Wiener Hauskrankenpflege insolvent

Die 231 Mitarbeiter der Hauskrankenpflege betreuen in Wien 650 Personen, somit ist der Verein der viertgrößte Hauskrankenpflege-Anbieter in Wien. Dieser Verein ist nun pleite, was auch bedeutet, dass die dort beschäftigten Kolleg_innen kein Weihnachtsgeld bekommen und ihr Gehalt vorerst aus dem Insolvenzausgleichsfonds beglichen wird. Ihre weitere Zukunft und die zukünftige Betreuung der von ihnen betreuten Menschen ist ungewiss. Der Grund: Nachdem der FSW und die Geschäftsführung des WHS offensichtlich nicht übereingekommen sind, hat der FSW seine finanziellen Muskeln spielen lassen und hat die Insolvenz mutwillig herbeigeführt.

Schon 2002 hat die amtsführende Stadträtin für Gesundheits- und Sozialwesen das Kontrollamt ersucht, die angeblich widmungswidrige Verwendung öffentlicher Mittel durch den Verein „Wiener Hauskrankenpflege, Soziales Netzwerk“ zu überprüfen. Hierbei entstand einiges an Erklärungsbedarf des geschäftsführenden EHEPAARES von WHS, der Bericht des Kontrollamtes ist hier nachzulesen.

Seit 2007 habe der FSW, verantwortlich für die Anerkennung und die Auftragsvergabe an den Verein, laut Medien auf organisatorische Veränderungen beanstandet, die jedoch nicht zur Gänze umgesetzte worden wären. Die Geschäftsführung beharrt hingegen darauf, dass alle Anforderungen prompt erfüllt worden wären. Der Fonds forderte von besagtem Pflegeverein vor allem strukturelle Maßnahmen, etwa Personaleinsparungen in der Verwaltung.

Wer da nur „im Recht“ ist, das sollen bitte die kritischen Leser_innen selbst beurteilen und weiter unten haben wir auch Medienlinks zur genaueren Reichere bereitgestellt. Fix ist jedoch, dass dem WHS seit Juni (offiziell wegen Mängel im Pflege- und Organisationsbereich) keine neuen Fälle mehr zugeteilt werden. Die Zahl der zu Betreuenden schrumpfte in dieser Zeit von rund 700 auf derzeit 600, was den Verein im Lauf der vergangenen Monate in eine prekäre Finanzsituation brachte – schließlich wird pro Klient abgerechnet. Mittlerweile wird ein Umsatzverlust von mittlerweile 500.000 Euro kolportiert. Seit Montag dem 20.12.2010 ist der Verein in Insolvenz.

FSW-Geschäftsführer Peter Hacker wollte sich lt. Standard am Dienstag zu der Causa nur vorsichtig äußern: Es gehe hier um viel Steuergeld – und was die Einhaltung der Förderrichtlinien betreffe, gebe es „keine Kompromissfähigkeit“. Tatsächlich sind für den Fonds im Budget 2011 über 700 Millionen Euro veranschlagt.

Wir hoffen, dass die Kolleg_innen des betroffenen Vereins geschlossen, organisiert und kampfbereit auftreten werden, um sich diese Verarsche von oben nicht bieten zu lassen und um gemeinsam für ihre Interessen, ja ihre finanzielle Existenz einzutreten. Wer kämpft bekommt Solidarität, wer schweigt bleibt alleine und prekär.

Und dass die Klient_innen von solchen Erfolgen der Basis profitieren, dürfte mittlerweile wohl allgemein bekannt sein.

Quellen:

11 Antworten zu “Wiener Hauskrankenpflege insolvent

  1. noch ´ne zusätzliche info zum fsw, nur damit die thematik hier nicht ganz untergeht:
    „Auflösung des Fonds Soziales Wien (FSW) und Wiedereingliederung in den Magistrat der Stadt Wien“
    http://netzwerke.oegb.at/br_fsw/ContentServer?pagename=Netzwerke/Index&nw=br_fsw&L0=09f4097c90ebcea3e938110a15ea960b&L1=c8787f40989c023a6b9fcb977db2a188&L2=cfb240db1d1b3fe1fc77cc8f28e23c02&L3=f02f38e71c4498753376b3d2163dd59a&

  2. Liebe Leser!

    Wenn ein so großer Verein In deen Ausgleich geht, dann wurde schon sehr schlecht und einseitig gewirtschaftet. Es werden vom FSW zwischen 30 und 70 ERure je Stunde (je nach Dienst) einkassiert und dann bleibt nicht einaml das Weihnachtsgeld für die Heimhilfen. Da wurde schon etwas gedreht. Mit Autsod und Immobilien kann man schon sehr viel öffentliches Geld verbraten , das nie bei den Pflegebedürftigen ankommt.
    LG Max

