügt. Wir gehen natürlich davon aus, dass unsere GenossInnen, obwohl kein “-Innen” verwendet wird, beiderlei Geschlecht ansprechen.

 

 

Sozialarbeiter

Personen in prekären Arbeitsverhältnissen im Dienste des Prekariats


Die Ambivalenz der Funktion des Sozialarbeiters ist bekannt. Zuständig den am meisten Ausgebeuteten und Ärmsten zu helfen, ist der Sozialarbeiter gleichzeitig eines der Instrumente für den sozialen Frieden, eine notwendige Vorraussetzung für das gute Funktionieren dieser Ausbeutungs- und Profitgesellschaft. Da er täglich diese schizophrene Situation erlebt, ist er dauernd dem Zynismus der Macht ausgesetzt und mit der Not der benachteiligten, verarmten und ausgestoßenen Bevölkerungsschichten konfrontiert. Unter der Schirmherrschaft insbesondere der sozialistischen Macht wurde die Verwaltung der Armut in den 80-er Jahren durch die Vermehrung von Vereinen, genannt Sozialhilfe, Hilfe durch Arbeit oder Resozialisierung, rationalisiert. Das Geschäft lohnt sich! Der Staat, das Land und die Gemeinde wälzen die Verwaltung der Armut auf diese Verein gegen eine gewissen finanziellen Unterstützung ab, um den Laden am Laufen zu halten. Wackliger Status, Mindestlohn, Wahnsinnsstunden; der Sozialarbeiter befindet sich in einer Falle,. Angesichts der Not der Hilfsbedürftigen schuftet er meistens ohne Bezahlung, jongliert mit Behördengängen, den willkürlichen Gesetzen, den niederträchtigen Verordnungen, und versucht in diesem Papierkram-Labyrinth seinen Gleichgesinnten zu helfen, aufrecht stehen zu bleiben und einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, in die das System unerbittlich gerät.

 

Aber die 80-er Jahre liegen sehr weit zurück. Die Zeit der väterlichen Almosenist vorbei. Heute wird dem Sozialsektor befohlen, sich an die Marktgesetze anzupassen, die zu der Not sowie zu dem Rest der Gesellschaft passen. Die Schlüsselwörter haben sich verändert! Berechnung, Kontrolle, Rentabilität, Produktivität, das sind die neuen Werte, die das Funktionieren des Sozialbereiches beherrschen. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich die staatlichen Hilfen für die Resozialisierungsvereine weiter verringert, während sich die Forderungen der Mächtigen noch verstärkt haben. Unter dem Deckmantel der Resozialisierung wird der Sozialarbeiter ungewollt zu einem Polizeispitzel, ein Kontrolleur der Not, eine Polizeihilfskraft, die die Überwachung der aus dem System ausgestoßenen Personen übernimmt. Und die Leute irren sich dabei nicht. Viele verzichten auf ihr Recht auf das Realeinkommen, um die Kontrolle über ihr Leben zu vermeiden, ihre Art und Weise in diesem Zustand zu überleben. Und zahlreiche Ausgeschlossene haben noch ganz andere Schwierigkeiten zu erleiden, da sie nicht den Verwaltungsnormen entsprechen, die Bedingung sind, diese Almosen zu erhalten.

Man fühlt es täglich; die Not ist mehr als ein Übel, das man ausmerzen muss, es ist ein gefährlicher Makel geworden, der verwaltet, beherrscht und betreut werden soll. Diese Wiederholung betrifft alle: den Ausgeschlossenen sowie den Sozialarbeiter. Aufgrund der gekürzten Subventionen verringern die Vereine ihre Ausgaben. Die Situation des Sozialarbeiters ist von da an nicht so weit entfernt von dem seines „Klienten.“ Wiederholter befristeter Vertrag… CES[1], Zeitaufwand, Teilzeitarbeit, Mindestlohn …. sind meistens die Arbeitsbedingungen des Erziehers XY. Und die ungerechte Seite der Situation will, dass man nicht selten feststellt, dass die Leiter dieser Vereine sich gleichzeitig Löhne von mehreren tausenden Euros pro Monat zahlen lassen.

Personen im Zustand des Prekariats um das Prekariat zu betreuen, das muss man sich einmal überlegen. In Montauban fragte ein Sozialarbeiter voriges Monat einen „Klienten“, der wegen Behördengängen kam, welchen Beruf er ausübte, bevor er die Schrecken der Arbeitslosigkeit kennen lernte, und dann den Mindestlohn: „Erzieher“, antwortet er, „aber aus Mangel an Subventionen hat der Verein zugesperrt“.

