Häupl, Oxonitsch und die Kinderfeinde Wiens

Wie auf Indymedia berichtet, drohen beim Verein Wiener Kinder-und Jugendbetreuung  Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen

Am 18.März 2010 gab die Geschäftsführerin des SPÖ-nahen Vereins, Brigitte Kopietz, mittels einer Aussendung an die Dienststellen bekannt, massive Eingriffe in die Arbeitszeitregelung der MitarbeiterInnen zu planen. Der Verein sei von der MA 56 beauftragt worden, ab dem Schuljahr 2010/11 die Betreuung der SchülerInnen von ganztägig geführten Volksschulen, sowie seiner Lern-und Freizeitklubs, in den Semester-und Osterferien neu zu organisieren. Künftig würde die Betreuung in diesen Ferien durch MitarbeiterInnen des Vereins zu leisten sein. Das ist neu, denn bislang erfolgte die Betreuung in den Wiener Horten.
Für die MitarbeiterInnen des Vereins bedeutet dies zunächst einmal Ungewissheit in Bezug auf die Planung von „Urlauben“ in den Semester-und Osterferien 2011, aber auch in Hinblick auf die künftigen Arbeitsbedingungen. „Genauere Informationen sowie die Umsetzungsdetails“ würden „gesondert und zeitgerecht mitgeteilt“ werden.

Ursprünglich waren die Semester-und Osterferien arbeitsfreie Zeit, die während des Schuljahres eingearbeitet werden musste. Eine erste Veränderung, und bezüglich des Erholungswertes eine eindeutige Verschlechterung, brachte bereits die Einführung von verpflichtenden Weiterbildungsmaßnahmen in den Semesterferien. Dies betraf allerdings nicht die gesamte Dauer, sondern nur einen Teil der Ferien. Nun sei, laut einer Betriebsrats-Aussendung, von der Geschäftsführung geplant, jedE MitarbeiterIn eine Woche, abwechselnd in den Semester-oder in den Osterferien, für Betreuungsdienste heranzuziehen. Die bisher übers Jahr einzuarbeitenden 30 Stunden würden durch die neue Regelung wegfallen. Diese sind zur Bewältigung des Betreuungsaufwandes aber unbedingt notwendig und darum gäbe es künftig die „Möglichkeit“ bis zu 30 Mehr- bzw. Überstunden zu machen.
Hinzu kommt, dass die ohnehin aberwitzig hohe zulässige Anzahl von Kindern (25/Gruppe und BetreuerIn!!) nicht selten und manchmal bis zu 30 bis 40% überschritten wird. Und das im Regel- und nicht im Notfall!! Den Verantwortlichen des Vereins ist dies wohl bewusst und so bedankt man sich für das „große Engagement im Bereich der Betreuung von Kindern“ und lobt die Flexibilität der MitarbeiterInnen „gerade in Zeiten großer Personalknappheit“. Ein feuchter Händedruck, nicht mehr! Denn den meisten MitarbeiterInnen des Vereins droht nun schlecht bezahlte Mehrarbeit. Angemerkt sei noch, dass, laut Geschäftsführung, die Weihnachts- und Sommerferien nicht zur Diskussion stünden – noch…
Interessant ist die Vorgehensweise in dieser Angelegenheit: Scheinbar gibt es im 23.Bezirk in der Bendagasse eine Art Pilotprojekt, in dessen Rahmen eine Ferienbetreuung auf – noch – freiwilliger Basis durchgeführt wird. Es ist daher nicht sehr wahrscheinlich, dass der Auftrag der MA 56 gänzlich überraschend und unerwartet kam.
Auch ist bekannt, dass die Wiener Stadtregierung seit Jahren den Abbau von Hortplätzen plant. Die HortnerInnen werden heute bei Bedarf von der Gemeinde Wien angehalten in die Kindergartenbetreuung zu wechseln. Diese sind ausgebildete KindergärtnerInnen, die sich dazu entschlossen haben Volkschulkinder in Horten zu betreuen und deswegen eine zusätzliche Ausbildung absolvieren mussten. Berufswünsche von MitarbeiterInnen scheinen die Gemeinde Wien aber nicht weiter zu kümmern.

