Anarchosyndikalismus!

Anarchosyndikalismus?

Wenn wir von Gewerkschaft sprechen, so meinen wir nicht etwa den hierarchischen und strukturkonservativen ÖGB. Wir beziehen uns auf anarchosyndikalistische Gewerkschaftsmodelle.

Anarchosyndikalismus? Auf den ersten Blick wohl ein Unwort. Bestehend aus dem griechischen Wort Anarchia (Abwesenheit von Herrschaft) und dem französischen Wort Syndicalisme (von syndicat, Gewerkschaft), beschreibt der Begriff also eine herrschaftsfreie Gewerkschaftsbewegung. Es muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnt werden, dass ArbeiterInnen und Bosse unterschiedliche Interessen haben. Wir wollen weniger, sinnvoller, besser bezahlt und selbstbestimmt arbeiten. Die Bosse wollen uns länger, gefügiger, schneller und billiger arbeiten lassen. Wir wollen über unser Leben selbst verfügen. Die Bosse wollen die Kontrolle über die gesamte Wirtschaft und somit die gesamte Gesellschaft. Auf diesem Grund ist es notwendig, sich als ArbeiterInnen zu organisieren. Der Anarcho-syndikalismus unterscheidet sich, wie man nun schon vermuten kann, grundlegend von der herkömmlichen Gewerkschafts- bewegung. Zum einen dadurch, dass die Gewerkschaftsbasis und nicht die Gewerkschaftsbosse die Entscheidungen treffen. Zum anderen durch die föderale Gliederung, welche im Unterschied zu einer zentralistischen Gliederung die einzelnen Gewerkschaften miteinander verbindet, ohne einen hierarchischen Apparat darüber zu stülpen. Anarchosyndikalismus ist weder eine Ideologie, noch steht er einer Partei (auch keiner linken) nahe. Anarchosyndikalismus ist eine Organisationsform. Ein Werkzeug, das uns befähigen soll, selbstbestimmt zu handeln. Das uns ermöglicht, unsere Arbeits- und Lebensbedingungen hier und jetzt zu verbessern und der Vision einer gerechteren und demokratischeren Gesellschaft näher zu kommen. Der momentane Abbau sozialer und demokratischer Rechte, die permanente Ausnahmesituation in vielen Teilen der Welt und immer härter geführte ArbeiterInnenkämpfe weltweit zeigen, dass diese Rechte nicht selbstverständlich sind. Seit es das kapitalistische System gibt, wurden alle Verbesserungen der Lage der Arbeitenden durch die ArbeiterInnen selbst erkämpft. Deshalb ist der Anarchosyndikalismus revolutionär, da er aufzeigt, dass der Klassenkampf stattfindet, dass Veränderung möglich und vor allem notwendig ist und dass Frieden und Freiheit nur in einer Klassen- und Herrschaftsfreien Gesellschaft verwirklicht werden können. Das heißt, wir sind der Ansicht, dass die ProduzentInnen und DienstleisterInnen über die Produkte und Dienstleistungen selbst verfügen sollten. Dass an die Stelle von staatlichen Gewaltapparaten solidarische Gemeinwesen treten sollen. Dass es auch ohne Hunger, Krieg, Ungleichheit und brutale Konkurrenz geht. Und dass dies nur die ArbeiterInnen selbst erkämpfen können.

AnarchosyndikalistIn sein, bedeutet:

– EinE GleicheR unter Gleichen zu sein. In einer Gewerkschaft ohne Oben und Unten.

– Solidarisch zu handeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Das sind keine losen Schlagworte, sondern Notwendigkeiten und tägliche Realität über die eigene Branche hinaus und das weltweit.

– Sich als ArbeiterIn mit ArbeiterInnen zu organisieren und zu vernetzen, um den Widrigkeiten einer unsozialen Ordnung in der Arbeits- und Lebenswelt entgegen treten zu können.

– Sich gegen jede Form von Autorität, Herrschaft, Totalitarismus, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus zu wenden.

– Schon heute das Fundament für ein besseres Morgen zu bauen.

Für uns AnarchosyndikalistInnen im Sozial- und Gesundheitsbereich bedeutet das:

– Bei uns ist es egal ob du Zivi, SozialarbeiterIn, Reinigungskraft oder BetreuerIn (egal welche Berufsgruppe) bist. Unsere Solidarität gilt nicht einer Berufsgruppe, sondern allen. Mit allen meinen wir auch alle. Wir sind SpezialistInnen unserer eigenen Branche und setzen dort unsere hauptsächliche Aktivität an. Als AnarchosyndikalistInnen sind wir uns jedoch bewusst, dass wir nur gemeinsam mit allen ArbeiterInnen eine sozialrevolutionäre Veränderung der Gesellschaft herbeiführen können. Deshalb sind wir mit anderen Branchensyndikaten in Wien und Oberösterreich vereint (weitere werden folgen) und stehen unseren GenossInnen solidarisch bei. Unsere Solidarität endet auch nicht an nationalstaatlichen Grenzen (die wir sowieso als überholt ablehnen). Auf den Punkt gebracht ist es uns wichtig, dass wir uns sowohl mit ostafrikanischen MetallerInnen oder GärtnerInnen aus dem Innviertel solidarisieren können und wir agieren aus unserer Situation als Wiener SozialhacklerInnen heraus. „think global, act local“, eine bessere Welt beginnt in deinem direkten Umfeld.
– Auch wir SozialhacklerInnen sind von Hierarchien, ökonomischen „Sachzwängen“ und Unfreiheit betroffen. Wir wollen keine institutionalisierten und wachsenden Sozialkonzerne, sondern eine soziale Arbeit die sich selber weitestgehend überflüssig macht. Wir wollen diese Gesellschaft, die krank und abhängig macht, überwinden . Soziale Arbeit soll die KlientInnen von ökonomischer und geistiger Gefangenschaft befreien. Soziale Arbeit muss sich auch selbst von dieser befreien. Fremdbestimmung weg, Selbstorganisation her!
– Wir wollen uns selbst vertreten und wollen auch keinem noch so engagierten Betriebsrat unser Schicksal überlassen. Wir lehnen das Stellvertreter- und Funktionärswesen ab und stellen dem eine solidarische
Selbstorganisation gegenüber. Unsere Branche ist über LISA organisiert und wir versuchen, uns in den einzelnen Betrieben in Betriebsgruppen zu organisieren. Hierbei gibt es kein Delegieren von oben nach unten. Alle Syndikate und Betriebsgruppen sind innerhalb der vereinbarten allgemeinen Prinzipien und Statuten autonom in ihren Entscheidungen.

Eine Antwort zu “Anarchosyndikalismus!

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