Die Zukunft des Sozialarbeiters lautet: Verschwinden!

Eine Hilfsorganisation zu gründen, bedeutet zu beschließen, dass diese Organisation mit Dauer umgesetzt wird, dass es kein konjunkturelles Ereignis ist, sondern eine Struktur, die integraler Bestandteil des kapitalistischen System ist.

Es ist auch Aufgabe der Sozialarbeiter die Rolle zu verstehen, die man sie spielen lassen will. In einer Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit herrschen, wäre die Zukunft des Sozialarbeiters so schnell wie möglich zu verschwinden.

CNT-AIT 19 novembre 2006


[1] Contrats emploi solidarité: Programm zur Beschäftigung für Arbeitslose an Schulen

Kategorien: Kritik · Theorie

Maul auf, SozialhacklerInnen

Oktober 4, 2007 · Keine Kommentare

Wer bis jetzt der Meinung ist, dass jeder Mensch hier sagen kann was mensch sich halt so denkt, der irrt. Die freie Meinung hört spätestens mit der Arbeit auf. Und auch wir, die gesellschaftskritischen, sozial engagierten ArbeiterInnen, sind davon betroffen.

Einen sozialen Betrieb und dessen Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren, das ist momentan Sache der Geschäftsführung oder von PressesprecherInnen, die eben von der Geschäftsführung eingesetzt wurden und deren Interessen vertreten. Den ArbeiterInnen an der Basis ist ein eigenständiges öffentliches Auftreten, im Bezug auf ihre Arbeit meist untersagt. Sehr oft ist das auch durch spezielle Passagen in der Betriebsvereinbarung und/oder im Arbeitsvertrag geregelt. Wenn nun jemand von der Basis dagegen verstößt bedeutet das einen Kündigungsgrund ähnlich der Industriespionage. Als Ausnahme ist dabei der Betriebsrat oder die Betriebsrätin zu sehen. Geschützt durch ihre/seine Unkündbarkeit können sich diese etwas weiter vorwagen. Ob sie das nun nutzen und falls ja, ob das dann im Sinne der ArbeiterInnen ist ist Glückssache. Der Maulkorb für die einzelnen und die Basis bleibt, so oder so.

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Nun wird dieser Maulkorb oft mit der hohen Sensibilität der sozialen Sache begründet. Wird irgendwo ein neues Flüchtlingsheim oder eine neue Drogenberatungsstelle eröffnet, dann erfahren das die MitarbeiterInnen dieses Betriebs oft erst aus den Medien. Um zu verhindern, dass einE QuerulantIn etwas zu früh den Medien steckt, werden Entscheidungen erst dann kommuniziert wenn sie schon getroffen und unumkehrbar sind. Die Basis wird entmündigt, mit der unterschwelligen Andeutung: Ihr seit entweder zu dumm um den größeren Sinn der Sache zu erkennen oder ihr seit zu intrigant und zu subversiv um euch am Wissen Teil haben lassen zu können. Die Basis wird als Gefahr wahrgenommen, sie soll keinen großen Einblick haben und gefälligst ihr Maul halten.

Die Verschwiegenheit, die die Persönlichkeitsrechte der KlientInnen schützt, wurde ganz nebenbei ausgeweitet. Nun soll die Verschwiegenheit der sozial Arbeitenden auch die Machenschaften der Geschäftsführung schützen. Das Informationsmonopol liegt bei den oberen Etagen. Um öffentliche Meldungen von der Basis zu unterbinden werden solche als ungesetzlich interpretiert und als Konsequenz gäb´s

da noch eine Kündigung. In diesem Umfeld können die Bosse ihre Umstrukturierungen, Einsparungen und Liberalisierungen vornehmen und die Basis links liegen lassen. Angst vor schlechter Publicity in den Medien brauchen sie deswegen nicht zu haben, es halten ja alle brav das Maul.

