Von der Pflege von Menschen …

… zur Auflösung der Familie

Seit Monaten sorgt die „Pflegedebatte“ immer wieder für viel Diskussionsstoff in den Medien. Der Haupttenor liegt dabei auf den jeweiligen „Lösungsansätzen“ der beiden Regierungsparteien. Bei allem worüber sich die Regierung in ihrer Scheindiskussion hier streitet, ist sie nicht in der Lage die Problematiken zu beseitigen.

Die Gruppe der pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörige stehen vor dem Problem, dass der Staat deren Versorgung und Betreuung finanziell und personell Mittel unterversorgt und zusätzlich deren Selbsthilfe illegalisiert. Es handelt sich hier um einen Staat der sich in einem Transformationsprozeß befindet. Er beschränkt sich zunehmend auf seine „Kernkompetenz“: Der Sozialstaat muss dem Kontrollstaat weichen. Oder anders: Sozialer Friede wird in Zukunft nicht mehr erkauft, sondern durch den staatlichen Gewaltapparat hergestellt!

Obwohl der Staat im Sozial- und Gesundheitsbereich sehr auf Deregulierung bedacht ist, tritt er in der häuslichen Pflege sehr regulativ auf. Anstatt gewachsene Selbsthilfestrukturen und offizielle Institutionen zu stärken und zu unterstützen, stülpt er ein bürokratisch, juristisches Regelwerk darüber. Ob mensch qualifiziert genug ist jemanden das Essen zu verabreichen, das mensch selbst gekocht hat oder ob mensch die Qualifikation besitzt jemand anderen ein Pflaster aufzukleben, will der Staat bestimmen.

keinmenschistillegal.gifAusgebildete Pflegekräfte, durch deren prekäre Arbeitsverhältnisse die Versorgung vieler pflegebedürftiger Menschen erst ermöglicht würde, sind zur Zielscheibe geworden. Dass ein Teil dieser Pflegekräfte aus anderen, benachbarten Staaten kommt scheint der inländischen Medienlandschaft & PolitikerInnenriege hierbei besonders aufzustoßen. Eine neue Gruppe von „Illegalen“ wurde eingeführt und zwar jene der „illegalen Pflegekräfte“.

Die Sozial- und Gesundheitssysteme im sogenannten Westen befinden sich nun schon seit einigen Jahren im steten Abwärtstrend. Das ist insofern eine Zäsur, da das Nachkriegssystem, aufgebaut auf relativ hohen Löhnen – zumeist für die männlichen „Familienoberhäupter“ – und einem funktionierenden Pensions- und Sozialsystem erlaubte, dass unbezahlte Haus- und Pflegearbeit zumeist von „Hausfrauen“ geleistet werden konnte. Andererseits eben ermöglichte der Sozialstaat, dass die entstehenden Pflege- und Betreuungskosten weitestgehend abgedeckt wurden. Die mangelnde berufliche Qualifikation vieler Angehöriger wurde und wird bis zum heutigen Tage nicht berücksichtigt. Zu einer oft zusätzlichen Berufstätigkeit, ökonomischen Engpässen uvm. führt das zu einer Dauerbe- & überlastung der pflegenden Angehörigen, denen selten ein befriedigender Mechanismus zur Entlastung zur Verfügung steht.

Neuerdings aufkommende Parolen wie „Wohin mit den Alten?“ oder „Die Kinder sind unsere Zukunft!“ sind bei weitem keine leeren Phrasen. Sie zeigen unverhohlen auf, dass das System Familie zuallererst ein ökonomisches Verhältnis darstellt.

Wie aber schon die ländliche Großfamilie durch die industrielle Revolution aufgelöst wurde, löst sich nun die fordistische Kernfamilie auf und weicht den Anforderungen einer auf Einzelkampf aufbauenden Ökonomie und Ideologie. Die moralisch verklärte Familie (sei es der „ewige Bund vor Gott“ oder die „Keimzelle des Staates) weicht zunehmend Alternativmodellen wie etwa Zweckbündnissen auf Zeit. Neu ist das nicht: Die traditionelle, patriarchale – auf Besitz von Grund, Boden, Hausrat, Kinder und Frauen aufbauende – Familie entsprach wie oben erwähnt schon nicht der ökonomischen Realität des Proletariats des 19. Jh’s. Das Proletariat besaß nichts und konnte nichts weitergeben. Heirat, Erbschaft und „gute Sitten“ waren und sind rein bürgerliche Größen. Das kurze Intermezzo nach dem 2. WK – nennen wir es Fordismus – und die damit einhergehende, nicht zuletzt durch den Sozialstaat ermöglichte, Verbürgerlichung des Proletariats (siehe Mittelstand, Häuselbauer, Familienauto und Klassenkompromiss) waren in Wirklichkeit nichts anderes als eine moderne Form von „Brot und Spielen“.

