Verein Wiener Sozialprojekte neoliberal

Wie einige schon gehört und gelesen haben, wird beim VWS derzeit fleißig umstruckturiert. Als Grund dafür kann mensch wohl die neue Geschäftsführung benennen. Seit ihren „Amtsantritt“ dürfen sich die Subvereine über vermehrte Eingriffe von oben freuen. So wurde das Bus-Projekt von streetwork eingestellt und aXXept wird wohl an den FSW übergeben. Mal abgesehen davon, dass hier einiges an Druck an die ArbeiterInnen ausgeübt wurde und wird, finden diese Eingriffe auf die Arbeitswelt der ArbeiterInnen ohne Rücksprache mit der Basis statt. Beeindruckend ist hierbei das Tempo. Nach dem Motto „speed kills“ wurden u. werden die ArbeiterInnen laufend über schon beschlossene Strukturanpassungen in Kenntnis gesetzt. Rückendeckung dürfte dabei wohl von der Sucht- und Drogenkoordination Wien kommen, als deren willfährige Handlangerin sich die neue Geschäftsführung präsentiert.

Neueste Errungenschaft ist das Projekt sam. Gesponsert von BILLA und ÖBB soll dieses Projekt das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der NormalbürgerInnen am Julius-Tandler-Platz (Franz-Josephs-Bhf.) fördern. Vorbild hierbei scheint das „Help U-Projekt“ am Karlsplatz zu sein. Mit sam entfernt sich der VWS von seiner kritischen Parteilichkeit für die KlientInnen. Eine Pseudogemeinwesenarbeit in Richtung sanfte Polizei zeichnet sich ab. Auch die Zielgruppe der KlientInnen selbst wird ausgeweitet. Der VWS hatte sich bisher auf DrogenkonsumentInnen spezialisiert, schrittweise für deren Lebensbereiche Projekte entwickelt (Tageszentrum, Ambulanz, Notschlafstelle, streetwork, betreutes Wohnen, Arbeit, Freizeitdrogen, …) und sich dabei auch eine ExpertInnenrolle erworben. Das scheint nun nicht mehr Thema zu sein. Die neue Devise ist nun: Hauptsache wachsen! Wie ist dabei nicht so wichtig. Weitere sam´s sind schon beschlossen. Die Finanzierung durch ÖBB und BILLA läßt hierbei nichts gutes ahnen.

Gepaart mit der Hinterlassenschaft der alten Geschäftsführung – den Mega-VWS-Komplex in spe – zeichnet sich hierbei eine Entwicklung ab, auf die ein einstmals progressiver Verein verzichten könnte. Öffentliche Hand, Privatwirtschaft und Management schütteln sich die Hände, die Basis wird nicht eingebunden, höchsten evaluiert. Was wiederrum nicht gutes hoffen läßt.

(einE BetroffenEr)

9 Antworten zu “Verein Wiener Sozialprojekte neoliberal

  1. JA NATÜRLICH: BILLA sagt der Hausverstand! Wenn Billa in zukunft Sozialarbeit macht, sollten wir Sozial Arbeitende uns überlegen, obs nicht CLEVER wär, neben unserem jetzigen Angebot auch Schnitzel zu verkaufen. Mit LISA-Gütegiesel selbstverständlich!

  2. bitte wieso ist der vws „neoliberal“, nur weil versucht wird, wirtschaftlicher(er) zu arbeiten, neuen anforderungen adäquat zu begegnen und daher schwerpunkte anders zu setzen? was ist schlecht dran, wenn ein kapitalistisches unternehmen zu einem projekt was zuzahlt, welches den auftrag hat, ne art „mediation“ im öffentlichen raum zu machen, und es dabei auch um die wahrung der interessen dieses unternehmens geht? ernsthaft: ich find das nur recht und „billig“! oder soll das sozialbudget der stadt auch noch für deren interessen belastet werden? ich kenn schon die reflexartige antwort der (meisten) sozialarbeiterInnen, aber: wo steht geschrieben, dass sozialarbeit ausschließlich immer und ewig NUR für „unsere klientInnen“ (wer definiert, wer das ist und wer nicht?) und NUR „parteilich“ zu sein hat? leitbild lesen und ned nur motschgern! außerdem: kann sich die ausrichtung eines (soziales) unternehmens nicht auch mal ändern? und: wer sagt, dass überall „die basis“ mitbestimmen kann/muss/soll? vws ist kein/e l.i.s.a. – und: ist provozieren – aus sicht „der basis“ – erlaubt?

