Soziale Supermarktwirtschaft?

Die so genannten „Sozialmärkte“ haben es sich zum Ziel gemacht, „fair“ zu verteilen. Um in den Genuss eines „fairen Einkaufes“ z.B. bei SOMA zu kommen, muss man einen SOMA-Einkaufspass, auf Basis von Einkommensnachweis, Passfoto, Meldezettel und Lichtbildausweis beantragen. Der Soma-Pass ist im Geschäft vorzuweisen und wird pro Einkauf registriert. Er berechtigt zu höchstens drei Einkäufen pro Woche zu maximal acht Euro pro Einkauf  (siehe hier).

Das „faire“ an diesen Sozialmärkten ist, dass man dort verbilligt Waren kaufen kann, die von den Supermärkten normalerweise entsorgt werden. Die Anstellung von Transitarbeitskräften trägt noch mal dazu bei, dem ganzen einen „sozialen“ Anstrich zu verpassen (zu Transitarbeitskräften siehe hier). Also im Klartext: Niedriglohn-ArbeiterInnen mit wenig Rechten bezahlt von der öffentlichen Hand, organisieren die warenförmige Verteilung nicht verwertbarer Lebensmittel zu einem „symbolischen“  Preis an sozial Bedürftige, welche sich hierfür als solche registrieren lassen müssen. Bildlich gesprochen wird hier erwerbsmäßig der Abfall der sozial besser gestellten an die sozial schlechter gestellten verteilt.

REWE, Spar und Hofer, die drei größten Handelsorganisationen in Österreich welche zusammen über einen Marktanteil von ca. 80% verfügen, können nun ihre bald abgelaufenen (abgelaufene Waren werden angeblich nicht angeboten) und beschädigten Waren anstatt sie zu entsorgen, Sozialmärkten spenden und dies von der Steuer abschreiben. Damit sie ihren hohen Preis auf die „guten Waren“ halten können, was nicht möglich wäre, würden sie die „schlechteren Waren“ selbst zu einem Niedrigstpreis in die Zirkulation einspeisen, müssen diese entweder vernichtet, oder „gespendet“ werden. Das ist jedenfalls nicht „sozial“, sondern absurd!

Sicher ist es positiv, wenn es die Möglichkeit gibt, Lebensmittel zu günstigeren Preisen anschaffen zu können und sicher steckt hinter diesen Konzepten zumeist ein sozialer Gedanke oder eine idealistische Sichtweise. Und sicher ist es Unsinn, eigentlich noch gute Lebensmittel zu vernichten. Doch die Lobhudelei die hier allzu oft von den Sozialkonzernen betrieben wird, ist fehl am Platz! Anstatt die Armut die aus der Beschaffenheit des Systems resultiert, zu bekämpfen, wird genau dieses System reproduziert.

Aber was ist eigentlich eine wirklich faire Verteilung? Nun, auf der Basis von Warenzirkulation, auch wenn die Waren „nur“  einen (zumindest für „NormalverdienerInnen“) symbolische Preis kosten, kann es eine solche sicher nicht geben. Denn ein System, das auf die Erwirtschaftung von Profit und nicht auf die Deckung von Bedürfnissen ausgerichtet ist, kann niemals fair sein. Auch Instanzen wie der Staat, von dem zu viele annehmen, er wäre neutral, oder „die öffentliche Hand“ können keine Fairness sicherstellen.

Im Kapitalismus nämlich, auch in der „sozialen“ Marktwirtschaft im Großen und im „Sozialmarkt“ im Kleinen, wird gesellschaftlich produziert, aber privat angeeignet. Wir ArbeiterInnen (dazu zähle ich auch solche, die zeitweise oder dauerhaft nicht erwerbsarbeiten) aber sind es, die allen gesellschaftlichen Reichtum produzieren und durch diese Macht könnten wir auch dafür sorgen, dass das Produzierte dort ankommt, wo es gebraucht wird und nicht dort, wo Einzelne den größten Profit daraus schlagen! Es ist nie zu spät, sich zu organisiern…

„In Erwägung, daß wir hungrig bleiben
Wenn wir dulden, daß ihr uns bestehlt
Wollen wir mal feststelln, daß nur Fensterscheiben
Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.“
(B. Brecht, Resolution der Kommunarden)

ert

3 Antworten zu “Soziale Supermarktwirtschaft?

  1. und für sinnvolle solidarökonomische projekte, wie der kost-nix-laden in der zentagasse, oder den neu entstehenden kost-nix-laden2 gibts von der stadt nicht mal einen raum zur verfügung gestellt.
    das ekh und die pankahyttn werden als sozialprojekte getarnt, weil „leben in selbstverwaltung“ und in selbstbestimmung ja pfui sind und nicht ins stadtbild passen!
    was reg ich mich auf… das „soziale“ wien eben!😉

  2. Also ich finde Kost-nix-Läden ja sympathisch! Das Problem ist halt, dass da ja auch nur von den ursprünglichen BesitzerInnen nicht mehr benötigte Produkte angeboten werden. Ein Kilo Gulaschfleisch z.B. krieg ich meines Wissens in keinem Kost-nix-Laden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob „Solidarökonomie“ überhaupt innerhalb kapitalistischer Verhältnisse möglich sind.

  3. kostnixläden funktionieren im grunde genommen eh, da gibt es ja genügend beispiele dafür. es ist m.e. aber zuviel verlangt von einem bestimmten projekt zu erwarten, dass es den kapitalismus in die knie zwingt. das ist wohl eher durch ein zusammenspiel vieler verschiedener projekte und auch experimente mgl. da kann mensch eben nur voneinandr lernen.

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