Kampf für kostenlose Notschlafplätze!

Seit 1. September 2010 bittet der Fonds Soziales Wien (FSW) obdachlose Menschen für die Übernachtung in einem Notquartier zur Kasse. Wenn jemand mehr als zwei Monate auf einen Notschlafplatz angewiesen ist – und das ist die überwiegende Mehrheit – müssen die Betroffenen € 4,- pro Nacht bzw. € 120,- pro Monat für ein Bett in einem Substandard-Mehrbettzimmer zahlen oder auf der Straße schlafen. Die Initiative für kostenlose Notschlafplätze – INKONO sagt nun dieser Maßnahme den Kampf an.

Entgegen allen Bedenken und Einwänden der TrägerInnenorganisationen der Wiener Wohnungslosenhilfe hat der FSW einen „Kostenbeitrag“ für die Übernachtung Obdachloser in Notschlafstellen beschlossen. Begründet wird diese Maßnahme mit der Einführung der Mindestsicherung am 1. September 2010. Nachdem € 186,- Wohnkostenanteil in den € 744,- Mindestsicherung stecken (die übrigens deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von € 950,-/Monat liegt), müssen Obdachlose für die Übernachtung in einem Notquartier bezahlen. Diese Schlafplätze stehen allerdings nur in der Nacht zu Verfügung. Obdachlose dürfen also erst am Abend in die Notquartiere und müssen diese in der Früh wieder verlassen. Von Wohnen kann also keine rede sein. „Es ist nicht nur zynisch, für Mehrbett-Substandardzimmer mit Gemeinschaftssanitätsräumen einen Wohnkostenbeitrag zu verlangen, sondern auch ein sozialpolitischer Wahnsinn, weil zukünftig noch mehr Menschen auf der Straße landen werden“, meint ein/e der Initiator_innen von INKONO. Vor allem suchtkranke Menschen, die ihr Einkommen zu Beginn des Monats bereits aufgebraucht haben, werden verstärkt ohne Unterkunft bleiben müssen.

Abgesehen davon, dass sich FSW und Stadt Wien auf Kosten der Ärmsten bereichern wollen (z.B. Einnahmen von € 600,- für ein Fünfbettzimmer, das unter Tags leer steht), stellt die Einführung dieses „Kostenbeitrages“ KollegInnen, die an der Basis arbeiten, vor massive Probleme. Denn zukünftig soll noch mehr sozialarbeiterische Beratungszeit für sinnentleerte administrative und bürokratische Aufgaben aufgewendet werden als bisher. Die KollegInnen in den niederschwelligen Einrichtungen stehen weiters vor dem Dilemma, eine Maßnahme des FSW gegenüber ihren „Klient_innen“ durchsetzen zu sollen, die sie aus ethischen und fachlichen Gründen ablehnen. Darüber hinaus wird der psychische Druck auf die Mitarbeiter_innen der Wohnungslosenhilfe weiter verstärkt, wenn sie dazu angehalten werden, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu verweigern, sofern sie über keine finanziellen Mittel verfügen. Kolleg_innen, die sich offen gegen diese Maßnahme stellen und nicht bereit sind sie zu exekutieren, laufen Gefahr wegen Auftragsverweigerung gekündigt zu werden.

LISA ruft daher dazu auf, die Initiative für kostenlose Notschlafplätze zu unterstützen und die Onlinepetition gegen die Einführung des „Kostenbeitags“ zu unterzeichnen, sowie an Aktionen gegen die Nächtigungsgebühren teilzunehmen. Dass es sich bei dieser Maßnahme nicht um die einzige Zumutung handelt, die im Sozialbereich bevorsteht, scheint offensichtlich. Aus diesem Grund ist es wichtiger denn je, sich mit Kolleg_innen am Arbeitsplatz zu organisieren und gemeinsam zur Wehr zu setzen!

Weiter Infos und Onlinepetition auf: http://wohnungslos.wordpress.com

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