Maul auf, SozialhacklerInnen

infoblog.jpgWer bis jetzt der Meinung ist, dass jeder Mensch hier sagen kann was mensch sich halt so denkt, der irrt. Die freie Meinung hört spätestens mit der Arbeit auf. Und auch wir, die gesellschaftskritischen, sozial engagierten ArbeiterInnen, sind davon betroffen.

Einen sozialen Betrieb und dessen Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren, das ist momentan Sache der Geschäftsführung oder von PressesprecherInnen, die eben von der Geschäftsführung eingesetzt wurden und deren Interessen vertreten. Den ArbeiterInnen an der Basis ist ein eigenständiges öffentliches Auftreten, im Bezug auf ihre Arbeit meist untersagt. Sehr oft ist das auch durch spezielle Passagen in der Betriebsvereinbarung und/oder im Arbeitsvertrag geregelt. Wenn nun jemand von der Basis dagegen verstößt würde das einen Kündigungsgrund ähnlich der Industriespionage bedeuten. Eine Beschwerde, auch eine öffentliche, über  miese Arbeitsbedingungen stellt jedoch keine Weitergabe von Betriebsgeheimnissen dar und ist entgegen landläufiger Meinungen legitim! Der Betriebsrat oder die Betriebsrätin kann sich, geschützt durch ihre/seine Unkündbarkeit, etwas weiter vorwagen. Ob sie das nun nutzen und falls ja, ob das dann im Sinne der ArbeiterInnen ist ist Glückssache. Der Maulkorb für die einzelnen und die Basis bleibt, so oder so.

Nun wird dieser Maulkorb oft mit der hohen Sensibilität der sozialen Sache begründet. Wird irgendwo ein neues Flüchtlingsheim oder eine neue Drogenberatungsstelle eröffnet, dann erfahren das die MitarbeiterInnen dieses Betriebs oft erst aus den Medien. Um zu verhindern, dass einE QuerulantIn etwas zu früh den Medien steckt, werden Entscheidungen erst dann kommuniziert wenn sie schon getroffen und unumkehrbar sind. Die Basis wird entmündigt, mit der unterschwelligen Andeutung: Ihr seit entweder zu dumm um den größeren Sinn der Sache zu erkennen oder ihr seit zu intrigant und zu subversiv um euch am Wissen Teil haben lassen zu können. Die Basis wird als Gefahr wahrgenommen, sie soll keinen großen Einblick haben und gefälligst ihr Maul halten.

Die Verschwiegenheit, die die Persönlichkeitsrechte der KlientInnen schützt, wurde ganz nebenbei ausgeweitet. Nun soll die Verschwiegenheit der sozial Arbeitenden auch die Machenschaften der Geschäftsführung schützen. Das Informationsmonopol liegt bei den oberen Etagen. Um öffentliche Meldungen von der Basis zu unterbinden werden solche als ungesetzlich interpretiert und als Konsequenz gäb´s

da noch eine Kündigung. In diesem Umfeld können die Bosse ihre Umstrukturierungen, Einsparungen und Liberalisierungen vornehmen und die Basis links liegen lassen. Angst vor schlechter Publicity in den Medien brauchen sie deswegen nicht zu haben, es halten ja alle brav das Maul.

Wo bleibt da das Recht auf freie Meinungsäußerung? JedEr Einzelne hat das Recht sich zu allem zu äußern, auch öffentlich. Dieses Recht wird uns jedoch nicht geschenkt. Es liegt an uns Mittel und Wege zu finden um dieses Recht einzufordern und um dieses Recht auszuüben. Wir sind ExpertInnen unseres eigenen Lebens, auch unserer Arbeit und wir haben etwas zu sagen. Nur wir selbst können diese Zensur durchbrechen, es ist unser Recht – unsere Pflicht – uns zu Wort zu melden, nur so können wir uns partizipieren und Veränderungen bewirken. Dieser blog bietet allen die sich kritisch zu Wort melden wollen die Möglichkeit das in anonymisierter Form zu tun. (göf)

.