Der Staat hat auf voller Linie versagt und weil er es nicht geschafft hat, dürfen es die Menschen selbst auch nicht schaffen?

Demgegenüber können wir die jetzige (ökonomische) Krise der Familie als Chance begreifen. Als Chance, patriarchale Strukturen endgültig loszuwerden. Als Chance, gemeinsam unser Leben selbst in die Hand zu nehmen. Als Chance unsere eigenen Kräfte zu benutzen, um uns gegenseitig zu helfen, solidarisch zu agieren und „unsere“ Kinder und Alten als gleichberechtigte Menschen zu behandeln, ernst zu nehmen und ihr Leben und Ableben so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten. Und wenn eine Welt des Kapitals und der Staatlichkeit hierfür nicht den Rahmen schaffen kann, müssen wir eben eine neue, bessere Welt aufbauen.

4 Antworten zu “Von der Pflege von Menschen …

  1. Pingback: Die Ausweitung des Scheiß-Streiks «

  2. Mag. Herbert Koller

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    > > In meiner Verwandtschaft ist ein unglaublicher Fall passiert und wir
    > sind an einer möglichst breiten Publikation interessert, um potenzielle
    > weitere Opfer zu warnen. Wir fürchten, dass es sich dabei nicht um einen
    > Einzelfall handelt.
    > > Meine Tante, Frau Anna Sorko, wohnhaft in Sieghartskirchen,
    > Niederösterreich, Am Kuhberg 14, ist am 12. August 2010 im 92. Lebensjahr verwitwet
    > und kinderlos verstorben.
    > > Sie war einige Monate vorher von 5.bis 19. Jänner 2010 stationär auf
    > der psychiatrischen Abteilung des LKH Tulln. Dort wurde ihr eine
    > 24-Stundenpflege vom Hoffmann-Verein, Hafengasse 8/8, 1030 Wien vermittelt.
    > > Bei der Abwicklung der Verlassenschaft stellte sich heraus, dass sie
    > noch auf der psychiatrischen Abteilung in Tulln am 14. Jänner von der
    > Leiterin des Pflegevereins Hoffmann veranlasst wurde, diese Leiterin, Frau Milena
    > Sitner in einem handgeschriebenen Testament zu ihrer Universalerbin
    > einzusetzen. Tags darauf legte man ihr einen notariellen Schenkungsvertrag zur
    > Unterschrift vor, in dem sie Frau Sitner ihr Haus und ihr Grundstück
    > übergab.
    > > Als sie am 19. Jänner die Klinik verließ, hat ihr praktisch weder ihr
    > Haus noch ihr Grundstück mehr selber gehört, ohne dass bis dahin noch
    > irgendeine Pflegeleistung nötig und möglich war.
    > > Der für die Verlassenschaftsabwicklung zuständige Notar Mag.Martin
    > Köhler/Mag.Reinhold Szarkasits Bahnhofstraße 23, 3430 Tulln, hat uns durch
    > Notariatskandidat Dr.Matthias Drachsler wenig Hoffnung gemacht, gegen diese
    > für uns unfassbaren Vorgänge gerichtlich erfolgreich vorzugehen, da Frau
    > Sorko weder dement noch besachwaltert war.
    > > Wir haben die Staatsanwaltschaft von der Angelegenheit in Kenntnis
    > gesetzt, denn offenbar ging es bei der ganzen Angelegenheit in erster Linie
    > darum, den Besitz von Frau Sorko an sich zu bringen und erst in zweiter Linie
    > um Pflege.
    > > Es liegt diesem Notariat noch ein Testament von Fr. Sorko aus dem Jahr
    > 1993 vor, das klare Verfügungen enthält. Die Erbin in diesem Testament
    > (keine Verwandte) ist entschlossen, das letzte Testament anzufechten.
    > > Uns, den Nichten und Neffen von Fr.Sorko geht es nicht um die Erbschaft,
    > sondern um den Schutz von alleinstehenden alten, kranken und mitunter
    > verzweifelten Menschen wie unserer Tante.
    > > Das Thema „Pflege im Alter“ gewinnt zur Zeit immer größere Bedeutung
    > und wir sind der Meinung, dass Pflegeorganisationen wie dem Hoffmann-Verein
    > ein für allemal das Handwerk gelegt werden muss und wir hoffen, dass Sie
    > uns dabei unterstützen.
    > > Solche Vorkommnisse bringen die gesamte 24-Stundenpflege in ein schiefes
    > Licht.
    > > Mit freundlichen Grüßen
    > > Mag.Herbert Koller

  3. ave Her Koller
    ich kenne Millena Sittner.ich habe mit Milen.S. auch sehr bottere Erfahrungen.kennen Sie mir kontaktieren?
    brozovahedvika@seznam.cz
    danke

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