LISA-FAS Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (WIEN)

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Rassismus und Antirassismus in der Sozialen Arbeit

Juni 9, 2008 · Keine Kommentare

Wir stehen heutzutage immer noch vor der Problematik, dass Mensch nicht gleich Mensch ist. Die Herrschende Klasse unterteilt und schubladisiert uns. Ziel ist es uns - die arbeitende Klasse - zu beherrschen indem sie uns spalten. Unter dem Motto „teile & herrsche“ werden wir in Frauen und Männer, ArbeiterInnen und Angestellte, Erwerbstätige und Arbeitslose, BeitragszahlerInnen und SubventionsempfängerInnen und eben auch in In- & AusländerInnen unterteilt. Uns allen ist gemeinsam, dass wir, dem Profit und dem Machterhalt der Eliten dienen sollen, sei es als Arbeitskräfte oder als KonsumentInnen. Hauptsache wir schließen uns nicht zusammen, arbeiten für zwei und kaufen jeden Scheiß. Damit sie uns widerstandslos wie Tomaten ausquetschen können ist es wichtig, daß wir Angst haben. Angst vor dem scheinbar Anderen, eben auch den AusländerInnen oder den InländerInnen. Je nachdem wie sie uns eingeteilt haben. Während wir uns mißtrauisch beäugeln, können die Bosse unsere Löhne drücken, uns evaluieren, rationalisieren, kontrollieren, uns kündigen, unsere Firmen schließen und uns und unseren gesamten Planeten ausbeuten. Während die Gewinne der Profitgeier dadurch immer fetter werden, sollen wir zwischen Konsum und Konkurs dahinvegetieren. Den InländerInnen von uns soll es dabei ein bißchen weniger beschissen gehen wie den AusländerInnen unter uns. So werden künstliche Unterschiede und riesige Profite gemacht.

Alles für alle - Antirassismus ist Klassenkampf

Besonders sichtbar werden diese künstlichen Unterschiede und diese Profitgier im Sozialen Bereich. Je mehr die Gewinne der Industrie und der Finanzmärkte steigen, desto mehr wird im Sozialbereich – und nicht nur da – eingespart. Der Staat erkauft sich den sozialen Frieden nicht mehr, sonder tritt zunehmend als Kontrollstaat auf. Bist du sozial schwach, wirst du als ökonomische Gefährdung für die Stabilität der Gesellschaft gebrandmarkt, der mensch nur mit strengen Gesetzten und Richtlinien beikommen könne. Um ein paar Brösel des Kapitals naschen zu dürfen mußt du beweisen, daß du deinen AusbeuterInnen brav als Arbeitskraft zur Verfügung stehen willst. Bist du AusländerIn, dann ist das gar nicht so leicht. Je schlechter dein Aufenthaltsstatus, desto weniger „Recht auf Arbeit“ hast du. Dasselbe gilt für dich beim Anrecht auf Arbeitslosengeld und Sozialleistungen, beim Zugang zu geförderten Wohnungen, beim Einlaß in Notschlafstellen, bei minimaldemokratischen Mitbestimmungsrechten, beim Anrecht auf eine Krankenversicherung, beim Aufenthaltsrecht. Sollten die Eliten nicht den Eindruck haben, daß du und die Menschen mit deinem Aufenthaltsstatus früher oder später einen wirtschaftlichen Nutzen haben werden, dann hast du existentielle Probleme. Dafür hat der Staat dann Sachen wie das Ausländerbeschäftigungsrecht und das Fremdenrecht: jahrelanges Warten auf Familienzusammenführung, (Flüchtlings-)Lager, Grenzüberwachung, Schengen und Dublinabkommen, keine Arbeitserlaubnis, Aufenthaltsverbote, Schubhaft, Abschiebung, und anderes für dich parat. Das ist alles legal, du bist schlimmstenfalls „illegal“. Um das durchzusetzen gibt´s Fremdenpolizei. Die geringen sozialen Zuwendungen von der Obrigkeit und deren EmpfängerInnen verwaltet dann jedoch die Soziale Arbeit. Ausschreibungen dafür könnten folgendermaßen ausschauen:

Suchen sozialen Verein, möglichst ohne Gesellschaftskritischen Ansatz, zum Verteilen von sozialen Zuckerln. Aber nur für Inländer und vielleicht noch EU-Bürger. Aber nur für die der alten EU-Staaten. usw.

oder:

Sozialverein gesucht mit viel Erfahrung im Kontrollieren und Sanktionieren. Aufgabenbereich: Massenunterbringung von AsylwerberInnen zu möglichst geringen Kosten. Wohnraumqualität -> egal. usw.

