LISA´s Polizei Einerlei

Lisa arbeitet in der sozialen Arbeit beim Verein „Sozial und Mensch“. Sie hat noch zwei Wochen bis zum Urlaub und inzwischen viel zu tun. Am liebsten würde sie sich momentan am Abend immer einen ansaufen, aber Lisa trinkt keinen Alkohol.

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Eines Tages, während Lisa´s Arbeit und ganz unverhofft stehen da plötzlich zwei PolizistInnen vor Lisa. Also ein Polizeibeamter und eine Polizeibeamtin. Die Polizei ist nun eine emanzipierte Institution. Vorbei ist die Zeit der Männerbündelei. Mann hat erkannt, daß Frau auch sehr belastbar und zu jeder Dreckshacken bereit ist. Alles dürfens´ natürlich nicht machen. Bordelle observieren und undercover Koks mit Prostituierten zu konsumieren ist und bleibt Männersache. Da macht auch gern mal die Chefetage mit, die praktischer Weise ja eh männlich ist.

Jedenfalls stehn die jetzt vor Lisa mit der Frage wo der Klient X von Lisa ist. Den suchens nämlich. Wegen „gäwärbsmäßigäm Diebstahl“, wie die zwei sogleich bereitwillig erzählen.

Er, Gruppeninspektor Oberhuber, ist ein alter Hase. Er hat schon viel Erfahrung und manches am Kerbholz. Vor allem hat so viel Selbstvertrauen, daß es ihm auch nichts ausmacht wenn ab und zu das Pupperl, seine Kollegin, das Auto fährt. Da ist er cool und braucht dafür auch keine Dienstanweisung.

Sie, Inspektor Niederwieser, ist neu. Glücklich über das große Vertrauen vom Wickerl, Gruppeninspektor Oberhuber, gibt sie hundert und mehr Prozent um ihren Job zur vollsten Zufriedenheit ihrer vornehmlich männlichen Kollegenschaft zu erledigen.

Beide arbeiten viel für wenig Geld. So wie Lisa. Stressig haben´s alle drei. Ach, sie haben so viel gemeinsam. Alle arbeiten für eine gerechte Gesellschaft, jedeR auf ihre Weise und …

… Halt! So ein Scheiß aber auch, denkt sich da Lisa. Die kommen her um den Klienten X zu holen, weil der nicht freiwillig wegen einem geklauten Parfum für 14 Monate ins Gefängnis gehen will. Was er gemacht hat um Geld zu haben. Das braucht er zum Leben und Überleben im Kapitalismus. Für sein Überleben wären die BeamtInnen vom Sozialreferat zuständig, aber von denen bekommt er zur Zeit keine Kohle. Weil er Probleme hat sein Leben zu organisieren, hat er seinen Termin dort versäumt und muss einen neuen Termin organisieren. Ein neuer Termin dauert eben manchmal 8 Wochen. Inzwischen wollt er Parfumflaschen verkaufen. Wieder einmal. Gesessen ist er deswegen schon einmal und nach der Haft hat er nicht mehr das richtige Leumundszeugnis für den Arbeitsmarkt. Auch für Vater Staat sind die Vergehen mit einer Haft noch nicht getilgt, X muss sich bewähren und beim nächsten Fünffingerrabat werden die Strafen auch gleich höher.

Da ist Lisa eh schon vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Und jetzt soll sie das Vertrauen von Klient X hintergehen und der Polizei als informelle Mitarbeiterin herhalten. Nein, denkt sie sich und beruft sich auf ihre Verschwiegenheit.

Das gefällt dem Inspektor nun aber gar nicht. Da bemüht er sich derart höflich zu sein und dann bekommt er von dieser kriegsdienstverweigernden Haschischsozialistin die kalte Schulter präsentiert. Dienstbeflissen wie der Herr Inspektor nun mal ist, fühlt er sich nun bemüßigt Lisa über die Konsequenzen ihres Tuns aufzuklären. Mit ernster Mine belehrt er Lisa über die Paragraphen gegen die sie verstößt und deren Rechtsfolgen. Da sind Paragraphen dabei, die mensch in keinem Rechtsbuchfinden kann, denn wenn’s dringlich wird, dann nimmt Herr Gruppeninspektor Oberhuber das Recht selbst in die Hand.

Die gute Fr. Inspektor Niederwieser versucht Lisa vor allen möglichen und unmöglichen Strafen zu beschützen und gibt ihr sanftmütig zu verstehen, dass sie doch das tun soll was der so streng amtshandelnde Hr. Gruppeninspektor anschafft.

