Mafia bedroht soziales Zentrum – “Um die Schwarzen kuemmern wir uns schon”

Nach einem Jahr Palermo in der Aussenstelle von borderline-europe werden nun auch wir mit der Realitaet konfrontiert – die Mafia existiert leider nicht nur auf dem Papier und in spannenden Romanen, sondern wird zur realen Bedrohung. borderline-europe Sizilien arbeitet mit dem sozialen Zentrum Laboratorio Zeta zusammen, dass am 19.1.2010 von der Polizei geraeumt und fuenf Tage spaeter wieder besetzt wurde. Nun drohen mafiose Gruppen, hier “klarschiff” zu machen.

Das soziale Zentrum wird seit knapp 9 Jahren betrieben und beherbergt seit 2003 sudanesische Fluechtlinge, die die Kommune nicht unterbringen wollte. Vor allem diese Tatsache sorgte fuer Brisanz, die auch den UNHCR auf die Bildflaeche rief. Doch die Kommune bot weiterhin nur unbewohnbahre oder weit ausserhalb der Stadt liegende Gebaeude an, die die Fluechtlinge ablehnten, da sie in der Innenstadt arbeiten. Die meisten von ihnen sind im Besitz eines humanitaeren Aufenthaltstitels.

Seit einer Woche nun halten die Unterstuetzer und die Fluechtlinge rund um die Uhr Wache vor dem Zeta. Die Sudanesen schlafen weiterhin in Zelten vor dem Zentrum, denn sollte eine erneute Raeumung erfolgen und sie die Polizei im Gebaeude erwischen, wuerden sie eine Anklage riskieren. Bei Nachttemperaturen um die 9 Grad ist das allerdings wenig angenehm, einer der Maenner musste inzwischen ins Krankenhaus gebracht werden.

Mit Volkskuechen und Veranstaltungen wird jeden Tag ein neues Programm gestrickt, eine Demonstration am vergangenen Samstag brachte Tausende auf die Strasse, die sich fuer den Erhalt von sozialen Freiraeumen einsetzen. Doch runde Tische mit der Kommune und der Praefektur haben nichts gebracht, statt dessen drohte der Praefekt im gestrigen Gespraech, die Sudanesen in Lager zu verteilen – rechtlich gar nicht moeglich, aber man versucht, Angst zu schueren.

Und diese Angst ist nicht unbegruendet: gestern wurde bekannt, dass zwei Maenner Drohungen gegen das Zeta aussprachen: wenn man das Gebauede nicht raeume, dann wuerde man sich noch nach einem Polizeieinsatz sehnen, denn das sei Gold gegen das, was sonst geschehe, wenn man mit 300 Leuten anruecke. Um die Schwarzen wuerde man sich auch schon ‚kuemmern‘. Ganz deutliche Mafiadrohungen, da gibt es keinen Zweifel, so die einhellige Meinung. Nach den Ereigenissen im kalabresischen Rosarno, wo vor einigen Wochen eine regelrechte Jagd auf Migranten gemacht wurde, ist die Angst nun gross. Mit gutem Grund. Doch was wirklich hinter diesen Drohungen steckt versucht man nun mit einem Dossier ueber den Verein Aspasia, der das Gebaeude fuer sich beansprucht und raeumen liess, herauszufinden. Nicht nur die Rapraesentantin dieses Vereins, Anna Ciulla, sondern auch ihr Bruder Pietro Ciulla sind in mehrere Strafverfahren verwickelt. Anna Ciulla wurde 2003 gemeinsam mit dem damaligen kommunalen Referenten Giuseppe Scoma wegen Amtmissbrauch und Korruption verurteilt. Pietro Ciulla wird durch seine abstrusen Import-Export-Geschaefte eine direkte Mafiaverbindung nachgesagt. Inzwischen soll sich auch die faschistische Jugend mit Pietro Ciulla in Verbindung gesetzt und ihre Hilfe bei der “Raeumung” zugesagt haben.. Somit besteht also vor allem fuer die Fluechtlinge eine ernste Gefahr, die “ihr” Zeta verteidigen, da sie hier leben.

Die Rolle Aspasias ist mehr als undurchsichtig. Der Verein kuemmert sich angeblich um Minderjaehrige und will einen privaten Kindergarten im Gebaeude des Zeta einrichten. Das, so die Anwaeltin Nadia Spallita, geht gar nicht, denn das Gebaeude ist als oeffentliches Gebaeude ausgeschrieben und darf nicht privat genutzt werden.
Wie es nun weitergehen soll ist ungewiss.

Doch die Unterstuetzung geben nicht auf. Am fruehen Morgen, die Ersten krabbeln aus den Zelten und den Autos, in denen sie vor dem Zeta geschlafen haben, stehen schon die warmen Hoernchen auf dem Tisch. “Lo Zeta non sie tocca” – das Zeta wird nicht angeruehrt!

aus Palermo Judith Gleitze

Quelle: borderline-europe

Weiter Inos zu den Ereignissen in Kalabrien gibts bei der grauzone:

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