Zeuge/Zeugin werden bei der „Säuberung“ am Karlsplatz ab Anfang Juni

Die Libertäre Initiative Sozial Arbeitender (LISA-FAS) ruft ALLE auf ab Anfang Juni 2010 (genaues Datum noch unklar) die geplanten polizeilichen Vertreibungsaktionen gegen DrogenkonsumentInnen am Karlsplatz zu dokumentieren und öffentlich zu machen.

Wie den Medienberichten der letzten Wochen zu entnehmen war, soll die Drogenszene am Karlsplatz ab Anfang Juni aufgelöst werden. Der bereits seit Jahren geplante Umbau der Passage und die damit verbundene Reduzierung des öffentlichen Raumes am Karlsplatz werden von Landes- und Bundespolitik als offizieller Grund dafür angeführt. Damit sich die Szeneangehörigen garantiert nicht mehr wohlfühlen am Karlsplatz, wird sicherheitshalber die öffentliche Toilettenanlage gegenüber dem McDonald’s zugesperrt, die bisher als inoffizieller Konsumraum – mangels offizieller, hygienischer Konsumräume, die es übrigens in vielen westlichen Städten außerhalb Österreichs seit Jahren gibt – genutzt wurde. Das weiß und tolerierte mensch bis zur Spitze des Rathauses.

Saubere Spritzen und  Nadeln werden am Karlsplatz ebenfalls nicht mehr zur Verfügung stehen, da die von der Szene gut angenommene Anlaufstelle „Streetwork“ – per Anweisung durch die  Drogenkoordination Wien – die bis zu 4.500 Spritzen pro Tag nicht mehr tauschen wird dürfen. Das stellt mittlerweile die zweite, von oben durchgedrückte Umstrukturierung eines VWS-Projektes innerhalb kürzester Zeit dar.

Den dritten Faktor zur Verringerung der Attraktivität des Karlsplatzes für die Szeneangehörigen stellt die massive Polizeipräsenz ab Anfang Juni dar. Das Ziel von Wolfgang Preiszler, Drogenkoordinator der Wiener Kripo, ist es den Karlsplatz „zu säubern“ (Kurier am 5. Mai). Seine Chefin, Innenministerin Fekter spricht von einer  „Bereinigung“ des Problems am Karlsplatz.

Übrigens: Ein Schelm wer böses denkt im Zusammenhang mit der bereits beschlossenen Änderung des Wiener Landessicherheitsgesetzes. Dieses sieht neben dem Verbot der gewerbsmäßigen Bettelei auch eine Verschärfung des Wegweiserechts im öffentlichen Raum vor. Verdächtiges und deviantes Aussehen genügt!

Das Problem ist nun Folgendes: Mensch kann zwar nicht behaupten, dass die Drogenszene am Karlsplatz der Ausdruck einer innovativen und zeitgemäßen Drogenpolitik war. Die Konzentration der Szene an einem Ort (ein gut sichtbarer Ort übrigens, um auf die unangepassten, auffälligen „ModernisierungsverliererInnen“ unseres kranken und ausbeuterischen Systems aufmerksam zu werden) ermöglichte auch deren Versorgung mit Hilfs- und Unterstützungsangeboten (Spritzentausch, Safer Use Beratung, psychosoziale und medizinsiche Beratung, 1.Hilfe in Krisensituationen). Änderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten der Angebote für diese Zielgruppe gäbe es zuhauf. Doch anstatt den Rückstand der hiesigen Drogenkonzepte – z.B. im Vergleich zu Ländern wie Schweiz, England oder Deutschland – zu beheben und vor allem mit den Betroffenen und ExpertInnen über Verbesserungen zu reden, wird der Karlsplatz von einer hochnervösen SPÖ Wien geopfert. Ein paar Stimmen von unaufgeklärten Menschen, die tatsächlich glauben, Drogenprobleme können mit Vertreibung von kranken Menschen (wohin eigentlich zum Abdrücken, außer in Parks und auf Spielplätzen, Wohnhausanlagen und öffentliche WC’s!?) gelöst werden scheinen wichtiger. Aber Hauptsache, der Karlsplatz wird zur Kulturpassage und zur Wohlfühlmeile („hell, freundlich, modern“ soll er werden). Die Angst vor Verlust von WählerInnen und Wählern an die FPÖ und der damit verbundenen Angst vor Verlust der Alleinherrschaft über Wien macht’s möglich. Ein Kniefall vor der FPÖ. Die klatscht trotzdem nicht, fordert mehr, z.B. Zwangsentzug und weitere Schnapsideen.

