Öffentlicher Dienst: 0,9% und ein feuchter Händedruck

Rechtzeitig vor Weihnachten haben sich die VerhandlerInnen der Regierungsseite und der Gewerkschaften nun „überraschenderweise“ doch einigen können. Zwar ist es positiv, dass die kleinsten Einkommen um 1,2% (das sind dann bei einem monatlichen Bruttogehalt von 1700 Euro ganze 20,4 Euro Brutto zusätzlich…), während die höheren Einkommen um 0,9% „erhöht“ werden, aber auch das liegt unter den Ergebnissen der bisherigen Kollektivvertragsverhandlungen.

Egal was bei den „Verhandlungen“ herausgekommen wäre, es wäre so manchem Kasblattl und so manchem/mancher „fleißigen BürgerIn“ zuviel gewesen. Es herrscht nämlich das Bild des „faulen, überbezahlten und unkündbaren Beamten“ vor. Man könnte diese Leute bitten, sich doch bei den SanitäterInnen, die einen ins Krankenhaus bringen, wenn man sich beim Joggen oder Birnenpflücken den Haxn bricht, bei den ÄrztInnen, die selbigen wieder zusammenflicken und bei den KrankenpflegerInnen, die einen rund um die Uhr versorgen zu beschweren, wie  faul und überzahlt sie allesamt sind. Aber genug von Klischees, lassen wir doch einfach gestrickten Geistern ihre Feindbilder, wenn sie ohne diese schlecht schlafen.*

Der eigentliche Hohn ist ja der, dass von der Basis nicht legitimierte „VertreterInnen“ der öffentlich Bediensteten mit ihren Parteifreunden in der Regierung um die Gehälter der Arbeitenden feilschen. Die „Ermächtigungen zu gewerkschaftlichen Maßnahmen“, das tagelange „Verhandeln“, das Tagen von Gremien, Ausschüssen, Präsidien und Konferenzen der von den ÖGB Mitgliedern bezahlten Gewerkschaftseliten, welche dann zu so einem lachhaften, aber von den ChefverhandlerInnen als Erfolg gefeierten, Ergebnis führen, kann ein humorvoller Mensch wohl als Realsatire auffassen. Angesichts des Ernstes der Lage, müssen wir uns aber fragen, ob diese Hanswurstiade als Interessensvertretung überhaupt was taugt. Eine Gewerkschaft, die nicht kämpft, ist keine Gewerkschaft! Eine parteipolitisch eingefärbte, undemokratische Interessensvertretung ist keine Interessensvertretung! Was ist von einem Apparat zu halten, indem wir ArbeiterInnen weder unsere VertreterInnen selbst bestimmen dürfen, noch was die Verhandlungsziele, die Ergebnisse oder etwaige Kampfmaßnahmen betrifft, selbst entscheiden dürfen?

Du bist die neue Gewerkschaft!

*Ganze 111 Millionen Euro „kosten die Beamten den SteuerzahlerInnen“ wird da skandiert.  In der Tat ein hoher Betrag. Doch zu bedenken ist, dass allein die „Rettung“ der Hypo Alpe Adria Bank, die von einer selbstherrlichen Koalition, bestehend aus rechtsrechter Provinz-Polit-Nomenklatura und (Mis-)Managern, in den Sand gesetzt wurde,  den SteuerzahlerInnen mehr als das 10 fache (!) kostet!

2 Antworten zu “Öffentlicher Dienst: 0,9% und ein feuchter Händedruck

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