Da fühlt sich Lisa nun in einer unguten Stresssituation. Denen was sagen will sie ja nicht, aber Probleme braucht sie auch keine. Und da sie nicht weiß wie schlimm diese Probleme mit der Polizei nun wirklich werden können und inwieweit sie mit einem Rückhalt von ihrem Verein „Sozial und Mensch“ oder sonst wen rechnen kann fühlt sie sich jetzt ziemlich verunsichert. Lisa sagt nun, dass Herr Klient X nicht hier ist und dass sie nicht wisse ob und wann er wieder kommt. Eine brauchbare Information ist das nicht für die zwei ExekutivbeamtInnen, doch wenigstens konnten sie Präsenz und Autorität zeigen. Wozu auch immer schreibt sich der Inspektor noch Lisa´s Namen und Ausweisnummer auf und dann gehn´s, die zwei. Endlich, denkt sich Lisa. Doch besser geht es ihr jetzt auch nicht. Übergangen in ihrer Verschwiegenheit und genötigt zur Informationsweitergabe. Da wird mensch grantig. Lisa würd am liebsten vor´s nächstgelegene Kommissariat speiben.

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Im Team sorgt der Bericht von Lisa für eine leichte bis mittelschwere Empörung. Kollege Bert ist da ganz anderes gewöhnt. So hatte er mal einen alten, obdachlosen Klienten, der von drei Polizisten bei Schnee im Winter ohne Schuh im Wiener Wald ausgesetzt wurde. Dann eine drogenkonsumierende Klientin, die von zwei Polizisten sexuell genötigt wurde und, und, und. Rausgekommen ist da nie was, was soll denn da jetzt schon passieren. Die Bullenstory von Lisa findet er da schon etwas fahl.

Kollegin Petra, versteht Lisa schon, gibt aber auch zu bedenken, daß die Medaille immer zwei Seiten hat. Da sollte Lisa doch auch die Polizei verstehn. In ihrer Ausbildung, die noch nicht so lang her ist, hat sie interessanter Weise auch eine Lehrveranstaltung besuchen dürfen bei der sie gemeinsam mit der Polizei auf Streife gehen durfte. Da ist mensch sich schon näher gekommen und viele Vorurteile wurden abgebaut. Besonders Petra.

Frau Gabi, die Projektleiterin, wird da schon etwas nervöser. Immerhin will sie keine Scherereien. Keine mit der Polizei und keine mit der Geschäftsführung, die ihr von Scherereien mit der Polizei tunlichst abgeraten hat. Da soll Lisa bloß aufpassen, dass sie keine Scherereien mit Frau Gabi bekommt. Verschwiegenheit ist somit eine Frage der Interpretation, der von Frau Gabi. Professionell handeln bedeutet ganzheitlich handeln. Ganzheitlich bedeutet, dass die Polizei zur sozialen Problemlösung dazu gehört. Und das egal wen sie verprügelt, wegsperrt oder abschiebt. Lisa soll sich in Zukunft doch etwas kooperativer zeigen und ihre Aversionen gegen die Polizei in ihrem Privatleben oder, wohl besser, in einer Therapie ausleben. Und Bullen, lieber Bert, will sie in ihrem Team auch nicht hören. So etwas sei diskriminierend und abwertend.

Zivi Max könnt zum Thema Polizei auch einiges berichten – wär er beim Team dabei – immerhin hat er letztens bei einer Demo gegen Polizeigewalt, gewaltig von der Polizei eins über die Rübe gezogen bekommen. Zur Draufgabe saß er dann noch 24 Stunden im Hefen. Zum Glück außerhalb der Dienstzeiten, sonst hätt er wohl auch noch Probleme mit dem Verein „Sozial und Mensch“ bekommen, wenn er nicht zur Arbeit erschienen wär. Haft wär weder eine administrierbare noch eine vertrauensfördernde Arbeitsabwesenheitsbegründung. Wie auch immer, Max derf eh nicht zum Team.

Herr Gutfreund, der Geschäftsführer vom Verein „Sozial und Mensch“, ist auch nicht beim Team. Wozu auch? Entscheiden tut Hr. Gutfreund lieber alleine. Wär er aber da, dann hätt schon was dazu zu sagen. Und zwar, daß er so was schon ü-ber-haupt nicht haben kann und daß Frau Gabi sich gefälligst um diese Lisa kümmern soll. Nun gut, Frau Gabi wird sich keinen Haxen ausreißen, daß Herr Gutfreund etwas vom eigensinnigen Berufsbild von Lisa erfährt. Sie will ja nicht vor ihm dasteht als könne sie ihr Team nicht unter Kontrolle halten. Das erledigt sie lieber selber. Schon allein im Hinblick auf ihre Karriere.