Deshalb packt ab 1. Juni eure Handys, Fotoapparate und Videokameras ein, und werdet Zeuge und Zeugin einer beispiellosen „Säuberungs- und Vertreibungsaktion“ der herrschenden Klasse. Macht die Fotos, Filme, Berichte öffentlich. Wenn ihr hilfe dabei braucht könnt ihr euch gerne an uns wenden.

9 Antworten zu “Zeuge/Zeugin werden bei der „Säuberung“ am Karlsplatz ab Anfang Juni

  1. Pingback: rechtliche Tips für den Umgang mit der Polizei im öffentlichen Raum «

  2. bitte um genau infos, mit datum der polizeilichen-altion, würden mit filmteam aufkreuzen und alles „feinsäuberlich“ dokumeintieren.

    please antwort an folgende mailadresse:

    daniel.hrncir@wientv.org

    alles gute

  3. Beim Lokalaugenschein der „Wiener Zeitung“ am Dienstag [Anm.:1.6.2010] machte die Polizei am Karlsplatz jedenfalls ernst: Jede halbe Stunde fuhr ein neuer Bus vor dem Wachzimmer am Resselpark vor und brachte eine neue Streife Uniformierter, die sofort in die Passage marschierten. Daneben überwachen Kriminalbeamte in Zivil schon seit 17. Mai die Szene. „Bisher haben wir 45 Dealer aus dem Verkehr gezogen“, betont Einsatzleiter Preiszler.

    http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4103&Alias=wzo&cob=497629

  4. sozialarbeiterin

    jap. den bericht aus der wienerzeitung habe ich heut auch schon gelesen…
    waaaaaaahnsinn.. statt zu helfen, einfach SÄUBERN.. MENSCHENMASSEN SÄUBERN.. kommt uns das nicht bekannt vor??? tztzetztz

  5. zeit wird’s

    • dann pass mal auf, dass du nicht bald einer Liste stehts! darüber entscheidest nämlich nicht du selbst, sondern diejenigen die Macht dazu haben…

  6. […] 2. Es wird nicht möglich sein, die Szene ohne massive und daher volkswirtschaftlich kostenintensive
    polizeiliche Interventionen dauerhaft vom Karlsplatz fern zu halten. Es ist auch damit zu rechnen, dass
    diese Klientengruppe mit massivsten Repressionen zu rechnen hat, die wir aufs schärfste verurteilen
    müssten.
    3. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die täglich 4.500 Spritzen, welche zur Zeit am
    Streetwork-Stützpunkt getauscht werden, vollständig das Tabeno oder den Ganslwirt erreichen werden. Es
    ist zu erwarten, dass der öffentliche Raum um den Karlsplatz nach der Einstellung der Spritzentausches
    verstärkt durch weggeworfenen Spritzen belastet wird. Dies würde mittelbar zu einem Wiederanstieg der
    Neuinfektionen mit HIV und Hepatitis in der Klientel führen und damit, in der Folge, auch die Sicherheit der
    Allgemeinbevölkerung gefährden.[…]

    Vernetzung der
    BetriebsrätInnen in der Wiener
    Suchthilfe
    http://www.belegschaftsvertretung.net/100503%20Sperre%20Karli%20Vernetzung%20Suchthilfe%20Endversion.pdf

  7. des hättma dem blattl gar net zuatraut:
    Drogenbetreuer protestieren gegen Karlsplatz-Räumung – Rathaus winkt ab
    Sozialarbeiter-Aufstand

    http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=501191

  8. Danke, dass ich auf Eurer HP weitere Infos zur Karlsplatz- Säuberung gefunden habe, welche ich sehr begrüße und willkommen heiße! Für mich gibt es im Gegensatz zu Euch keine Toleranz und Anerkennung des Konsumes illegaler Drogen und Beschaffungskriminalität! Dealer lebenslange in den Knast, Junkies in den Zwangsentzug ob mit oder ohne ihrem Willen! Und bitte nervt mich nicht weiter mit die armen Junkies die HIV oder Hepatistis bekommen weil man ihnen keine sauberen Spritzen zur Verfügung stellt, dazu will ich Euch nur eines sagen: NIEMAND wird gezwungen, sich Drogen zu spritzen! Deshalb sind sie auch SELBST SCHULD wenn die HIV o. ä. bekommen, würden sie es einfach sein lassen bekämen sie auch kein HIV und würden älter als 30!

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