  3. Danke für den Kommentar – Hier eine reflexartige Antwort eines LISA’s: Unter dem Begriff „neoliberal“, den ich selbst ja auch nicht so toll find, ist eine Ideologie der Herrschenden gemeint, die sich in den letzten dreißig Jahren weltweit ausgebreitet hat und eben jene Verhältnisse geschaffen hat, die du als „neue Anforderungen“ bezeichnest. Eine adäquate Antwort auf diese „neuen Anforderungen“, welche eben nicht einfach so vom Himmel gefallen sind, wäre demnach, sich im Klaren darüber zu sein, dass die Verhältnisse veränderbar sind, und das bitte eben NICHT NUR von oben!
    Um „Mediation“ geht es bei dem betroffenen Projekt wohl eher weniger, sondern eher darum, wie auch z.B. in der Mariahilferstraße (gerade zur schönen Weihnachtszeit), „lästige Elemente“ (weil unproduktiv. oder gar „wert-los“?) wie Punks und Obdachlose, mitunter auch KünstlerInnen oder spielende Kinder etc. (…wer kommt als nächstes dran?) los zu werden, ohne überhaupt nur eine Idee eines sozialen Problems zu definieren, geschweige denn eine Lösung. Wenn dies hie und da doch geschieht, so nur, weil es Leute an der Basis gibt, die Hirn und Herz haben und kreativ genug sind, bzw. die Energie haben, innerhalb dieser Ver-Wertungsmaschinerie Nischen zu finden.
    Das doppelte Mandat, auf das sie hier offensichtlich anspielen, beinhaltet den eher klarer definierten KlientInnenbegriff und den eher „schwammigen Begriff“ Gesellschaft oder Öffentlichkeit (zu der die KlientInnen nicht zählen???) – Billa kommt da nicht vor, soweit ich weiß.
    Und: Wir wissen sehr wohl, dass nicht überall die Basis mitbestimmen kann und wir wissen, dass NIRGENDWO ALLEIN die Basis bestimmt. Und ja, wir sind der Meinung, dass Soziale Unternehmen, wie auch die gesamte Wirtschaft von den ArbeiterInnen selbst verwaltet werden sollte!
    Zu guter letzt sind wir aber der Meinung, soziale Arbeit hat zum Ziel sich selbst aufzuheben. Genauso wie wir meinen, dass sich die Klasse der Arbeitenden als Ganzes aufheben muss, um das „soziale Problem“ Kapital abzuschaffen. Drum sind wir ja eine Initiative für eine Basis-Gewerkschaft und kein Berufsverband, Diskutierclub oder eine die „Naturgewalt Kapitalismus anbetende“ Interessensvertretung..
    Das mit dem „provozieren“ hab ich nicht verstanden.

  4. alles klar! 90% deiner antwort teile ich! ich wollte hauptsächlich – freilich konstruktiv! – provozieren. ich selbst bin libertärer anarchist. seit jahrzehnten. was mich „nervt“, ist lediglich die erwartungshaltung. natürlich wär es mir auch lieber, funktionierten wirtschaftliche unternehmen – und eben auch soziale vereine/einrichtungen/projekte – völlig anders. allein, ich gehe davon aus, dass sie es ohnehin nie sind, waren, wohl realistischer weise auch kaum sein werden … ich sehe – selbst dsa – soziale unternehmen daher a priori als tribut an das christlich-aristotelisch-dominierte abendland, ergo auch an den kapitalismus/konsumismus – in einer seiner elendigen formen, nämlich als „schlechtes gewissen“, und insofern als „gut geeignet“, herrschende verhältnisse durch diese „zugabe“ („den armen helfen“, um revolution erst gar nicht möglich zu machen) zu prolongieren und zu zementieren. so gesehen ist imho dzt. hierzulande mehr oder weniger alles „neoliberal“ (keine sorge, hab mich mit diesem terminus bzw. mit dem zugrundeliegenden, menschenverachtenden „konzept“ intensiv auseinandergesetzt *fg*). by the way: persönlich glaube ich ja, dass – pragmatisch betrachtet – gegenwärtig induktive emanzipationsprozesse im bereich arbeit und wirtschaft (nicht in anderen, wie zb menschenrechte, ökologie, andere lebensformen, gleichberechtigung, …) weit weniger chance auf erfolg haben, zumal die „beruhigungspillen“ allzu „gut“, besser: mächtig wirken. also: lobbying ist (nicht weil ich’s so geil find) erfolgversprechender als demos + „linke verbände“ + tolle cerebralmasturbatorik (richtetr sich jetzt absolut nicht gg euch!). die mächtigen geschickt-subversiv (und eben nicht offen-konfrontativ) dazu zu zwingen, deduktiv macht abzugeben, halte ich – aktuell – für sinnvoller. und niemals die erwartungshaltung haben, ein sozialer verein o.ä. müsse, da ja „auf seiten der entrechteten“ (waren und sind sie nie!!!), sich als robin hood gerieren. da setzt mensch sich lediglich ständigen bitteren enttäuschungen aus. eine wichtige rolle spielen zu jeder zeit die vorherrschenden (ja, ist machtinstrument) medien. insofern kann gegenwärtig das internet viel zum eigenen, inneren, individuellen selbstverständnis (ohne geht’s keinesfalls!) von autonomie, selbstverwaltung, eigenverantwortung etc. beitragen – und tut es ja auch schon längst. naja, klingt jetzt ev alles recht chaotisch („chaos“ [agr.]: „der offene, weite, freie, noch unbebaute raum“), ist aber sehr wohl durchdacht.😉 im übrigen glaube ich, dass dem denken unbedingt das handeln folgen muss und dass die erwartung (!) an andere, dinge zu durchschauen, „richtig“ zu denken und solidarisch zu handeln ebenso hinterfragenswürdig ist, wie der kapitalismus ein zu zerstörender ist!😉 so long, comradely, dschäg äks spä