Viel zu oft werden künstliche Unterschiede gemacht, anstatt die realen sozialen Bedürfnisse der Menschen zu erkennen. Profitieren tun dadurch die Mächtigen u./o. die Konzerne, auch die Sozialkonzerne. Mensch sollte jedoch darüber hinaus nicht vergessen, daß es auch sinnvolle, soziale Projekte und vor allem einzelne SozialhacklerInnen gibt, die diesen strukturellen Rassismus erkannt haben und durch deren Beratung und Betreuung sie vielen Menschen überhaupt eine Existenz im Paragraphen- und Bürokratiedschungel ermöglichen. Wichtig ist, daß wir SozialhacklerInnen – egal ob In- oder AusländerInnen - aufstehen und uns selbst dagegen organisieren. Genauso wie es wichtig ist den KlientInnen – egal ob In- oder AusländerInnen – zu helfen, aufzustehen und sich selbst zu organisieren. Keine Partei, die in der Position ist etwas zu verändern, auch nicht eine grüne, wird die künstlichen Unterschiede abschaffen und damit ihre Macht gefährden. Vergeßt auch den ÖGB, er fördert die Ungleichbehandlung von In- und AusländerInnen (siehe z.B. Zugang zum „Arbeitsmarkt“ und zu Betriebsratswahlen von NichtösterreicherInnen. In beiden Bereichen fördert der ÖGB den strukturellen Rassismus.)

no borders, no nations, stop deportations

Der Anarchosyndikalismus hat sich von Anfang an gegen jede Form von Sexismus, Nationalismus, Totalitarismus und eben auch gegen Rassismus und Antisemitismus engagiert. Eine Einteilung der Menschen nach Geschlecht, sexueller Orientierung, nach Herkunft oder nach Hautfarbe ist für uns AnarchistInnen ein Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument das es zu bekämpfen gilt. Als basisdemokratische und sozialrevolutionäre Gewerkschaft kämpfen wir von der Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (LISA), genauso wie die weltweite Bewegung des Anarchosyndikalismus, dafür, daß sich jeder Mensch frei, gleichberechtigt und selbstbestimmt, je nach seinen Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten in einer solidarischen Gesellschaft entfalten kann. Daß jeder Mensch anders ist, ist für uns eine Selbstverständlichkeit und wir erkennen das als eine Bereicherung, die uns ständig neue Möglichkeiten und Ansichten vermittelt und unser Leben von grauer Uniformität befreit. Niemand hat das Recht uns zu unterteilen, dafür sind wir viel zu anders, alle gemeinsam. Du bist Gewerkschaft!

Kategorien: Theorie

Antimilitarismus und Soziale Arbeit

Februar 6, 2008 · Keine Kommentare

a-anarchopazifismus.gif “Die Arbeiter der Rüstungsindustrie und der Betriebe, die für Kriegszwecke umgestaltet werden können, sind davon zu überzeugen, daß es die Pflicht der klassenbewußten Arbeitschaft ist, bei Kriegsausbruch in den Streik zu treten, die Vorräte an Kriegsmaterial und hierfür bestimmte Rohstoffe zu vernichten und die Betriebe durch Sabotage produktionsunfähig zu machen.“ (Albert de Jong und Arthur Müller-Lehning, Internationale Antimilitaristische Kommission - Pressedienst 1929)

Der Antimilitarismus hat eine lange Tradition in der anarchosyndikalistischen Bewegung. Das Militär wird als ein Instrument der Herrschenden betrachtet, das dazu dient deren Interessen auf gewalttätige Art durchzusetzen. Junge Männer und seit kurzem auch Frauen (was wir nicht als einen emanzipatorischen Akt verstehen) werden dazu abgerichtet stramm zu stehen, jeden noch so idiotischen Befehl ohne Hinterfragung zu gehorchen und andere Menschen zu töten. Dass auch sie getötet werden können gehört dazu. Die SoldatInnen werden ihrer Selbstbestimmung beraubt und zu blinden Befehlsempfängern umerzogen. Während die Zivilbevölkerung zu den großen Opfern von kriegerischen Auseinandersetzungen gehört, gehört die Rüstungsindustrie zu den großen Gewinnern. Diejenigen die diese Kriege beginnen versuchen uns davon zu überzeugen, dass das alles zu unserer Sicherheit geschehe. Das Gegenteil ist der Fall. AnarchosyndikalistInnen haben sich bis heute gegen Krieg und die Militarisierung der Gesellschaft gewandt.

