Soziale Arbeit und die Krise – Krise der Sozialen Arbeit!?

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ATX von Nov. 2007 bis Feb. 2009

Die Wirtschaftskrise, die wir momentan erleben, wird zu massiven gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen führen. Als die ersten Auswirkungen der Krise – als diese noch „Finanz- oder Bankenkrise“ genannt wurde – hierzulande medial verkündet wurden, bemühten sich einige Blätter, eine Reihung der Jobs, welche krisensicher wären, aufzustellen. Soziale Arbeit und der Gesundheitsbereich gehörten hier zu den Gewinnern. Einfache Rechnung: Wenn es den Leuten (ökonomisch, gesundheitlich) schlecht geht, muss sich jemand um sie kümmern. Jetzt wo wir die wahren Auswirkungen des Spektakels nicht mal erahnen wollen, müssen wir dieses Ranking wohl relativieren.

Was ist passiert?

Was nun feststeht ist, dass die Dimension der jetzigen Krise an jene der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts rankommt (wenn es nicht sogar schlimmer wird). Es wird somit zu massiven wirtschaftlichen und politischen Veränderungen kommen, die weit über die bekannten regulierenden Maßnahmen der letzten Jahrzehnte hinausgehen (Neoliberalismus seit den 1970ern). Die Arbeitslosenquote in Österreich beträgt momentan 8,3% (Jänner 2008: 7,5%!), Tendenz steigend. Der Herr Sozialminister und ehemalige ÖGB Präsident Hundsdorfer lässt auf Antrag der Grünen hin verkünden, dass der gültige AlG-Prozentsatz von 55% des Nettoeinkommens zwar nicht „berauschend“ wäre, deutet aber gleichzeitig an, dass eine Erhöhung nicht realistisch ist (Schuld ist dann nicht nur der Koalitionspartner, sondern sind eben auch die „besonderen österreichischen Verhältnisse“). Gleichzeitig werden 222 Mio. Euro(!) als „Sofortpaket“ vor allem für Kurzarbeit locker gemacht. In diese Kategorie fallen nun Österreichweit mittlerweile 24.000 ArbeiterInnen. Die LeiharbeiterInnen in den betroffenen Betrieben wurden bereits „abgebaut“. Die Rezession ist nun auch amtlich bestätigt (Quelle: derstandard.at).

Den Verantwortlichen der Krise wurden und werden weltweit schon Billionen Dollar nachgeschmissen. Aber es nutzt alles zusammen nichts – die Krise verlangt nach neuen Lösungen.

Die Sozialausgaben steigen nicht wesentlich, es ist im Gegenteil zu befürchten, dass die Sicherheitsorgane die einzigen „Gewinner“ der Krise sein werden – so es so etwas überhaupt gibt. Man hat kein Interesse an Sozialer Arbeit, das Gesundheitssystem ist bankrott, finanzielle Mittel gibt es hierfür keine. Und wenn doch: Kosmetische Maßnahmen werden hier wohl nur kurzfristig etwas ausrichten können. Man bedenke auch, welche Auswirkungen die Krise auf die Pensions- und Krankenkassen haben wird – die „krisensicheren“ Pensionsfonds jedenfalls sind allem Anschein nach bereits futsch! Ein weiterer Aspekt ist, dass viele soziale Einrichtungen zu einem nicht unerheblichen Teil durch Spenden finanziert werden. Wer aber soll spenden, wenn die Löhne sinken und die Arbeitslosigkeit steigt, bzw. sogar Massenarbeitslosigkeit entsteht? Was passiert wenn das AlG- und das Sozialhilfesystem kollabieren? Sollte es wider Erwarten dennoch finanzielle Mittel geben, so hat die Soziale Arbeit in den Konzepten der Mächtigen ohnehin maximal die Aufgabe der institutionalisierten sozialen Kontrolle (zur Sicherheit des „sozialen Friedens“, sprich der Herrschaftsverhältnisse auf Grundlage der Ausbeutung.). Was insbesondere, aber nicht nur dann, bei zu erwartenden sozialen Kämpfen eine heikle Sache für fortschrittlich Denkende Sozial Arbeitende darstellt. Also nichts mit krisensicherem Job!

Wie geht es weiter?

Wie bisher jedenfalls nicht! Wie schon erwähnt, wird es weltweit zu massiven politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen kommen. Das kapitalistische System wird versuchen, sich zu reorganisieren und auf einem neuem Fundament die Ausbeutung der ArbeiterInnen, welche die Grundlage des Kapitalismus bildet, zu gewährleisten. Es ist zu befürchten, dass Massenerwerbsarbeitslosigkeit und Massenarmut zu Verteilungskämpfen innerhalb der Arbeitenden Klasse führen werden. Es ist auch zu befürchten, dass dies durch Spaltungsversuche (Was ja schon geschieht: Rassismus, Sexismus, „Sozialneid“…) verstärkt wird. Die staatliche Repression wird aller Wahrscheinlichkeit nach zunehmen, die Möglichkeiten z.B. gegen Streikende vorzugehen ausgeweitet. Überwachung, Repression, Asylgesetzgebung, Einschränkung der „Bürgerrechte“, Klassenjustiz (Prozesse gegen Leute wie Elsner halten lediglich den Boulevard bei Stange. Anscheinend ist er aber das klassische Bauernopfer!) – Der Boden dessen, was als „Rechtsstaat“ bezeichnet wurde schon seit einiger Zeit verlassen. Weltweite Hungerrevolten, Bürgerkriege und Kriege werden aller Voraussicht nach zunehmen. Betrachtet man die Auswirkungen der Wirtschaftskrise der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, muss einem Angst und Bange werden.

