Sabotage in der sozialen Arbeit

Das Wort Sabotage entstand wahrscheinlich durch die Tatsache, dass französische Arbeiter während der industriellen Revolution ihre Holzschuhe (frz. „sabot“) in die Mäh- und Dreschmaschinen warfen, um gegen die fortschreitende Mechanisierung der Arbeit zu kämpfen, oder um sich eine Auszeit zu nehmen, bis die Maschinen repariert waren, wenn dieses überhaupt noch möglich war. Aus diesem Grund wurde der Sabot als ein Symbol der anarchistischen Arbeiter benutzt. (wikipedia.org)

Sabotage, eine absichtliche Störung eines ökonomischen und auch militärischen Systems, wird immer wieder als Mittel der Direkten Aktion für den anarchosyndikalistischen Arbeitskampf genannt. Dieses Mittel soll zum Erreichen von politischen Zielen der Basis oder zur Behinderung des Gegners (Kapitalist, Staat, Militär, …) verwendet werden.

Doch es stellt sich die Frage ob und wie Sabotage im sozialen Bereich anwendbar ist. Ist eine derartige Maßnahme überhaupt moralisch vertretbar? Schadet mensch damit nicht den sozialen Institutionen und den KlientInnen? Und warum sollte mensch keine anderen Mittel wählen?

Der Soziale Bereich agiert in vielen Belangen wie jeder andere Wirtschaftszweig auch. Entscheidungen werden von oben getroffen, der/die Einzelne und auch die Basis hat kaum oder keinen Einfluß auf grundlegende Entscheidungen. Im sozialen Bereich wird durch prekäre Anstellungsverhältnisse Armut geschaffen. KlientInnen werden als das soziale Problem definiert, sie werden integriert und kontrolliert. Während das kapitalistische System expandiert.

So etwas darf auch kritisieret werden. Solange sich soziale Betriebe in einem „sozialen Schein“ suhlen können werden die Bedingungen nur noch schlechter werden. Wenn die Basis nicht mehr parieren will, dann wird sie sich widersetzten müssen. Bei starren Strukturen bietet sich hierbei Sabotage an. Und eines ist uns klar: Es ist legitim zur Verteidigung und zur Erkämpfung von grundlegenden menschlichen Bedürfnissen und Rechten diejenigen zu sabotieren, die diese Rechte unterbinden.

Der Sabot im sozialen Bereich des 21. Jahrhunderts wird wohl keine Schuhe mehr in irgendwelche Maschinen werfen. Sie oder er wird eher bestimmte Tätigkeiten unterlassen oder blockieren. So ist es sehr wahrscheinlich, daß es so manche z.B. unterlassen KlientInnen nicht nach der Staatsbürgerschaft zu fragen um eine Diskriminierung von MigrantInnen verhindern. Auch denkbar ist es, daß mensch Kontrollen – davon gibt es viele in der sozialen Arbeit – widersetzt, nicht ausführt, weil er/sie erkennt, daß so manche Kontrolle die Würde der KlientInnen oder deren Privatsphäre verletzten.

Auszeiten können sich sozial Arbeitende mit Sabotage auch immer noch nehmen. Unseren ArbeitgeberInnen, die uns viel abverlangen und wenig zurückgeben wollen, werden wir zwar keine Schuhe an die PC´s oder am Schädel werfen, jedoch können langsames Arbeiten und „Krankenstände“ zum Teil regulierend auf Streß und lange Arbeitszeiten wirken. Eine Packung Kaffee u./o. sonstiges vom Arbeitsplatz nach Hause transferiert kann helfen die lächerlich niedrigen Löhne in der sozialen Arbeit etwas auszugleichen. Die zusätzlichen Kosten können den ArbeitgeberInnen einen Eindruck vermitteln, in welche Richtung sich das Budget bei fairer Bezahlung bewegen würde.

Und nicht vergessen: lasst euch nicht erwischen. (göf)

3 Antworten zu “Sabotage in der sozialen Arbeit

  1. sabotage als mittel der direkten aktion… hm, da bin ich mir nicht sicher, ob das so für mich stimmt.
    direkte aktion ist für mich die aneignung von betriebsmittlen zur eigenen nutzung, beispielsweise den kopierer für private sachen nutzen… ist ja eh gängige praxis😉
    dass das als sabotage verstanden werden kann scheint mir ja einleuchtend und ist es ja auch, vor allem wenn es in der arbeitszeit passiert. aber beim umkehrschluss stimmt das für mich nicht ganz, oder zumindest nicht immer. zum beispiel wenn das papier für den kopierer plötzlich „verschwindet“ oder aus ist und ich deswegen früher heim „muss“, weil ich leider nicht weiterhackeln kann… das ist zwar sabotage, aber keine direkte aktion. es sei denn das papier würde gleich mit mir heimgehen, dann wär es wieder beides… aber nur heimgehen oder blau machen ist keine direkte aktion, so wie ich sie verstehe.
    im übrigen ein sehr netter artikel – also hoch die kaffeetassen und die beine auf den schreibtisch!

  2. Naja, Direkte Aktion ist ja in erster Linie ein Kampfmittel. Was ich in einem Kampf erreiche, weiß ich ja vorher nicht. Ich kann mich aber für das/die Kampfmittel entscheiden! Und Direkte Aktion bedeutet halt, dass ich nicht irgendwem z.B. eine Petition überreiche, oder den Betriebsrat anhaue, sondern selbst tätig werde. Z.B. in der Form eines Wilden Streiks oder eines Sit-Ins oder eben Sabotage…
    Dazu ein Zitat aus einem Artikel, der auch auf anarchosyndikalismus.wordpress.com zu lesen ist:

    „Kapitalismus und Sabotage bedingen sich gegenseitig. Sabotage ist der Ausdruck der Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen. Wir müssen den Arbeiterinnen erklären, dass Sabotage, wenn sie kollektiv angewandt wird, ein wirksames, wenn nicht das wirksamste Kampfmittel der arbeitenden Klasse ist.“ (sehr sinngemäß nach „father“ Haggarty, ein zum revolutionären Unionismus bekehrter Priester)

    Die betonung liegt auf “kollektiv”. Die individuelle Sabotage kennt jedeR ArbeiterIn, wenn er/sie solches verhalten auch nicht so nennt!

    ert

  3. worin ich dir vollinhaltlich recht gebe. bin vor einigen wochen selbst darauf gekommen, dass meine erklärung hier nicht ganz richtig war, hab aber vergessen das hier zu posten. danke für dein posting, erspart mir die hackn das zu erklären.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s