Nun gut, Krieg ist grauslig und dagegen sind wir ja sowieso alle. Aber was hat das mit Sozialer Arbeit zu tun? Einiges, sagen wir und wollen hierbei die Aufmerksamkeit auf den Zivildienst lenken. Der Zivildienst wurde als ein Ausweg für junge Männer gegründet um dem Militärdienst zu entgehen. Anstatt das Töten und gehorchen zu lernen, sollen sie die Möglichkeit haben „etwas Sinnvolles“ zu tun. Nun ist grundsätzlich festzustellen, dass es sicherlich eine Verbesserung darstellt, wenn ein Mensch, anstatt beim Militär, im Sozial- oder Gesundheitsbereich seine Erfahrungen sammelt. Diese Alternative zum Militär darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei genauso um einen Zwangsdienst handelt, der aus dem Militär heraus entstanden ist. Ab dem 18ten Geburtstag ist jeder Mann, der in einer kampffähigen Verfassung ist, dazu verpflichtet einen Teil seines Lebens dem Staat zu vermachen. Die Kampftauglichkeit wird vom Militär bestimmt, auch für Zivildiener. Wehrdienst oder Zivildienst zu verweigern fällt unter Kriegsdienstverweigerung und kann Haft bedeuten. Das nennt mensch dann “die allgemeine Wehrpflicht”. Mit Freiwilligkeit hat das alles nicht mehr viel zu tun und das ist auch nicht gut für den Sozialberreich. Die Zivis werden derzeit aber als gern gesehene Billigarbeitskräfte gesehen, die die Arbeiten verrichten, die andere nicht machen wollen. Viele Zivildiener beenden ihrer Zivildienst, aufgrund miserabler Bezahlung, verschuldet. Sozial- und Gesundheitssektor sind mittlerweile von den Zivis abhängig (das sollte den Zivildienern unter euch zu denken geben :-). Wenn über die Umwandlung der allgemeinen Wehrpflicht in ein Berufsheer diskutiert wird, so kommt mensch an der Frage nicht vorbei, wie es ohne Zivildiener funktionieren kann.

Ob nun Berufsheer oder allgemeine Wehrpflicht, beides ist abschaffens- und verhindernswert. Schwieriger wird´s beim Zivildienst. Für viele Zivildiener bedeutet diese Zeit ja wirklich „etwas Sinnvolles“. Viele schauen zum ersten mal über ihren sozialen Tellerrand oder entdecken ihr soziales Engagement. Für andere bedeutet der Zivildienst wiederum Schutz vor der militärischen Hierarchie und deren Rattenschwanz. Andererseits stellt der Zivildienst ein Ausbeutungsverhältnis dar, das eng mit militärisch, staatlicher Zwangsgewalt verbunden ist. Dass so mancher Zivildiener nicht mit Freude und Enthusiasmus an der Arbeit ist, ist auch klar nachvollziehbar. Aus dieser und ähnlichen Positionen heraus haben sich auch die Totalverweigerer entwickelt, die sich für keinerlei Art von staatlichem Zwangsdienst hergeben wollen. Sie organisieren sich und verweigern. Diesen Leuten ist vollstes Verständnis entgegenzubringen und es ist gut sie nach Möglichkeit zu unterstützen. Mittelfristig erscheint es auch wichtig, die Härten des Zivildienerdaseins zu beseitigen und solidarisch, gemeinsam mit ihnen bessere Arbeitsbedingungen, eine entschieden höhere Entlohnung und mehr Mitbestimmung zu erkämpfen. Eine Abschaffung des Zivildienstes wäre geglückt mit einer Abschaffung des Militärs. Sollte jedoch ein Berufsheer kommen, wäre das auf anderen Weg erledigt. Ein Berufsheer zu propagieren wäre jedoch nur der Tausch von Pest gegen Cholera. (göf)