Wo bleibt da das Recht auf freie Meinungsäußerung? JedEr Einzelne hat das Recht sich zu allem zu äußern, auch öffentlich. Dieses Recht wird uns jedoch nicht geschenkt. Es liegt an uns Mittel und Wege zu finden um dieses Recht einzufordern und um dieses Recht auszuüben. Wir sind ExpertInnen unseres eigenen Lebens, auch unserer Arbeit und wir haben etwas zu sagen. Nur wir selbst können diese Zensur durchbrechen, es ist unser Recht – unsere Pflicht – uns zu Wort zu melden, nur so können wir uns partizipieren und Veränderungen bewirken. Dieser blog bietet allen die sich kritisch zu Wort melden wollen die Möglichkeit das in anonymisierter Form zu tun. (göf)

Kategorien: Betriebsinfo · Kritik

SozialarbeiterInnen als LaienrichterInnen?

September 25, 2007 · Keine Kommentare

In den letzten Tagen schwirrt die Nachricht durch die Medien, dass Justizministerin Maria Berger Reformen für die bedingte Haftentlassung plant. Der Online-Standard berichtet [hier], dass künftig über die bedingte Entlassung von Häftlingen zwei BerufsrichterInnen und ein/e qualifizierte LaienrichterIn entscheiden sollen. Auf Ö1 wurde nicht nur von LaienrichterInnen, sondern dezitiert von SozialarbeiterInnen gesprochen, die über die bedingte Entlassung mitentscheiden/ mitrichten sollen. Ein Schritt in die richtige Richtung?

angry judge
Sozialarbeit der Zukunft?

Vorerst sollte festgehalten werden, dass die überwältigende Mehrheit der Verurteilungen und Inhaftierungen, in direkter oder indirekter Folge, auf geltende Eigentumsverhältnisse zurückzuführen ist. Menschen verstoßen gegen Eigentumsrechte und werden dafür verurteilt und eingesperrt. Die Ursache für Raub, Betrug und Diebstahl liegt primär in der geltenden gesellschaftlichen Ordnung, die den Schutz von Eigentum - das Grundlage kapitalistischer Produktion ist - über die Freiheit und Gleichheit der Menschen stellt. Eine freie und libertäre Gesellschaft kommt jedoch ohne die geltenden Eigentumsverhältnisse aus, da sie auf solidarischen und gemeinschaftlichen Prinzipien basiert. Eine freie Gesellschaft kommt daher auch (weitgehend?) ohne Gefängnisse aus, bzw. sieht temporären Freiheitsentzug als letztes Zwangsmittel, um die Freiheit der restlichen Bevölkerung zu garantieren.
SozialarbeiterInnen sollten daher für die Abschaffung von Haft eintreten und sich nicht auf den sauberen und humanen Ablauf dieser beschränken, damit das Werkl gut läuft. Die Ausübung richterlicher Funktionen ist berufsethisch nicht vereinbar. SozialarbeiterInnen können nicht die künftigen Handlungen einer Person voraussehen und das ist auch nicht ihre Aufgabe! Sozialarbeit kann nicht Aufgaben der Judikative übernehmen, genau so wenig wie die der Exekutive („Obacht SozialhacklerIn: Ned packln mit der Kiwarei!“).
Ambitionen sich als Profession zu etablieren scheinen heutzutage sehr verlockend zu sein. Die Verlockung die eigene Profession in Frage zu stellen und an deren Abschaffung zu arbeiten ist für uns noch größer.
Uns muss bewusst sein, dass Sozialarbeit zwar Aufgaben übernimmt, die in der jetzigen Gesellschaft unabdingbar sind. Die gesellschaftliche Veränderung erfolgt jedoch über die Bekämpfung der HERRschaftsmechanismen und nicht über die Bekämpfung und identifizierung immer neuer Symptome und Problemfelder, die sozial bearbeitet werden müssen.
Daher sagen wir nein zu SozialarbeiterInnen als RichterInnen! Nein zu elektronischen Fußfesseln zur Ausweitung von Haft! Nein zu elektronischen Fußfesseln als Ausweitung der Totalüberwachung! Nein zur Schubhaft und nein zu Gefängnissen überhaupt! (ep)

Kategorien: Aktuelles · Kritik

WORK comix

Juni 11, 2007 · Keine Kommentare

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Kategorien: Kritik

Zum Wiener Sozialsystem

Mai 22, 2007 · Keine Kommentare

Als direkt Betroffener, sprich als Lohnarbeiter im Wiener Sozialsystem, will ich hier mal versuchen aus meiner Perspektive zum Förderwesen von Projekten Position zu beziehen.

