Streik in der sozialen Arbeit

streik.jpg Es gilt die Vorstellung, daß es schwierig sei im Sozialbereich zu streiken. Nicht weil es keine Gründe gäbe, sondern weil mensch glaubt, daß ein Streik zu Lasten der KlientInnen geht und somit auch keine Solidarisierung hervorrufen kann. Das muß aber nicht sein. Ein Streik kann, wenn er gut geplant ist, sowohl eine gute Grundlage für eine Solidarisierung liefern als auch den KlientInnen von Nutzen sein.

Ein Streik ist eine politisch und/oder ökonomisch motivierte kollektive Arbeitsniederlegung. Vielen von uns dürften wohl genügend ökonomische und auch politische Mißstände im sozialen Bereich einfallen. Dass soziale Betriebe und sozial Arbeitende für immer weniger Geld immer mehr Arbeit leisten müssen stellt hierbei eine ökonomische Motivation dar. Und dies stellt auch die gebräuchlichste Motivation für einen Streik hier im Land der Sozialpartnerschaft dar. Die politische Motivation ist hierzulande noch unüblich. Motivation gäb´s auch da genug. Sei’s eine Demokratisierung und der Ausbau des selbstbestimmten Arbeitens in den sozialen Betrieben oder die Ablehnung von inhumanen und diskriminierenden Arbeitsvorschriften die sich die Geldgeber mit der Geschäftsführung ausgeschnapst haben.

Größere Aussicht auf Erfolg besteht auch wenn der Streik durch eine ArbeiterInnenschaft durchgeführt wird, die sich bereits organisiert hat. Schwieriger wird´s wenn die Streikenden erst durch den Streik zu einer Organisationsform kommen müssen. Da besteht dann auch die Gefahr, daß die Sozialpartnerschaft – als „Unterstützung“ – ihre Strukturen drüberstülpt. Sollte ein Streik nicht selbsttätig von den Betroffenen selbst ausgeführt werden, dann kann der ÖGB darüber entscheiden, ob er diesen Streik überhaupt erlaubt oder nicht. Daß der ÖGB hierbei beschwichtigend auf die streikwilligen ArbeiterInnen im Sozial- und auch im Gesundheitsbereich einwirken wird, können die LeserInnen mir nun als böswillige Unterstellung auslegen. In seiner „Monopolstellung“ fühlt sich der ÖGB als der einzig legitime Vertreter der ArbeiterInnen und glaubt es meist besser zu wissen als die direkt Betroffenen. Durch seine „beratende“ und vertreterische Tätigkeit wir der Gewerkschaftsbund wohl versuchen seinen Einfluß derart geltend zu machen, bis die Forderungen der Basis entfremdet sind und jegliche aktionistische oder selbstverwaltete Energie aus dem Prozeß genommen ist. Die kreativen und kritislisa-buttonhell.jpgchen Ressourcen der Basis gehen somit verloren. Der Basis bleibt, um sich selbst zu vertreten, nur der wilde Streik. Im Englischen wird ein wilder Streik als wildcat strike (siehe auch die gleichnamige Zeitung) bezeichnet. Von den Anhängern dieser Kampfform werden wilde Streiks als Mittel und Ausdruck der Selbstorganisierung der Streikenden gesehen. In Österreich finden wilde Streiks immer wieder statt, finden jedoch kaum eine Öffentlichkeit.

