Wie in einer der reichsten Städte der Welt zehn PolizistInnen gegen einen Bettler vorgehen…

Ein Augenzeugenbericht. 27.11.2010, 12:30 bis 12:50, Mariahilfer Straße, Wien. Übernommen von der Seite der „bettellobby“.

Liebe Leute von der Bettellobby,

ich war heute zufällig Zeuge einer „Amtshandlung“ der Polizei gegen
einen Bettler auf der Mariahilfer Straße in Wien. Ich weiß, dass es
solche Szenen in diesem Land täglich zuhauf gibt, trotzdem möchte ich
euch eine kurze Schilderung und zugehörige Fotos schicken.

Ich sehe einen Bettler, der zusammengekauert vor einem Geschäft in der Mariahilfer Straße sitzt, 2 junge Polizisten steuern auf ihn zu und nehmen ihm sein Geld, das er in einem Becher gesammelt hat, weg. Ich mische mich ein und frage, was los sei. Ein Polizist antwortet, dass der Mann gegen das Bettelverbot verstossen habe und daher weggebracht werden wird. Auf meinen Einwand, dass es in Österreich kein Bettelverbot gebe, präzisierte er auf „gewerbsmäßiges Betteln“. Meine Frage, wie man nicht-gewerbsmäßig betteln könne, blieb unbeantwortet. Die InhaberIn des Geschäfts, vor dem der Bettler gesessen sei, hätte die Polizei gerufen, sie müssen einschreiten.

Meine Bitte, dem Mann doch einfach das Geld zurückzugeben und ihn gehen zu lassen, wurde mit „das geht nicht“, „das ist Gesetz“, „sie müssen das tun“, „sie erfüllen nur Befehle/Gesetze“ usw. beantwortet. Mir wurde sogar mit einer Anzeige wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“ gedroht.

Zu Beginn der Diskussion forderte offensichtlich einer der Polizisten Verstärkung an, was in einem Polizeieinsatz von ca. 10 PolizistInnen mit 3 Polizeifahrzeugen mündete.

Versuche des Bettlers, langsam wegzugehen (schnell konnte er aufgrund seiner körperlichen Behinderung sowieso nicht weggehen), wurden von den beiden ersthandelnden Polizisten vereitelt, indem sie sich breitbeinig vor den Bettler stellten und ihm in gebrochenem Deutsch den Befehl gaben stehen
zu bleiben („der vasteht des eh net“).

Nach kurzer Zeit mischten sich weitere 2 PassantInnen ein und appellierten an die Menschlichkeit der PolizistInnen und baten sie, den Mann doch einfach gehen zu lassen. Leider ohne Erfolg.

Der Bettler war völlig eingeschüchtert und wirkte auf mich sehr verängstigt.

Eine Passantin wollte dem Bettler trotz des massiven
Polizeiaufgebots Geld geben, das wurde von den PolizistInnen vereitelt und mit den Worten kommentiert „des nehmen ma eam sowieso glei wieder weg“.

Ich als dokumentierende Person wurde außerdem von den beiden Polizisten, die mit dem Polizeibus kamen, verhöhnt. Einer der beiden kämmte sich
demonstrativ, der andere forderte ihn auf zu lächeln.

Auch mit dem Wissen, dass das mittlerweile rassistischer und menschenverachtender Alltag in Österreich ist, empfinde ich größte Empörung darüber, wie hier mit Menschen umgegangen wird, es kotzt mich an.

Mit solidarischen Grüßen,
Christian W.

Übernommen von bettellobbywien.wordpress.com/

4 Antworten zu “Wie in einer der reichsten Städte der Welt zehn PolizistInnen gegen einen Bettler vorgehen…

  1. „des nehmen ma eam sowieso glei wieder weg“

    Wieso? Gibt es sie doch, die gefährliche Bettlermafia? Ist es die Polizei?

    Was machen die Kiberer mit dem Geld? Werden die Leute, die dem Bettler was gegeben, ausfindig gemacht, und ihr Geld retourniert?
    Warum darf der Mann kein Geld haben, warum darf ich ihm keines geben? Warum darf ich mein Geld nicht weitergeben?
    Ist das gegen die Gesetze, welche die „bürgerliche Freiheit schützen sollen“?
    Weiß es jemand????

  2. eine schande und keiner demokratie würdig !
    es zeigt den weg zurück in eine braune vergangenheit.

  3. der „arme“ bettler muß ja sowieso sein erbetteltes geld seiem capo abliefern,also unterstützt du damit nur das organisierte betteln.

    • Das weißt du, weil du selbst mal in so einer bettelmafiösen Organisation warst, oder weil’s in der Kronen Zeitung steht?

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