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Kategorien: Theorie

Soziale Arbeit - eine Interpretation der CNT-AIT (F)

Januar 2, 2008 · 1 Kommentar

Am 3. Dezember 2007 erreichte uns ein Gratulationsschreiben von unseren GenossInnen der CNT-AIT (anarchosyndikalistische Gewerkschaft in Frankreich) zur Gründung unserer Föderation. Dem Schreiben war ein kritischer Text im Bezug auf soziale Arbeit hinzugefügt, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Hier nun die Übersetzung, den Originaltext haben wir als Kommentar hinzugefügt. Wir gehen natürlich davon aus, dass unsere GenossInnen, obwohl kein “-Innen” verwendet wird, beiderlei Geschlecht ansprechen.

 

 

Sozialarbeiter

Personen in prekären Arbeitsverhältnissen im Dienste des Prekariats


Die Ambivalenz der Funktion des Sozialarbeiters ist bekannt. Zuständig den am meisten Ausgebeuteten und Ärmsten zu helfen, ist der Sozialarbeiter gleichzeitig eines der Instrumente für den sozialen Frieden, eine notwendige Vorraussetzung für das gute Funktionieren dieser Ausbeutungs- und Profitgesellschaft. Da er täglich diese schizophrene Situation erlebt, ist er dauernd dem Zynismus der Macht ausgesetzt und mit der Not der benachteiligten, verarmten und ausgestoßenen Bevölkerungsschichten konfrontiert. Unter der Schirmherrschaft insbesondere der sozialistischen Macht wurde die Verwaltung der Armut in den 80-er Jahren durch die Vermehrung von Vereinen, genannt Sozialhilfe, Hilfe durch Arbeit oder Resozialisierung, rationalisiert. Das Geschäft lohnt sich! Der Staat, das Land und die Gemeinde wälzen die Verwaltung der Armut auf diese Verein gegen eine gewissen finanziellen Unterstützung ab, um den Laden am Laufen zu halten. Wackliger Status, Mindestlohn, Wahnsinnsstunden; der Sozialarbeiter befindet sich in einer Falle,. Angesichts der Not der Hilfsbedürftigen schuftet er meistens ohne Bezahlung, jongliert mit Behördengängen, den willkürlichen Gesetzen, den niederträchtigen Verordnungen, und versucht in diesem Papierkram-Labyrinth seinen Gleichgesinnten zu helfen, aufrecht stehen zu bleiben und einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, in die das System unerbittlich gerät.

 

Aber die 80-er Jahre liegen sehr weit zurück. Die Zeit der väterlichen Almosenist vorbei. Heute wird dem Sozialsektor befohlen, sich an die Marktgesetze anzupassen, die zu der Not sowie zu dem Rest der Gesellschaft passen. Die Schlüsselwörter haben sich verändert! Berechnung, Kontrolle, Rentabilität, Produktivität, das sind die neuen Werte, die das Funktionieren des Sozialbereiches beherrschen. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich die staatlichen Hilfen für die Resozialisierungsvereine weiter verringert, während sich die Forderungen der Mächtigen noch verstärkt haben. Unter dem Deckmantel der Resozialisierung wird der Sozialarbeiter ungewollt zu einem Polizeispitzel, ein Kontrolleur der Not, eine Polizeihilfskraft, die die Überwachung der aus dem System ausgestoßenen Personen übernimmt. Und die Leute irren sich dabei nicht. Viele verzichten auf ihr Recht auf das Realeinkommen, um die Kontrolle über ihr Leben zu vermeiden, ihre Art und Weise in diesem Zustand zu überleben. Und zahlreiche Ausgeschlossene haben noch ganz andere Schwierigkeiten zu erleiden, da sie nicht den Verwaltungsnormen entsprechen, die Bedingung sind, diese Almosen zu erhalten.

Man fühlt es täglich; die Not ist mehr als ein Übel, das man ausmerzen muss, es ist ein gefährlicher Makel geworden, der verwaltet, beherrscht und betreut werden soll. Diese Wiederholung betrifft alle: den Ausgeschlossenen sowie den Sozialarbeiter. Aufgrund der gekürzten Subventionen verringern die Vereine ihre Ausgaben. Die Situation des Sozialarbeiters ist von da an nicht so weit entfernt von dem seines „Klienten.“ Wiederholter befristeter Vertrag… CES[1], Zeitaufwand, Teilzeitarbeit, Mindestlohn …. sind meistens die Arbeitsbedingungen des Erziehers XY. Und die ungerechte Seite der Situation will, dass man nicht selten feststellt, dass die Leiter dieser Vereine sich gleichzeitig Löhne von mehreren tausenden Euros pro Monat zahlen lassen.