Es kommt aber auf uns an, ob wir in diesem Prozess der Transformation auf der Strecke bleiben, oder ob wir versuchen, eine Veränderung der Verhältnisse in unserem Sinne herbeizuführen. Es reicht hier aber bei weitem nicht aus, z.B. die bösen Banken und deren Machenschaften zu verurteilen und eine „gute Ökonomie“, die auf der so genannten Realwirtschaft beruht, zu fordern. Denn die Banken bzw. das Finanzsystem sind genauso ein Teil der kapitalistischen Verhältnisse wie eben die Realwirtschaft: Das eine kann ohne das andere gar nicht existieren. Auch eine Restauration der Nationalstaaten auf Basis „gesunder Volkswirtschaften“(oder ähnlichem Unsinn) ist (zum Glück) nicht mehr möglich, wenn es so etwas überhaupt jemals gegeben haben sollte.

Nun ist es recht und billig, einen Stopp der massiven Umverteilung von Unten nach Oben zu fordern. Wir werden aber mehr Kraftanstrengung aufwenden müssen – um unsre Freiheit zu verteidigen und mehr Freiheit zu erkämpfen. Wir müssen endlich begreifen, dass es eine weltweite ArbeiterInnenklasse gibt, die gemeinsame Interessen hat und diese nur gemeinsam formulieren und durchsetzen kann. Dass wir es sind, die weltweit den gesellschaftlichen Reichtumclasswar schaffen und wir es sind, die ihn sich wieder aneineignen müssen. Dazu müssen wir uns als Arbeitende mit Arbeitenden im Betrieb, in der Branche und branchenübergreifend, in der Kommune und global zusammentun. Und dies kann nur auf basisdemokratische Art und Weise geschehen (selbstverwaltete assoziierte Betriebe in selbstverwalteten assoziierten Kommunen). Wir ArbeiterInnen müssen eine neue Form des Wirtschaftens aufbauen, um weltweit ein menschenwürdiges Leben zu gewährleisten und die Zerstörung der Ökosysteme zu stoppen und rückgängig zu machen. Dies alles wird niemand für uns tun. Niemand wird für die Rechte von uns eigentumslosen ArbeiterInnen kämpfen, wenn nicht wir selbst. Niemand wird uns beschützen, außer wir uns selbst. Global haben die ArbeiterInnenkämpfe schon zugenommen. Jetzt gilt es, den Anschluss zu finden. Oder glaubt wirklich noch jemand, dass die Krise die „Insel der Seligen“ schon nicht so hart treffen wird?

Soziale Arbeit

Wir sozial Arbeitende müssen darauf abzielen, unsere Arbeitsplätze basisdemokratisch unter ArbeiterInnen-Selbstverwaltung zu stellen, diese einzelnen Betriebe unserer Branche lokal eng miteinander zu assoziieren, eine regionale und überregionale Branchenföderation aufbauen und uns mit den anderen lokalen, regionalen und überregionalen Branchenzusammenschlüssen und den kommunalen Räten vernetzen (z.B. Nachbarschaftsräte, KonsumentInnenräte etc.).

Die Soziale Arbeit kann in der gesellschaftlichen Umgestaltung von Unten z.B. die Aufgabe übernehmen, den Zugang zu allen kommunalen Dienstleistungen für alle zu gewährleisten, also als informierende Anlaufstelle fungieren (inklusive gesellschaftlich ökonomischer Ressourcenerhebung). Die Versorgung derer, die nicht am wirtschaftlichen Leben teilnehmen können, bleibt wohl auch noch länger ein Thema. Letztendlich kann aber eine soziale Arbeit wie sie derzeit praktiziert wird, unter nachkapitalistischen Verhältnissen logischerweise nicht mehr existieren.

Fazit

Es ist keine Frage: die Krise wird zu großen Umwälzungen führen. Es geht nun nicht mehr darum, ob wir weitermachen wie bisher, oder eine Veränderung der Verhältnisse erkämpfen. Denn erstere Option ist weg: Das „wie bisher“ gibt es nicht mehr, Veränderung kommt so oder so. Die Frage ist nur ob von Oben oder von Unten, ob in unserem Sinne oder gegen unsre Interessen!

„Niemand kann frei sein, solange es nicht alle sind.“ (Erich Mühsam, 6.4.1878 – 10.7.1934, deutscher Anarchist, von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet)

Berichte zur Krise findest du unter anderem hier: http://www.wildcat-www.de/

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