Herr Gutfreund umgibt sich eh lieber mit höheren Dienstgraden, z.B. mit denen von der Polizei. Wie Herrn Bezirksinspektor Kiwaric Während Lisa zu Monatsende Zuhaus Nudeln oder Reis kocht treffen sich Herr Gutfreund und Herr Bezirksinspektor Kiwaric gemeinsam zum Geschäftsessen und wenn Herr Gutfreund nicht gerade Austria- und Herr Bezirksinspektor Kiwaric nicht gerade Rapidfan wären, dann wär die Kooperation wohl noch besser. Beide sind ja Meister im Meistern der Sachzwänge und finden in ihrer Zusammenarbeit immer kreative Lösungsansätze. Dabei herrscht natürlich eine ausgeklügelte Arbeitsteilung, da ja jeder der Experte in seinem Bereich ist. Herr Gutfreund schaut darauf, dass Herr und Frau KlientIn im System bleiben, etwas besser solls ihnen auch gehen, materiell, aber da müssens brav und arbeitswillig bei allen möglichen Ämtern und Institutionen Termine einhalten. Im Grunde genommen bleiben Herr und Frau KlientIn jedoch meist finanziell eingeschränkt und fremdbestimmt. Sollten Herr oder Frau KlientIn doch aus dem System fallen oder es verlassen dann kommt Herr Bezirksinspektor Kiwaric ins Spiel. Er sorgt dafür, dass die Spielregeln des Systems eingehalten werden. Diese Regeln werden von reicheren und mächtigeren Menschen als von Herrn und Frau KlientIn aufgestellt. Der Bezirksinspektor schaut darauf, dass die Mächtigen mächtig reich bleiben und passt auf deren Eigentum auf. Um das durchzusetzen hat er eine Fülle an Gesetzen, schlagkräftige Beamte und damit die Leut das auch alles verstehn kann er sie auch einsperren. Für Herrn Bezirksinspektor Kiwaric ist Lisa ein kleines Würstel. Sollt die Probleme machen dann spricht er halt mit Herrn Gutfreund oder – wenn das Würstel wichtiger wär – mit Herrn Hauptl.

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Herr Hauptl von der hohen kommunalen Politik wär´s am liebsten wenn die soziale Arbeit als eine Art „sanfte Polizei“ tut. Sein liebes Volk hat Angst vor Lisa´s KlientInnen. Die größte kleine Zeitung in Österreich schreibt heute täglich alle news über das Profil dieser diebischen Schmarotzer. Da kommt´s ganz gut wenn Herr Hauptl viel über Sicherheit spricht. Und im Gegensatz zu dem wenn er über soziale Sicherheit spricht passiert hier einiges. Nicht dass es weniger Gewalt oder so geben täte, aber die heutige Technik erlaupt´s, dass Herr Hauptl sein ängstliches Volk immer mehr unter Kontrolle hat. Bezirksinspektor Kiwaric derf überall Kameras aufstellen, die Ämter vernetzen ihre Daten, oder besser gesagt die Daten von Herrn und Frau Österreicher, und wenn’s billiger ist dann machen´s die privaten Anbieter. Immerhin ist mensch hier im freien Markt gefangen. Das läuft ganz gut für Herrn Hauptl, Herr Gutfreund und Bezirksinspektor Kiwaric sind eh schon auf seiner Linie und damit das Radl geschmeidig am laufen bleibt muß mensch halt auch mal die Schrauben anziehen. Zum Beispiel bei Lisa. Diese Arbeit würd – ein Hoch auf die Hierarchie – Herr Hauptl nicht machen, das wär ihm zu nieder. Dafür gibt es andere Leut.

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Aber was solls überhaupt. Es ist ja nix schlimmes passiert und Lisa ist mit einer Zurechtweisung weggekommen. Solang sich Herr und Frau Österreicher fürchten haben die Hauptls nix zu befürchten und ihre Handlanger können brav schalten und walten. Solange sich Lisa und andere denen es reicht und die sich was anderes vorstellen können nicht dagegen organisieren …

mehr Infos zur Kiwarei-Kampagne findest du hier.

3 Antworten zu “LISA´s Polizei Einerlei

  1. Die polizei

    Die polizei
    hei hei
    die polizei
    die zeilipop
    ziz ziz
    zilillipop
    pi piloz i
    zolipipi
    poplozipop
    hei hei
    die polizei
    die polizei
    zeizizili
    polizpopi
    ei zolipei
    peizi popei
    die polizei
    zei zei
    hei hei
    die polizei
    vorbei

    (Dieter Wyss)

  2. Was die Polizei alles kann und darf, kann mensch
    unter folgender Photogeschichte verachten http://jonathanmcintosh.smugmug.com/gallery/3293537 (WARNUNG: wirklich abschreckend). Die story gibts unter http://www.anarchosyndikalismus.wordpress.com (Aktuell)

    Nichts für Ungut, „Ein Angriff auf EineN, ist ein Angriff auf Alle!“

  3. Pingback: SozialarbeiterInnen als LaienrichterInnen? « LISA - Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (WIEN)

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