Personen im Zustand des Prekariats um das Prekariat zu betreuen, das muss man sich einmal überlegen. In Montauban fragte ein Sozialarbeiter voriges Monat einen „Klienten“, der wegen Behördengängen kam, welchen Beruf er ausübte, bevor er die Schrecken der Arbeitslosigkeit kennen lernte, und dann den Mindestlohn: „Erzieher“, antwortet er, „aber aus Mangel an Subventionen hat der Verein zugesperrt“.

Die Zukunft des Sozialarbeiters lautet: Verschwinden!

Eine Hilfsorganisation zu gründen, bedeutet zu beschließen, dass diese Organisation mit Dauer umgesetzt wird, dass es kein konjunkturelles Ereignis ist, sondern eine Struktur, die integraler Bestandteil des kapitalistischen System ist.

Es ist auch Aufgabe der Sozialarbeiter die Rolle zu verstehen, die man sie spielen lassen will. In einer Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit herrschen, wäre die Zukunft des Sozialarbeiters so schnell wie möglich zu verschwinden.

CNT-AIT 19 novembre 2006


[1] Contrats emploi solidarité: Programm zur Beschäftigung für Arbeitslose an Schulen

Kategorien: Kritik · Theorie

Mai 6, 2007 · Keine Kommentare

 

 

See You there!

DU BIST DIE GEWERKSCHAFT!

YOU ARE THE UNION!

TI SI RADNIČKI SINDIKAT !

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Kategorien: Theorie

Anarchosyndikalismus!

Januar 21, 2007 · Keine Kommentare

 

 

Anarchosyndikalismus?

Wenn wir von Gewerkschaft sprechen, so meinen wir nicht etwa den hierarchischen und strukturkonservativen ÖGB. Wir beziehen uns auf anarchosyndikalistische Gewerkschaftsmodelle.

Anarchosyndikalismus? Auf den ersten Blick wohl ein Unwort. Bestehend aus dem griechischen Wort Anarchia (Abwesenheit von Herrschaft) und dem französischen Wort Syndicalisme (von syndicat, Gewerkschaft), beschreibt der Begriff also eine herrschaftsfreie Gewerkschaftsbewegung. Es muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnt werden, dass ArbeiterInnen und Bosse unterschiedliche Interessen haben. Wir wollen weniger, sinnvoller, besser bezahlt und selbstbestimmt arbeiten. Die Bosse wollen uns länger, gefügiger, schneller und billiger arbeiten lassen. Wir wollen über unser Leben selbst verfügen. Die Bosse wollen die Kontrolle über die gesamte Wirtschaft und somit die gesamte Gesellschaft. Auf diesem Grund ist es notwendig, sich als ArbeiterInnen zu organisieren. Der Anarcho-syndikalismus unterscheidet sich, wie man nun schon vermuten kann, grundlegend von der herkömmlichen Gewerkschafts- bewegung. Zum einen dadurch, dass die Gewerkschaftsbasis und nicht die Gewerkschaftsbosse die Entscheidungen treffen. Zum anderen durch die föderale Gliederung, welche im Unterschied zu einer zentralistischen Gliederung die einzelnen Gewerkschaften miteinander verbindet, ohne einen hierarchischen Apparat darüber zu stülpen. Anarchosyndikalismus ist weder eine Ideologie, noch steht er einer Partei (auch keiner linken) nahe. Anarchosyndikalismus ist eine Organisationsform. Ein Werkzeug, das uns befähigen soll, selbstbestimmt zu handeln. Das uns ermöglicht, unsere Arbeits- und Lebensbedingungen hier und jetzt zu verbessern und der Vision einer gerechteren und demokratischeren Gesellschaft näher zu kommen. Der momentane Abbau sozialer und demokratischer Rechte, die permanente Ausnahmesituation in vielen Teilen der Welt und immer härter geführte ArbeiterInnenkämpfe weltweit zeigen, dass diese Rechte nicht selbstverständlich sind. Seit es das kapitalistische System gibt, wurden alle Verbesserungen der Lage der Arbeitenden durch die ArbeiterInnen selbst erkämpft. Deshalb ist der Anarchosyndikalismus revolutionär, da er aufzeigt, dass der Klassenkampf stattfindet, dass Veränderung möglich und vor allem notwendig ist und dass Frieden und Freiheit nur in einer Klassen- und Herrschaftsfreien Gesellschaft verwirklicht werden können. Das heißt, wir sind der Ansicht, dass die ProduzentInnen und DienstleisterInnen über die Produkte und Dienstleistungen selbst verfügen sollten. Dass an die Stelle von staatlichen Gewaltapparaten solidarische Gemeinwesen treten sollen. Dass es auch ohne Hunger, Krieg, Ungleichheit und brutale Konkurrenz geht. Und dass dies nur die ArbeiterInnen selbst erkämpfen können.