  3. interessant sind bei einem kroneartikel die kommentare von – wie es scheint – auch vielen mitarbeiter_innen des vereins. da geht z.b. hervor, dass der br im vorstand des vereins sitzt, weiters scheinen die arbeiter_innen dort lange im dunkeln gehalten worden, die krise zwar die größte jedoch nicht die erste und die gf dürfte wohl überhaupt kein vertrauen mehr genießen.
    genaueres siehe hier:
    http://www.krone.at/Wien/Krankenpflege-Mitarbeiter_bangen_um_Gehaelter-Verein_ist_pleite-Story-236219

  4. 27.12.2010 Eröffnung eines Konkursverfahrens am LG Wien
    Das Handelsgericht Wien hat am 27.12.2010 über das Vermögen des Vereins Wiener Hauskrankenpflege, 1120 Wien, Spittelbreitengasse 34 das Konkursverfahren eröffnet. Die Konkurseröffnung erfolgte über eigenen Antrag des Vereins.

    Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Florian Gehmacher bestellt. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung findet am 03.03.2011 am Handelsgericht Wien statt. Für dem 13.01.2011 wurde eine erste Gläubigerversammlung anberaumt.

    Das Insolvenzgericht hat die Anmeldungsfrist mit 17.02.2011 festgesetzt. Gläubiger können ihre Forderung über den KSV1870 anmelden. […]

    http://www.ksv.at/KSV/1870/de/5presse/2medienarchiv/1insolvenzerstfaelle/2010-12/Verein_Wiener_Hauskrankenpflege/index.html

  5. tja. hier wurden kluge links hingestellt, fleissig das binnen I bedient und ein netter artikel geschrieben. ab nächster woche is der verein trotzdem endgültig vergangenheit und ein bisser mehr als 200 menschen haben gerade keine ahnung wie sie weiter leben sollen. somit lob ich mit die österreichische linke wieder mal. klg geschissen und kurz dannach alles revue passieren lassen. man hats ja gewusst und sich nix anderes erwartet. kampf für die schwachen gabs mal wieder nicht. lieber irgendwas trendiges verteidigen wo wer anderer eine dema ankündigt, als für wirklich schwache eintreten. nämlich hunderte kranke die jetzt ihre bezugspersonen verlieren. viva la …..

    • Ja, was stellst du dir vor, was die „österreichische Linke“ hätte tun sollen? Was hast denn du getan, außer hier zu posten, zu einem Zeitpunkt, wie du ja auch anmerkst, da alles verloren scheint?

      Du hättest jederzet Kontakt aufnehmen können, uns jederzeit informieren können, jederzeit vorbeikommen können! Von nix kommt nix!

      Von außen allein kann man nicht tätig werden, das geht einfach nicht, zumindest nicht erfolgreich (wir haben mit ungefragter Intervention so unsere Erfahrung, das machen wir nicht mehr!)! Was glaubts du, wer wir sind? Die Feuerwehr? Was glaubts du, was wir tun können, wenn wir nur über die Infos verfügen, die öffentlich zugängig sind? was glaubst du, was wir tun können, wenn wir niemanden im Betrieb kennen, sich niemand bei uns meldet, niemand um Unterstützung anfragt?

      Abgesehen davon, dass wir kein Serviceunternehmen sind, muss man auch beim ÖGB und bei der Arbeiterkammer erst mal anfragen, wenn man Hilfe braucht! Ja sogar die Feuerwehr muss meistens aktiv gerufen werden und ich habe auch noch nie erlebt, dass mich auf der Straße einE ZahnärztIn gefragt hätte, ob ich Zahnschmerzen habe…

      Ich finde das sehr eigenartig, dass du hier einen Artikel über die Probleme DEINER Einrichtung liest, recherchiert, geschrieben und veröffentlicht von Leuten, die keinen Cent dafür kriegen, keinen Bezug zu DEINER Arbeit haben, außer den, dass sie in der selben Branche arbeiten, und dich dann aufregst, dass eben jene Leute nichts getan haben!!!!

      Der Rundumschlag gegen die „österreichische Linke“ ist hier auch Fehl am Platz. Ich gebe dir aber einen guten Rat: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

      Es ist nie zu spät, sich zu organisieren!