Nun zu den Bedenken, daß die KlientInnen auf der Strecke bleiben würden. Immerhin ist es ihr Recht die Leistungen der Sozial- und Gesundheitsbetriebe in Anspruch zu nehmen. Und hierbei ist es auch egal ob sie nun real abhängig von diesen Leistungen sind oder ob sie strukturell in eine Scheinabhängigkeit gedrängt wurden. Beide Gruppen leiden unter dem Entzug der Leistungen. Deswegen sollte es – meines Erachtens – die oberste Priorität sein, den KlientInnen den Zugang zu den grundlegenden Angebote zu ermöglichen (was grundlegend ist wird wohl jede Belegschaft selbst entscheiden müssen, eine gute Informationsquelle dafür stellen sicherlich die KlientInnen selbst dar). KlientInnen müssen informiert  sein und nötigenfalls weitervermittelt werden. Eine gegenseitige Solidarisierung von Streikenden und KlientInnen wäre hierbei ein zusätzlicher Vorteil. Bei einem Streik im Sozialberreich ist es denkbar, daß sich die Belegschaft/Basis darauf einigt bestimmte Tätigkeiten nicht auszuführen und den KlientInnen trotzdem zur Verfügung zu steht. So kann die Kommunikation mit der Chefebene oder die administrative Tätigkeit verweigert werden. Weiters ist es in größeren Vereinen möglich eine Kette zu bilden und täglich ein anderes Projekt zu bestreiken. Auch Notdienste für die KlientInnen können eingerichtet werden. Besonders interessant im Sozialbereich wäre es, wenn niemand mehr Überstunden macht und alle nach dem täglichen Arbeitspensum den Betrieb verlassen. „Arbeit nach Vorschrift“ kann gerade im sozialen Bereich, in dem täglich Kreativität gefordert ist, die Chefetage ins Schwitzen bringen. Das alles ist natürlich nichts ohne die Betriebsvollversammlungen, die auch öfters einberufen werden können und die ein Instrument der demokratischen Kontrolle des Streiks sein können.

Es ist wichtig, daß alle Streikenden eines Betriebs an den Entscheidungen gleichberechtigt Teilhaben können. Ziele und Vorgehensweise sollen gemeinsam definiert werden. Wenn mensch schon einen Streik macht soll mensch sich auch damit identifizieren können. Wichtig ist es auch eine Öffentlichkeit zu schaffen und die Forderungen und Mißstände  verständlich und publik zu machen. Ziel ist es das Informationsmonopol der Geschäftsebene zu durchbrechen. Der Umgang mit den Medien (alternative und auch bürgerliche) sollte bedacht und gefördert werden. Wichtig ist es eine breite Solidarisierung anderer Betriebsgruppen, Syndikate, Initiativen und Gruppen, von sozial und anders Arbeitenden zu erreichen um Druck von außen zu erzeugen. Denn der Druck von außen – besonders moralischer Druck – auf die sozialen Vereine ist wohl das größte Druckmittel das wir deren Bossen entgegnen können. Kein sozialer Verein kann es sich auf Dauer leisten aufgrund seines unsozialen und inhumanen Handelns kritisiert zu werden. Denn ohne ihre „weiße Weste“ ist ihre „Marke“ nichts mehr wert. (göf)

2 Antworten zu “Streik in der sozialen Arbeit

  1. Ergänzend zu dem Artikel von göf möchte ich noch festhalten:

    – Ein wilder Streik muss kurz aber für die gegenerische Seite Schmerzhaft sein. Aus dem einfachen Grund, da jeder Streiktag einen Tag weniger Lohn bedeutet! Umso mehr zählt die Solidarität der föderierten Syndikate und aller ArbeiterInnen die für einen Streik mobilisiert werden können, um ein Solidaritätsnetzwerk aufzubauen.

    – zur Organisation des Streiks: Einzig die Vollversammlung ALLER ArbeiterInnen eines streikenden Betriebes kann und muss die Entscheidungen treffen und sonst niemand. Hierbei ist zu beachten, dass aus der Vollversammlung heraus ein Komitee gewählt wird, welches mit der Chefität verhandelt. Das ist deshalb so wichtig, da es zu vermeiden gilt, dass sich „Dauerbelegschaftsvertreter“ (Betriebsräte/Personalvertreter) oder außerbetrieblichliche VerhandlerInnen (z.B. ÖGB) um die Verhandlungen mit der Chefität kümmern. Dieses zu wählende Komitee darf nur die in der Vollversammlung beschlossenen Entscheidungen in die Verhandlungen tragen und ist der Vollversammlung rechenschaftspflichtig (imperatives Mandat!!!!).

    – Das alles mag jetzt vielleicht jedem/jeder wirklichen DemokratIn als logisch erscheinen, ist aber in Österreich leider nicht Gang und Gebe…

  2. Pingback: Burn-Out Rekord im KAV, Stadt will aber weiter „sparen“! |

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