AnarchosyndikalistIn sein, bedeutet:

- EinE GleicheR unter Gleichen zu sein. In einer Gewerkschaft ohne Oben und Unten.

- Solidarisch zu handeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Das sind keine losen Schlagworte, sondern Notwendigkeiten und tägliche Realität über die eigene Branche hinaus und das weltweit.

- Sich als ArbeiterIn mit ArbeiterInnen zu organisieren und zu vernetzen, um den Widrigkeiten einer unsozialen Ordnung in der Arbeits- und Lebenswelt entgegen treten zu können.

- Sich gegen jede Form von Autorität, Herrschaft, Totalitarismus, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus zu wenden.

- Schon heute das Fundament für ein besseres Morgen zu bauen.

 

Für uns AnarchosyndikalistInnen im Sozial- und Gesundheitsbereich bedeutet das:

- Bei uns ist es egal ob du Zivi, SozialarbeiterIn, Reinigungskraft oder BetreuerIn (egal welche Berufsgruppe) bist. Unsere Solidarität gilt nicht einer Berufsgruppe, sondern allen. Mit allen meinen wir auch alle. Wir sind SpezialistInnen unserer eigenen Branche und setzen dort unsere hauptsächliche Aktivität an. Als AnarchosyndikalistInnen sind wir uns jedoch bewusst, dass wir nur gemeinsam mit allen ArbeiterInnen eine sozialrevolutionäre Veränderung der Gesellschaft herbeiführen können. Deshalb sind wir mit anderen Branchen-syndikaten in Wien vereint und stehen unseren GenossInnen solidarisch bei. Unsere Solidarität endet auch nicht an nationalstaatlichen Grenzen (die wir sowieso als überholt ablehnen). Auf den Punkt gebracht ist es uns wichtig, dass wir uns sowohl mit ostafrikanischen MetallerInnen oder GärtnerInnen aus dem Innviertel solidarisieren können und wir agieren aus unserer Situation als Wiener SozialhacklerInnen heraus. „think global, act local“, eine bessere Welt beginnt in deinem direkten Umfeld.
- Auch wir SozialhacklerInnen sind von Hierarchien, ökonomischen „Sachzwängen“ und Unfreiheit betroffen. Wir wollen keine institutionalisierten und wachsenden Sozialkonzerne, sondern eine soziale Arbeit die sich selber weitestgehend überflüssig macht. Wir wollen diese Gesellschaft, die krank und abhängig macht, überwinden . Soziale Arbeit soll die KlientInnen von ökonomischer und geistiger Gefangenschaft befreien. Soziale Arbeit muss sich auch selbst von dieser befreien. Fremdbestimmung weg, Selbstorganisation her!
- Wir wollen uns selbst vertreten und wollen auch keinem noch so engagierten Betriebsrat unser Schicksal überlassen. Wir lehnen das Stellvertreter- und Funktionärswesen ab und stellen dem eine solidarische
Selbstorganisation gegenüber. Unsere Branche ist über LISA organisiert und wir versuchen, uns in den einzelnen Betrieben in Betriebsgruppen zu organisieren. Hierbei gibt es kein Delegieren von oben nach unten. Alle Syndikate und Betriebsgruppen sind innerhalb der vereinbarten allgemeinen Prinzipien und Statuten autonom in ihren Entscheidungen.

Kategorien: Theorie