3 Antworten zu “Maul auf, SozialhacklerInnen

  1. Eine Frage: Wie sieht es mit internen Maulkörben aus? Kann mir ein Arbeitgeber anschaffen, dass ich etwas nicht mit meinen KollegInnen besprechen darf?

  2. Es kommt darauf an worum es sich dabei handelt. Wenn es sich um die Erstellung von Konzepten, Evaluierung interner Geschäftszahlen und ähnliche Sachverhalte handelt bei denen du einen exklusiven Einblick hast, dann ist Vorsicht geboten. Besonders wenn dein Arbeitgeber/deine Arbeitgeberin dich ausdrücklich auf die Verschwiegenheit hinweist. Wenn du dich nicht daran hältst, dann hätte dein Boss einen Entlassungsgrund, da er/sie behaupten könnte, dass das Vertrauensverhältnis nicht mehr vorhanden ist. Um rechtl. dagegen vorzugehen wäre dann der mühsame Weg übers Arbeitsgericht einzuschlagen.
    Du hast jeoch die Möglichkeit, deinem Betriebsrat/deiner Betriebsrätin die Info weiterzugeben (wenn es sich um Dinge handelt, die ihn betreffen, z.B. anstehende Einsparungen, Kündigungen, …). Weise den/die BR auf den Maulkorb, den du von oben bekommen hast hin.
    Wenn die Infos irgendwelche Dinge betreffen bei denen dein Boss den (arbeits-)rechtlichen Rahmen verlassen hat (oder er/sie das plant), dann nur raus mit der Info. In diesem Fall soll deinE ChefIn zittern.
    Wenn sich der Maulkorb nicht auf oben genannte Betriebsgeheimnisse bezieht dann würden sich die Chefs ein Schweigen oft wünschen (besonders wenn miese Arbeitsbedingungen kollektiv diskutiert werden), das soll aber bitte ein Wunsch bleiben. Hier greift dann endlich das Recht auf freie Meinungsäußerung.
    Wenn dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin einiges an Repression zuzutrauen ist, dann setzt euch vorerst nach der Arbeit zusammen, tauscht euch aus und besprecht auch wie ihr euch gegenseitig unterstützen könnt, wenn der/die ChefIn ungut wird. Wenn ihr füreinander da seit, hat der/die ChefIn kein leichtes Spiel mehr. Dazu gehört eben auch, dass ihr miteinander redet und deswegen will er/sie das vielleicht auch nicht.
    Also kurz: Wenn der Chef/die Chefin dir verbieten will was mit deinen KollegInnen zu besprechen, dann sollte er/sie das ausdrücklich sagen und auch begründen. Und: nicht jeder Maulkorb läßt sich begründen. Und: wir haben das Recht uns am Arbeitsplatz abzusprechen und auch uns zu organisieren.

    Rechte des einzelnen Arbeitnehmers
    Arbeitsverfassungsgesetz
    § 37. (1) Die Arbeitnehmer dürfen in der Ausübung ihrer betriebsverfassungsrechtlichen Befugnisse nicht beschränkt und aus diesem Grunde nicht benachteiligt werden.
    (2) Die Arbeitnehmer können Anfragen, Wünsche, Beschwerden, Anzeigen oder Anregungen beim Betriebsrat, bei jedem seiner Mitglieder und beim Betriebsinhaber vorbringen.
    (3) Die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergebenden Informations-, Interventions-, Überwachungs-, Anhörungs- und Beratungsrechte des einzelnen Arbeitnehmers gegenüber dem Betriebsinhaber und die entsprechenden Pflichten des Betriebsinhabers werden durch den II. Teil dieses Bundesgesetzes nicht berührt.

    bei Fragen/Unsicherheiten wende dich mit konkreten Infos an uns oder auch die AK

  3. Pingback: Wer wir sind und was wir wollen LISA – Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (WIEN) « KARAKÖK AUTONOME tr/ch

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s