Monatsarchiv: Januar 2009

Gastkommentar zum bürokratischen Irrwitz im Hefen

Gedächtnisprotokoll: Besuch bei Gericht im Winter 2008

Im Rahmen meiner Betreuungstätigkeit als Sozialarbeiterin in einer Beratungsstelle, war es mein Ansinnen, zwei meiner Klienten in Haft (LG1) zu besuchen.

Da (so lehrte mich meine 10 jährige Erfahrung) ein solcher Besuch mitunter einen beinahe unmöglich zu bewältigenden bürokratischen Hürdenlauf darstellen kann (ja, in diesen Hallen hab ich wirklich schon viel erlebt….sic!) begann ich an diesem Tag bereits um 10:30 mit meiner telefonischen Recherche.

Da ich vermutete, dass die zu besuchenden Personen sich in U-Haft befinden, und ich lediglich die Namen, der für sie zuständigen Richter in Erfahrung bringen wollte, damit diese mir eine Besuchsbewilligung (Vorführzettel) für die Vernehmungszone ausstellen würden, rief ich, wie sonst auch, bei der Einlaufstelle des LG1 an. Dies begann ich um 10:30, da mir bewusst ist, dass der Parteienverkehr im LG1 um 12:00 endet.

Der dort anscheinend sehr beschäftigte Herr stellte mich sofort zur Aufnahmeabteilung durch, obwohl ich meinen Satz, in dem ich zu beschreiben versuchte, was mein Anliegen ist, gar nicht fertig sprechen konnte.

In der Aufnahmeabteilung sagte man mir, dass der von mir gesuchte Klient in Strafhaft sei. Demnach bräuchte ich ja gar keinen Vorführzettel. Nachdem ich dies bezweifelte, schaute der Herr am Computer noch mal genauer nach und kam zum Schluss, dass der Klient doch in U-Haft ist. Er habe da eine ST Nummer. Daher sei die Einlaufstelle der Staatsanwaltschaft zuständig. Weiterlesen

Soziale Arbeit im Kapitalismus

flaggeSoziale Arbeit hat einen höchst zweifelhaften Ruf. Staatlich finanzierte Soziale Arbeit steht meist unter dem Verdacht ein verlängerter Apparat des Staates und seiner Exekutive zu sein. Sie steht unter dem Verdacht in Kooperation mit staatlichen Institutionen zur Stigmatisierung und Sanktionierung von Individuen beizutragen und sich vor allem gegen jene zu wenden, die widerspenstig sind und sich nicht an die kapitalistischen, patriachalen und nationalstaatlichen Normen halten wollen. Begründet ist dieser Schlechte Ruf sicher durch die Rolle der damals „Fürsorge“ genannten Sozialarbeit während der NS-Zeit, als Daten und Informationen über KlientInnen an die Nazis weitergegeben wurden, die diese in ihrem Sinne gegen die Menschen benutzte.
Sozialarbeit sammelt auch heute Daten und Informationen, die gegen ihre KlientInnen verwendet werden können. Sozialarbeit ist in Instrument zur Normierung und Gleichschaltung von anders denkenden und eigenständig lebenden. Sozialarbeit nötigt Menschen in den Arbeitsmarkt und ist daher verantwortlich für Fremdbestimmung. So weit zum negativen Bild, das viele von Sozialer Arbeit haben und diese allgemeine Kritik stimmt ja auch sicherlich in einem wesentlichen Punkt: Staatlich finanzierte Soziale Arbeit im Kapitalismus kann nicht emanzipativ sein! Weiterlesen