Antimilitarismus und Soziale Arbeit

a-anarchopazifismus.gif „Die Arbeiter der Rüstungsindustrie und der Betriebe, die für Kriegszwecke umgestaltet werden können, sind davon zu überzeugen, daß es die Pflicht der klassenbewußten Arbeitschaft ist, bei Kriegsausbruch in den Streik zu treten, die Vorräte an Kriegsmaterial und hierfür bestimmte Rohstoffe zu vernichten und die Betriebe durch Sabotage produktionsunfähig zu machen.“ (Albert de Jong und Arthur Müller-Lehning, Internationale Antimilitaristische Kommission – Pressedienst 1929)


Der Antimilitarismus hat eine lange Tradition in der anarchosyndikalistischen Bewegung. Das Militär wird als ein Instrument der Herrschenden betrachtet, das dazu dient deren Interessen auf gewalttätige Art durchzusetzen. Junge Männer und seit kurzem auch Frauen (was wir nicht als einen emanzipatorischen Akt verstehen) werden dazu abgerichtet stramm zu stehen, jeden noch so idiotischen Befehl ohne Hinterfragung zu gehorchen und andere Menschen zu töten. Dass auch sie getötet werden können gehört dazu. Die SoldatInnen werden ihrer Selbstbestimmung beraubt und zu blinden Befehlsempfängern umerzogen. Während die Zivilbevölkerung zu den großen Opfern von kriegerischen Auseinandersetzungen gehört, gehört die Rüstungsindustrie zu den großen Gewinnern. Diejenigen die diese Kriege beginnen versuchen uns davon zu überzeugen, dass das alles zu unserer Sicherheit geschehe. Das Gegenteil ist der Fall. AnarchosyndikalistInnen haben sich bis heute gegen Krieg und die Militarisierung der Gesellschaft gewandt.

Nun gut, Krieg ist grauslig und dagegen sind wir ja sowieso alle. Aber was hat das mit Sozialer Arbeit zu tun? Einiges, sagen wir und wollen hierbei die Aufmerksamkeit auf den Zivildienst lenken. Der Zivildienst wurde als ein Ausweg für junge Männer gegründet um dem Militärdienst zu entgehen. Anstatt das Töten und gehorchen zu lernen, sollen sie die Möglichkeit haben „etwas Sinnvolles“ zu tun. Nun ist grundsätzlich festzustellen, dass es sicherlich eine Verbesserung darstellt, wenn ein Mensch, anstatt beim Militär, im Sozial- oder Gesundheitsbereich seine Erfahrungen sammelt. Diese Alternative zum Militär darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei genauso um einen Zwangsdienst handelt, der aus dem Militär heraus entstanden ist. Ab dem 18ten Geburtstag ist jeder Mann, der in einer kampffähigen Verfassung ist, dazu verpflichtet einen Teil seines Lebens dem Staat zu vermachen. Die Kampftauglichkeit wird vom Militär bestimmt, auch für Zivildiener. Wehrdienst oder Zivildienst zu verweigern fällt unter Kriegsdienstverweigerung und kann Haft bedeuten. Das nennt mensch dann „die allgemeine Wehrpflicht“. Mit Freiwilligkeit hat das alles nicht mehr viel zu tun und das ist auch nicht gut für den Sozialbereich. Die Zivis werden derzeit aber als gern gesehene Billigarbeitskräfte gesehen, die die Arbeiten verrichten, die andere nicht machen wollen. Viele Zivildiener beenden ihrer Zivildienst, aufgrund miserabler Bezahlung, verschuldet. Sozial- und Gesundheitssektor sind mittlerweile von den Zivis abhängig (das sollte den Zivildienern unter euch zu denken geben🙂. Wenn über die Umwandlung der allgemeinen Wehrpflicht in ein Berufsheer diskutiert wird, so kommt mensch an der Frage nicht vorbei, wie es ohne Zivildiener funktionieren kann.

Ob nun Berufsheer oder allgemeine Wehrpflicht, beides ist abschaffens- und verhindernswert. Schwieriger wird´s beim Zivildienst. Für viele Zivildiener bedeutet diese Zeit ja wirklich „etwas Sinnvolles“. Viele schauen zum ersten mal über ihren sozialen Tellerrand oder entdecken ihr soziales Engagement. Für andere bedeutet der Zivildienst wiederum Schutz vor der militärischen Hierarchie und deren Rattenschwanz. Andererseits stellt der Zivildienst ein Ausbeutungsverhältnis dar, das eng mit militärisch, staatlicher Zwangsgewalt verbunden ist. Dass so mancher Zivildiener nicht mit Freude und Enthusiasmus an der Arbeit ist, ist auch klar nachvollziehbar. Aus dieser und ähnlichen Positionen heraus haben sich auch die Totalverweigerer entwickelt, die sich für keinerlei Art von staatlichem Zwangsdienst hergeben wollen. Sie organisieren sich und verweigern. Diesen Leuten ist vollstes Verständnis entgegenzubringen und es ist gut sie nach Möglichkeit zu unterstützen. Mittelfristig erscheint es auch wichtig, die Härten des Zivildienerdaseins zu beseitigen, solidarisch und gemeinsam bessere Arbeitsbedingungen, eine entschieden höhere Entlohnung und mehr Mitbestimmung zu erkämpfen. Eine Abschaffung des Zivildienstes wäre geglückt mit einer Abschaffung des Militärs. Sollte jedoch ein Berufsheer kommen, wäre das auf anderen Weg erledigt. Ein Berufsheer zu propagieren wäre jedoch nur der Tausch von Pest gegen Cholera. (göf)

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