  5. versuch, dich bitte klarer auszudrücken, weniger wissenschaftlich wenns geht. das ließt sich ja keineR durch, mann…

  6. Ok. Ich versuch’s: Mich stört (in meinem anarchistischen Verständnis) die Erwartungshaltung, dass DienstgeberInnen im Sozialwesen basisdemokratisch, antihierarchisch, nicht-anbiedernd, unbestechlich, grundsatztreu, „mehr links“ usw. sind bzw. zu sein haben. Sie sind genauso kapitalistisch organisiert (auch wenn zT über Umwege), abhängig (machend) usw. – Und „der Sinn“ aller (von offizieller Seite geförderten) sozialer Vereine etc. besteht m.M.n. – gesamtgesellschaftlich betrachtet – immer vorrangig darin, in irgendeiner Form „Beruhigungspille“ zu sein. Wenn ich – realistisch – eben davon ausgehe, fällt es (mir) leichter, zu entscheiden, ob und – wenn ja – wie weit ich mich drauf einlasse, mitmache (oder eben nicht). Sonst: Don Quixote! Ich persönlich halte eben nicht viel davon, anarchistische Ambitionen, den Kampf gegen Hierarchien usw. auf der BetriebsrätInnen-Ebene auszufechten. Diese (wichtigen) Energien sind imho besser nicht auf „Vertretungs-Ebene“, sondern außerbetrieblich (Bildungs-/Aufklärungsarbeit, Aufbauarbeit, autonome Syndikate, „Klassenkampf“), also letztendlich auf revolutionärer Ebene aufgehoben bzw. angebracht. Ich hab da vielleicht ein aktuell eher „unübliches“ Verständnis von Anarchismus (vgl. R. Owen, R. Rocker). Vielleicht bzw. hoffentlich konnte ich das jetzt doch ein bissl klarer machen.😉

  7. zuerst mal danke für deine beiträge und einwände, die ich als sehr bereichernd empfinde – auch wenn ich deine meinung nicht teile.
    vom sozialen sektor kann man/frau eben schon eine basisdemokratische ausrichtung fordern, genau so wie von der metallverarbeitenden industrie, der it-branche o. sonsteiner branche. alle sollten das recht haben dort wo sie arbeiten auch mitbestimmen zu dürfen. somit ist es für mich auch legitim das im sozialen bereich zu fordern.
    das andere ist halt – und da bin ich wohl bei dir -, dass es die aufgaben des sozialen bereichs sein sollte sich möglichst überflüssig zu machen. das kann man/frau nur machen indem man/frau sich eben in diesem bereich engagiert, ansonsten bleiben die klientInnen auf der strecke.

  8. ad dschäg äks spä: Hmmm, dass wir kapiert haben, dass die soziale Industrie genauso kapitalistisch ist wie alle anderen Industrien geht aus unseren Texten hervor. Dass wir uns aber irgendwann bewusst dazu entschieden haben in diesem und eben nicht einen anderen Bereich zu arbeiten, führt nun dazu, dass wir uns in diesem Bereich organisieren wollen (no na!). Da lasse ich mich nicht auf „irgendwas ein“ sondern bin tagtäglich damit konfrontiert – Is ja mein Job. BetriebsrätInnen sind wir allesamt nicht und ich würde vorsichtig ausgedrückt sagen, dass wir das Betriebsratssystem sicher nicht für das beste Instrument zur Durchsetzung unserer Interessen betrachten. Wo aber willst nun du den Klassenkampf führen, wenn nicht im Betrieb? Ist es nicht genau der Mangel an Selbstorganisierung und mangelndes Bewusstsein für die eigene Rolle im kapitalistischen Räderwerk, der hierzulande „Linken“ zwar gerade noch die Ausbeutung anderer (Solidarität mit…bitte einsetzen) vor Augen führt, die eigene aber nicht? Was solln wir tun? In der eigenen Arbeit buckeln, um uns in der Freizeit vor Fabrikstore zu stellen und dort „Alle Macht den Räten“ zu fordern? Der Klassenkampf ist ja keine Sache, auf die ich mich „einlasse“ oder nicht. Er findet ja statt, ob ich es will oder nicht. Und am unmittelbarsten dort, wo ich meine Haut verkaufe – Also in der Hackn.
    Du forderst „Bildungs-/Aufklärungsarbeit, Aufbauarbeit, autonome Syndikate, “Klassenkampf”! Was glaubst du was wir vorhaben? Einzig wozu wir ein Syndikat brauchen, wenn wir ausschließlich außerbetrieblich agieren sollen, leuchtet mir nicht ein… Ich weiß schon, wenn man anstatt auf eine Ziel in die Luft schießt, macht das auch ordentlich Krach.
    Aber vielleicht verstehen wir uns gegenseitig ja auch aus Prinzip grundsätzlich falsch…(-;

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