Wenn in Wien ein neues Projekt im Sozialbereich gestartet wird liegt die Vermutung nahe, dass irgendwo so ein mächtiges Tier erkannt hat, dass er oder sie aufgrund dieses Projektes einen Vorteil haben könnte. Und um das umzusetzen braucht dieser Mensch dann nur noch eine willige Institution mit deren billigen ArbeiterInnen. Und dass das dann auch so funktioniert, wie es sich die AuftraggeberInnen vorstellen wird laufend evaluiert, oder besser gesagt kontrolliert. Und dass das dann meist genau so funktioniert, dass sich die ArbeiterInnen an der Basis – und natürlich erst die KlientInnen – vor lauter Ohmacht nur mehr am Schädel greifen liegt wahrscheinlich daran, dass die AuftraggeberInnen eben aus ihrer Lebenswelt heraus delegieren. Und die ist weit weg von der wovon hier geschrieben wird.

Mariahilferstraße bis Brüssel

Da wo es weit weg ist von den Menschen die in prekären Lebenssituation leben, also in Politik und Wirtschaft, da fühlen sich einige dazu genötigt was zu unternehmen. Sei´s aus christlichem, sozialdemokratischem oder sonst welchem Idealismus und/oder Kontrollwahn, sei´s weil einem die Punks, Junkies oder Obdachlosen vor dem Geschäft das Geschäft vermiesen, da muss was getan werden. Da diese Damen und Herren anscheinend am besten wissen was nun zu passieren hat, starten sie eine Ausschreibung in der ein eigenständiger Handlungsspielraum für´s Projekt eben keinen großen Spielraum hat. So hat es sich anscheinend als praktisch herausgestellt, Projekte selbst ins Leben zu rufen, anstatt zu warten bis es ein sozialer Verein oder engagierte Menschen das machen, die haben ja bekanntlicher und leider auch problematischer Weise ihre eigenen Vorstellungen. Wenn die hohen Damen und Herren schon zahlen sollen, dann schon für was, was ihnen gefällt. Dass sich dann auch alles so entwickelt wie es sich die AuftraggeberInnen vorstellen wird das Projekt mal für ca. 1 bis 2 Jahre bewilligt, dann wird überprüft ob die Auflagen erfüllt wurden und wo mensch sparen könnte. Hie und da kann es dann auch zu umstrukturierenden Entlassungen kommen. Die Dienstverträge sind praktischer Weise auch gleich befristet.

Handzahme Sozialkonzerne

Um die Aufträge reißen sich meist schon etablierte Vereine und bei Zusage – die Konkurrenz im Sozialbereich ist hart – dürfen sie wieder ein wenig wachsen. Richtige Konzerne sind da schon am werken, deren Strukturen sowohl für Außenstehende wie auch für dort Arbeitende kaum noch durchschaubar sind. Die vorgefundenen Auflagen werden von den glücklichen GeschäftsführerInnen meist bereitwillig angenommen. Medienwirksam schütteln AuftraggeberIn und AuftragnehmerIn bei der Eröffnung die Hände, daneben die karrierebewusste Projektleitung und in der zweiten Reihe eventuell noch die BasishacklerInnen und ein paar VorzeigeklientInnen.

Ökonomisierung und Bürokratisierung

Jetzt soll das Radl am werken sein und bleiben und das möglichst ökonomisch. Als hätten soziale Institutionen und Vereine in der Vergangenheit nicht schon immer beweisen müssen, dass sie mit permanent zu wenig Kohle auskommen müssen, wurde ihnen nun ihre ökonomische Mündigkeit abgesprochen. Besachwaltet in Finanzen müssen sie über ihre Leistungen genau Aufzeichnungen machen und Auskunft geben. Um die Schwierigkeit, eine quantitative Aussage über eine qualitative Arbeit zu ermöglichen, wurde die „Stricherlliste“ erfunden. Jeden Tag füllen Hundert- und Tausendshaften an sozial Arbeitenden verschiedenste, in allen Varianten und Ausrischtungen vorhandenen Stricherllisten aus und hämmern diese in den Computer. Daraus entsehen dann Statistiken, die kaum was mit der eigentlichen Arbeit zu tun haben. Normale Dokumentationen über die Betreuungsverläufe geschehen nebenbei, für Evaluierungen geben die aber nicht genug Zahlen her. Da die gesamte Administration viel Geld kostet, wird diese meist an die Basis weiterdelegiert (mit Ausnahme der Zahlenauswertung). Den BasishacklerInnen bleibt vor lauter Stricherln kaum noch Zeit für ihre eigentliche Arbeit, außer sie gehen in Richtung Selbstausbeutung und arbeiten mehr als ihnen gut tut.

