Mit Vollgas dem Crash entgegen – Krisenzentren überbelegt

Die Wirtschaftskrise hat offenbar zu mehr Gewaltsituationen in Familien geführt. Die Zahl der Kinder, die von ihren Eltern getrennt und in Wohngemeinschaften untergebracht werden, ist gestiegen. Die Wiener Krisenzentren sind überbelegt, kritisieren GewerkschafterInnen der KIV.  Wien habe zwar die Unterkünfte ausgeweitet, aber nicht ausreichend.

Trotz Schaffung neuer Plätze bewegen sich die Auslastungszahlen der Krisenzentren permanent im Bereich von bis zu 150 Prozent. Demzufolge und durch die beengte räumliche Situation – die Kinder schlafen teilweise auf Matratzenlagern – ergeben sich, neben der immensen Mehrarbeit die für die MitarbeiterInnen anfällt, auch gruppendynamische Prozesse, die immer häufiger in körperlichen und verbalen Übergriffen enden. Das Interesse von berufserfahrenen SozialpädagogInnen im Krisenzentrum zu arbeiten ist sehr gering und so werden immer mehr BerufsanfängerInnen verheizt, die bestenfalls versuchen, in eine WG zu wechseln, aber – oft mit Umweg über Burnout – diesen Beruf endgültig den Rücken kehren.

Mit Vollgas im massiv überfüllten Fahrzeug bei Glatteis und mit Sommerreifen – so rast die Sozialpädagogik derzeit dem Crash entgegen!

Aber auch in den Wohngemeinschaften ist der Fakt, der permanenten 100%igen Auslastung aller Einrichtungen, ein massives Problem, denn Kinder und Jugendliche können selten nach ihren besonderen Bedürfnissen untergebracht werden. Den Spagat zwischen teilweise drogenkonsumierenden, gewaltbereiten, verhaltensauffälligen oder/und psychisch kranken Kindern und Jugendlichen und Kindern und Jugendlichen, die aus einer Gewaltstruktur herausgerissen wurden, um nun in einem beschützenden Umfeld geborgen zu sein, ist ein Drahtseilakt, der oft in massiver Überforderung endet.

Der zuständige SPÖ-Stadtrat Christian Oxonitsch sehe anscheinend das Problem, führt auch Gespräche mit der Personalvertretung, verweist aber auf eine bereits erfolgte Personal- und Budgetaufstockung und auf neue Einrichtungen. Dass dem zuwenig ist könne er nicht erkennen und der Forderung der KIV nach bis zu 24 zusätzlichen Wohngemeinschaften und fünf neue Krisenzentren hält er für stark überzogen.

Quellen & weitere Infos:

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