Keine Budget-Sanierung auf Kosten des Sozial- und Gesundheitsbereichs!

F13-Pickerl#Nach dem scheinbaren Zusammenbruch des »spekulativen Neoliberalismus« im letzten Jahr werden wir langsam von Nachrichten über die Krise, die dann gar nicht so schlimm ist, der Aufschwung kommt gleich, der Arbeitsmarkt . . . weich gekocht. Dass da das 100 Mrd. Bankenpaket so klang- und sanglos durchgepeitscht werden konnte, verwundert nicht.

Eigentlich ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob die Krise von verantwortungslosen Managern und Banker verursacht wurde, oder ob es sich um eine klassische »Überproduktionskrise« handelt. Der Effekt ist für uns Arbeitende der selbe: Uns wird das Fell über die Ohren gezogen.

Offensichtlich war den Kapitalistinnen die schleichende Verarmung, die wir seit dem Ende der 80’er Jahren durchleben müssen, zu langsam. Seit dieser Zeit gilt das Wort »Reform« als tätliche Drohung

für den Lebensstandard derer, die von unselbstständiger Erwerbstätigkeit leben müssen. Reform bedeutet seitdem, daß Leistungen der Gesellschaft für die Allgemeinheit gekürzt oder gestrichen werden. Reform heißt, dass diejenigen, die von Eigentum und Kapital leben, immer weniger zum Allgemeinwohl beitragen. Reform ist die Übertragung von Kollektivvermögen in privates – Privatisierung von Betrieben und Infrastruktur.

Und wir können uns sicher sein, daß jetzt in der Krise und den nächsten Jahren danach es heißen wird, das kein Geld da ist, dass »wir« uns das Sozial-, Gesundheits-, Pensions-, usw. System nicht mehr leisten können. Darum wird man das alles – eh’ schon wissen – reformieren müssen. Ob daran die allfällige Einführung einer »Reichensteuer« etwas ändern würde, darf bezweifelt werden.

Den »Reichen« geht es natürlich auch darum, dass ihr eigenes Säckl geschont wird, aber den Thatcheristen, Reaganomics, Schüsselianern und Grasseristen steht natürlich noch Höheres im Sinne. Denn in einer »wirklichen« Marktwirtschaft darf es keine Bereiche geben, die nicht kapitalisiert sind, wie z. B. ein Großteil des Gesundheits- und Pensionssytems. Eigeninitiative ist gefragt, den Tüchtigen gehört die Welt. Da kann es nicht zu viel verlangt sein, selbst vorzusorgen, z. B. bei privaten Versicherungsunternehmen. Und die armen Schlucker? Pah! Die sollen sich mehr anstrengen, denen gehört die »soziale Hängematte« unter dem Hintern weggezogen.

Von dem, was uns bevorstehen wird, machen wir uns keine großen Illusionen. Auch, wenn es noch nicht so offen ausgesprochen wurde, wissen wir, dass der nächste Kahlschlag im Sozial- und Gesundheitsbereich bevorsteht. Betroffen werden davon alle sein: JedeR ist irgendwann PatientIn, KlientIn etc. JedeR braucht mal ein Krankenhaus, Kinderbetreuung, Heimhilfe oder Arbeitslose, Sozialhilfe usw. – die Leistungen aber werden gekürzt werden.

Und wir, im Sozial- und Gesundheitsbereich Arbeitenden, werden die Suppe ebenfalls auszulöffeln haben. Es ist schon jetzt so, dass wir in einem Niedriglohnbereich arbeiten. Unsere Kollektivverträge

(z. B. BAGS, Caritas, Diakonie) sind relativ neu und teilweise mit langen Übergangsfristen versehen, so daß Verbesserungen für viele nicht spürbar werden, aber Besserstellungen radikal zusammen gestuzt werden. Die ÖGBGewerkschaften lassen sich von den Unternehmen (meistens Vereine) und den Finanzverantwortlichen in den Ländern an der Nase rumziehen.

Ein Großteil der Beschäftigten sind Frauen (eh’ klar, Niedriglohn), Vollzeitarbeitsplätze werden immer weniger. Die Arbeitszeiten sind oft, gelinde gesagt, beschissen. Personalknappheit ist die Norm, so werden Teilzeitkräfte zu Mehr- und Überstunden gedungen, um die Zuschläge muss man sich streiten. Prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu.

Zunehmend werden Organisationsmodelle aus dem Fabriks- und Industriebereich übernommen. Die Arbeit wird quantifiziert, sequenziert und bemessen. Mittagessen verabreichen 10 Minuten, Klogang mit Hinternwischen danach 5 Minuten, punktum. Dass unsere Arbeit Beziehungsarbeit ist, in der auf individuelle Bedürfnisse eingegangen werden muss, wenn wir unsere Arbeit gut machen wollen, geht in Fallzahlen, Erfolgsquoten und »Qualitätsmanagement« unter.

Viele Bereiche sind von der Politik unterfinanziert. Zusammen mit den oft selbstherrlichen Blödheiten der Geschäftsführungen der Sozial-Vereine wird der Mangel auf Kosten der Arbeiterenden verwaltet. Arbeitsvorgaben entsprechen nicht den vorhanden Ressourcen, es fehlt an Arbeits- und Hilfsmittel. Die Geschäftsführungen spekulieren ganz offen damit, dass ihren Beschäftigten das Wohl der KlientInnen weniger egal ist, als ihnen selbst – sie rechnen fest damit, dass gratis Arbeitszeit und Engagement von den Beschäftigten investiert wird.

So ist es auch kein Wunder, dass Frustration und Stress zunehmen, dass Burn-Out eine weit verbreitet »Berufskrankenheit« ist.

Wir wollen uns nicht mehr länger verarschen lassen! Darum kämpfen wir: für höheres Einkommen, für bessere Arbeitsbedingungen. Unser Vertrauen in unsere »offiziellen« VertreterInnen vom ÖGB ist äußerst beschränkt. Wir nehmen unsere Geschicke selbst in die Hand und rufen alle Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen auf, sich zu organisieren, für ihre Interessen einzutreten. Wer sich von unseren Vorstellungen angesprochen fühlt, mag sich uns anschließen. Unsere Solidarität ist allen gewiss, die für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen.

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