Ausbeutungsverhältnisse

Dabei wär es gar nicht nötig sich selbst auszubeuten, das erledigt schon der/die ArbeitgeberIn für einEn. Wenn mensch freiwillig in diesem Bereich für einen Lohn arbeiten will (als PsychologIn, SozialarbeiterIn, BetreuerIn, …) müsse mensch sich anscheinend mit einem geringen Lohn, chronischer Unterbesetzung und ständiger Belastung abfinden. Wenn mensch das unfreiwillig machen muß (z.B. wenn man nicht beim Militär das Töten lernen will) müsse mensch sich anscheinend mit einen kaum existierenden Lohn und mit Arbeiten, die halt sonst niemand machen will, abfinden. Wenn mensch freiwillig im sozialen Bereich arbeiten will ohne Geld dafür zu bekommen, sollte dieser sich damit abfinden, dass sie/er den Lohn von Menschen drückt, die darauf angewiesen sind.

Auf alle Fälle unterstehen die Menschen in diesem Gefüge einem streng hierarchischem System: Ganz unten, eh klar, die KlientInnen, dann die für diesen Bereich unausgebildeten Basishackler wie Zivildiener und Betreuer, dann die dafür ausgebildeten SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, TherapeutInnen, usw. dann die Projektleitung, die Geschäftsführung, der Vereinsvorstand, der Geldgeber (z.B. FSW), die Politik, das Kapital. Ein reges von oben nach unten delegieren und treten ist vorhanden und es ist immer wieder verwunderlich, dass alle wichtigen und richtungsweisenden Entscheidungen von den Ebenen getroffen werden, die nichts mit der sozialen Arbeit zu tun haben und es trotzdem kaum einen Aufschrei von der Basis gibt. Was sich ja ändern kann.

Kategorien: Kritik

April 24, 2007 · Keine Kommentare

Kategorien: Kritik

Gegen Zwangsdienst und Lohndumping!

Januar 21, 2007 · Keine Kommentare

Wir, die libertäre Initiative sozial Arbeitender (LISA), rufen alle sozialen undasgirlisa3.jpg gesundheitlichen Organisationen, die dort arbeitenden Menschen und im Besonderen auch die Betroffenen dieser Zwangsmaßnahmen auf, im Rahmen ihrer Mittel und Möglichkeiten, sich gegen die staatlichen Zwangsmaßnahmen zu äußern, sich dagegen zu organisieren und diese zu boykottieren.

 

Aktueller Anlass ist das Vorhaben der neuen Bundesregierung: Studenten, die sich in einer finanziell prekären Situation befinden, sollen zukünftig – um weiterstudieren zu können – zu gemeinnütziger Arbeit genötigt werden.

Seit langem schon werden Menschen, die aus Gewissensgründen keine Waffe in die Hand nehmen wollen, zum Zivildienst gezwungen.

Weiters zu erwähnen ist, dass die Zwangsrekrutierung von Langzeit-arbeitslosen für den Sozialbereich immer wieder zur Diskussion steht.

 

Hierbei handelt es sich um Menschen, die aufgrund von Leistungskürzungen und Mehrbelastungen in finanzielle Probleme gebracht wurden und nun zur Strafe „sozialen Arbeitsdienst“ ableisten sollen.

Dass diese Menschen meist nicht den freien Willen und die Voraussetzungen für professionelle soziale Tätigkeiten mitbringen, ist gerade auf diesem ethisch sensiblen Gebiet äußerst bedenklich. Da diese Menschen für sehr wenig Kohle arbeiten müssen, wird ein Lohndumping und schlussendlich eine Entwertung des gesamten sozialen Bereichs in Gang gesetzt. Dass dieser Qualitätsverlust letztendlich auf die Gesellschaft zurückfällt, scheint den Herren und Damen der Macht egal zu sein.

 

Wir rufen alle involvierten Menschen auf, gegen diese staatlichen Zwänge und Einmischungen aufzustehen und fordern ein Arbeitsfeld, das den sozial beschäftigten Menschen ermöglicht, möglichst frei, professionell und mit ausreichend Knete entlohnt zu werken.

Kategorien: Kritik