AMERLINGHAUS BLEIBT!

Seit 31 Jahren ist das als „das Amerlinghaus“ bekannte Kulturzentrum Spittelberg hartnäckig ein linker Freiraum, Treffpunkt, Veranstaltungsort für viele verschiedene politische Gruppen, soziale Initiativen und für basis- und gegenkulturelle Projekte. Nun ist das Kulturzentrum gefährdet. Die Struktur wird seit langer Zeit sukzessive finanziell ausgehungert, nun ist das Limit erreicht!

Seit Jahren werden die allerletzten Sozial- und Freiräume durchkapitalisiert. Ursprünglich als autonom konzipierte Initiativen werden vereinnahmt und zentralisiert, Subventionen für alternative gesellschaftliche und kulturpolitische Projekte gekürzt und gestrichen, kleineren Initiativen das Wasser abgegraben.

Das Kulturzentrum Spittelberg / Amerlinghaus ist noch einer der wenigen Räume, in denen linke Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen, die kaum oder gar keine Kohle haben, ohne kapitalistische Kontrollmechanismen, ohne Konsum- und Leistungszwang selbstbestimmt ihre Arbeit tun können. Das besondere am Amerlinghaus ist auch, dass hier eine Vielfalt an Menschen und Gruppen mit heterogenen Strategien und Interessen zusammenkommen können. Für viele dieser Initiativen wäre der Wegfall des Amerlinghauses als nicht-kommerzieller Ort existenzgefährdend.

Das Amerlinghaus erhält eine jährliche Subvention, die seit vielen Jahren nicht valorisiert, das heißt, der Inflationsrate angepasst wurde, während die Fixkosten für Miete, Infrastruktur, Energie und die Gehälter selbstverständlich laufend steigen. Jahrelang wurde sowieso schon an allen Ecken und Enden eingespart, um mit dem real immer weniger werdenden Geld auszukommen. Notwendige Renovierungsarbeiten können seit Jahren nicht durchgeführt werden, die technische Infrastruktur fällt auseinander.

Ohne Valorisierung ist das Haus im Sommer 2010 pleite und muss den Betrieb in der jetzigen Form einstellen.

Und nein, wir wollen nicht, dass das Haus zu einem weiteren hippen Seminarzentrum wird, in das nur wirtschaftlich rentable Gruppen Zugang haben, wir fordern eine politische Lösung! Daher hat der Vorstand des Vereins Kulturzentrum Spittelberg im Oktober 2009 ein Budget für das Jahr 2010 eingebracht, das den laufenden Betrieb decken würde und über der zugesagten Subvention liegt.

Das Amerlinghaus ist nicht das einzige Projekt, das finanziell ausgehungert oder weggespart wird. Noch verfügen wir über ein Haus, während andere Projekte immer wieder auf die Strasse gesetzt oder ausquartiert werden.

Schluss damit!

Wir, als Plenum des Amerlinghauses, meinen, dass das Amerlinghaus als linkes Zentrum nur mit vereinten Kräften erhalten werden kann.

Tun wir uns zusammen, handeln wir solidarisch, lasst uns unbequem sein!

Mehr Freiräume müssen her, mehr unabhängige und selbstorganisierte Projekte, mehr autonome Hausprojekte, mehr Wagenplätze!

Für mehr und nicht weniger soziale, kulturelle, kommunikative Zentren!

Verein Kulturzentrum Spittelberg | Amerlinghaus http://www.amerlinghaus.at Stiftgasse 8 1070 Wien

1975: Während eines Vier-Tage-Festes im Amerlinghaus machten rund 3.000 BesucherInnen diese Veranstaltung zu einem Erfolg und unterzeichneten ein Manifest, das die Forderungen nach dem selbstverwalteten „Kultur- und Kommunikationszentrum Amerlinghaus“ enthielt. Das Manifest wurde den anwesenden GemeindevertreterInnen überreicht – gleichzeitig erfolgte die Ankündigung, dass dieses Haus ab sofort für einen „Modell-Betrieb“ auf unbestimmte Zeit besetzt sei. Die Gemeindeverwaltung tolerierte diese weiche „Besetzung“. Das zu diesem Zeitpunkt baufällige Haus wurde generalsaniert, am 1. April 1978 eröffnet und dem Verein Kulturzentrum Spittelberg übergeben.

Das Amerlinghaus war ursprünglich als autonomes Stadtteilzentrum im damals proletarischen und migrantischen Spittelberg konzipiert. Die Gemeindesubventionierung und das später so bezeichnete Konzept der „MitarbeiterInnen-Selbstverwaltung“ bildeten für Teile der aktiven und kämpferischen sozialen Bewegungen der Zeit Kritikpunkte am Haus. Vieles hat sich seitdem verändert. Das Viertel um den Spittelberg ist ein Musterbeispiel für Gentrifizierung. Das Kulturzentrum Spittelberg ist aber durch viele gesellschaftliche Veränderungen hindurch ein linkes Zentrum und ein wichtiger Treffpunkt für über 50 Gruppen, eine Vielzahl von Initiativen und Einzelpersonen geblieben. Von früh bis spät ist das Haus aktiv:

Deutschkurse für MigrantInnen, Kinderbetreuung, interkulturelle Projekte in den Bereichen Literatur, Musik, Malerei, Tanz und Crossover, Romakulturveranstaltungen, Improvisations- und Mitspieltheater, linke Gruppen, die sich mit politischer Theorie & Praxis beschäftigen, selbstorganisierte SeniorInnen-Treffen, Selbsthilfegruppen und Selbstermächtigungsprojekte in verschiedensten Themenbereichen wie Essstörungen, sexuelle Orientierung, Prekarisierung, Marginalisierung, Migration,… Marxismuskongresse, Literaturveranstaltungen, kritische Filmabende, juristische Beratung von und für Erwerbsarbeitslose und vieles mehr findet im Kulturzentrum Raum. Und wir wollen, dass das so bleibt!

Flugi zur Thematik gibt´s hier.

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