Dahinter stehen nicht zuletzt die wahlkampftauglichen „Gratiskindergärten“ Bürgermeister Häupls, die jetzt offensichtlich durch den Abbau der Betreuung in den Horten finanziert werden sollen. Die besser ausgebildeten, zu besseren Arbeitsbedingungen arbeitenden und daher teureren HortnerInnen sollen demnach sukzessive durch die billigeren NachmittagsbetreuerInnen des Vereins Wiener Kinder-und Jugendbetreuung ersetzt werden.
Die Bezahlung der NachmittagsbetreuerInnen ist schlecht. Ein Grund diese Arbeit trotzdem zu machen, sind sicher die vergleichsweise günstigen Urlaubs- und Freistellungszeiten. Trotzdem findet der Verein schon heute nur sehr mühsam Arbeitssuchende, die sich für die Ausbildung zur NachmittagsbetreuerIn interessieren. Darunter leiden die MitarbeiterInnen des Vereins, da im Falle von Krankenständen Springerpersonal fehlt und die zu betreuenden Kinder in solchen Fällen auf das – noch – nicht kranke Personal aufgeteilt werden müssen. Es ist klar, dass sich solche Mängel auf die Qualität der Betreuung und somit auf die Kinder selbst negativ auswirken müssen. Eine Verschlechterung bei den – noch – arbeitsfreien Zeiten wird die Attraktivität des Arbeitgebers wohl kaum erhöhen und so das Interesse am Beruf deR NachmittagsbetreuerIn nicht steigern können.
Dies muss den Verantwortlichen bewusst sein. Im Sinne der Kinder und seiner MitarbeiterInnen müsste sich der Verein gegen die fortschreitende Verschlechterung im Bereich der Kinderbetreuung wehren. Aktivitäten in diese Richtung sind aber keine bekannt. Vielleicht rechnet man aber auch mit mehr Bewerbungen, wenn sich die Wirtschaftskrise am Arbeitsmarkt stärker bemerkbar machen und der Druck seitens des AMS weiter verschärfen wird. Vielleicht wissen die Parteifreunde da schon mehr. Vielleicht hat man aber auch einfach nur keine Konzepte und versucht diese Situation irgendwie zu überstehen. In der Hoffnung, dass sich seitens der betroffenen SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, DirektorInnen, HortnerInnen, KindergärtnerInnen und NachmittagsbetreuerInnen kein allzu großer Widerstand regt.
Am Beispiel des Vereins Wiener Kinder-und Jugendbetreuung wird die SPÖ-Politik sichtbar. Dem Erbe des Schulreformers Otto Glöckel († 1935) spottend, spricht der Stadtrat Christian Oxonitsch von einem „Arbeitgeber mit hoher sozialer Verantwortung, der bestrebt ist, seinen MitarbeiterInnen die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu bieten“(http://netzwerke.oegb.at/br_wiener_kinderbetreuung/ContentServer?pagenam…). Die Wiener Volksschulen bezeichnet er gar als eine „Schulwelt“ die „noch absolut in Ordnung“ sei (http://oxonitsch.at/101-5-Maerz-2010-Das-sind-die-Ergebnisse-aus-Wiens-g…). Diese Darstellungen sind mehr als nur peinlich und verzerrt. Sie sind eine Leugnung der Realität und lassen für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Chronischer Personalmangel, zu hohe Kinderanzahl pro Gruppe/Klasse und daraus resultierender Stress sind die tatsächliche Realität an den Wiener Volksschulen. Dass unter diesen Bedingungen die pädagogische Arbeit leiden muss, erklärt sich von selbst. Wenn Herr Oxonitsch die Welt der Wiener Volksschulen so schlecht kennt, dann sollte er sich doch das Ergebnis „Wiens größter Schulbefragung“ zu Herzen nehmen: Mehr als zwei Drittel der LehrerInnen fühlen sich teils stark unter Druck (http://oxonitsch.at/101-5-Maerz-2010-Das-sind-die-Ergebnisse-aus-Wiens-g…)! Der Herr Stadtrat hätte auch die NachmittagsbetreuerInnen befragen können. Hat er aber nicht! Warum noch mehr Steuergeld für kostspielige Umfragen verschwenden, wenn ohnehin alles fest im (Partei)Griff ist…
Angesichts der Folgen der Wirtschaftskrise stellt sich die Frage nach der Zukunft der Schule und generell der Kinderbetreuung dringender denn je. Auch die Diskussion um die Ganztagsschule muss aus diesem Blickwinkel geführt werden. Ohne den chauvinistischen bzw. rassistischen Bildungsvorstellungen von ÖVP und FPÖ das Wort reden zu wollen, muss darüber offen diskutiert werden! Denn der kommende Kahlschlag im Sozialbereich, den politische „VerantwortungsträgerInnen“ mit schönen Reden von heilen (Schul)Welten verschleiern wollen, wirft die Frage auf, ob das Ganztagsschul-Modell, beim herrschenden chronischen Personal- Raum-und Geldmangel, nicht Gefahr läuft in einer Art Schulkasernen-Modell zu verkommen. Droht der Rückfall in eine reaktionäre Pädagogik?

Eine Antwort zu “Häupl, Oxonitsch und die Kinderfeinde Wiens

  1. yes

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