  6. zu unserer erklärung: leider haben wir nichts vom weiteren verlauf gewusst und kein mensch hat uns informiert. innerhalb einer woche was zu tun ist schwierig, erscheint jedoch besser als wortlos alles hinzunehmen.
    zu unserem selbstverständnis: wie im artikel schon angedeutet, wollen und können wir nicht arbeitskämpfe für andere sondern nur mit anderen ausfechten.
    unter der gefahr wieder klugscheißerisch daherzukommen rate ich persönlich (für eine absprache mit den anderen war keine zeit) euch, euch möglichst stark einzubringen und möglichst viel druck zu machen. druck am besten über die öffentlichkeit und das wohl so schnell wie möglich. du (und deine ansprechpersonen im betrieb) kannst gleich einen anfang machen und (natürlich anonym) unten stehende interviewfragen beantworten. natürlich kannst da auch weiterhin uns kritisieren. wir werden die antworten online stellen und über unsere netzwerke möglichst für öffentlichkeit sorgen. antworten bitte an lisa.syndikat [at] linuxmail.org.
    beruft ein treffen für alle basisarbeiter_innen ein, die was tun wollen, in irgend einem wirtshaus und klärt ab wie viele was tun wollen, wie weit ihr gehen wollt und welche ideen ihr habt. solltet ihr beteiligung von linken wollen, dann gebt uns bescheid, wir werden versuchen was in kürze geht (und natürlich betonen, dass ihr selbst entscheiden wollt und die linken „nur“ beratschlagen und solidarisieren sollten … die machen jedoch nur mit wenn die sache nicht sexistisch, rassistisch, usw. angehaucht ist, was ich aber eh nicht annehme)
    klärt beim treffen auch: welche forderungen habt ihr und wie wollt ihr euch gegenseitig unterstützen? verfasst eine protestschrift und versucht sie zu verbreiten (wir helfen gerne), sendet die proteste an die verantwortlichen in politik und verwaltung und ruft die interessierte öfftlichkeit ebenfalls dazu auf. schafft interesse. versucht (soweit möglich) die patient_innen und deren angehörige einzubinden. versucht in die medien zu kommen, nutzt eure persönlichen kontakte zu journalist_innen und macht eine aktion, demo, kundgebung (irgendwas symbolisches), am besten eine demo vom fsw zum sozialministerium. wenn ihr pressekontakte braucht, können wir euch gerne welche/viele senden.
    ruft zur solidarität auf … von alleine kommt keine … und sagt was ihr braucht

    interviewfragen
    Die Wiener Hauskrankenpflege (WHS) wird es in kürze nicht mehr geben. Kannst du uns in kürze erklären, wie es dazu gekommen ist und wie ein weiteres Vorgehen geplant ist?

    Welche Tätigkeit übst du bei der WHS aus? Was bedeutet diese Betriebsschließung für dich persönlich?

    Was bedeutet der Arbeitsplatzverlust für deine Kolleg_innen? Welche Extremfälle werden auftreten?

    Wie sind deine Patient_innen und deren Angehörige betroffen?

    Wie hast du das Krisenmanagement deiner Geschäftsführung erlebt?

    Dein Betriebsrat ist ja anscheinend im Vorstand. Hat sich das negativ auf die Interessen der Beschäftigten ausgewirkt?

    Wo erkennst du Verantwortlichkeiten beim FWS und bei der Politik?

    Kannst du dir noch einen Protest vorstellen und falls ja was?

    Wie ist die Stimmung unter den Kolleg_innen? Ist ein gemeinsamer Arbeitskampf für einige von ihnen vorstellbar?

    Was ist dir noch wichtig anzumerken?

    Demo / Kundgebung anmelden
    http://www.anarchismus.at/txt3/versammlungen.htm
    wo anmelden?
    Das Büro für Vereins- Versammlungs- und Medienrechtsangelegenheiten
    1010 Wien
    Schottenring 7-9
    Telefon: 01/31 31 0/0*
    Öffnungszeiten Montag – Freitag 08.00-13.00 Uhr
    Anrufen und FaxNr. geben lassen, Fax genügt

  7. und wenn ihr keine zeit habt wegen der arbeit, dann geht die letzte woche nicht mehr hin und ruf selbst einen streik aus. ist in ö zwar nicht üblich, bei euch anscheinend jedoch nötig.
    macht der ögb überhaubt irgend was bei euch?

  8. hier ein link noch um gratis eine onlinepetition zu starten bei der die leut auch anonym (angst vor dem chef) unterzeichen können.

  9. Verein „Wiener Hauskrankenpflege“ stellt seine Dienste ein

    Donnerstag, 09. Juni 2011

    Der Verein „Wiener Hauskrankenpflege“ ist insolvent und stellt in den nächsten Wochen seine Betreuungsdienste ein.

    Wenn Sie derzeit durch die Wiener Hauskrankenpflege betreut werden, sind die folgenden Informationen wichtig für Sie:

    Ihre Betreuung ist auch künftig durch eine vom Fonds Soziales Wien anerkannte Organisation sichergestellt!
    Gemeinsam mit dem Dachverband der Wiener Sozialeinrichtungen und in Absprache mit dem Insolvenzverwalter organisiert der Fonds Soziales Wien die Übernahme Ihrer Pflege und Betreuung durch andere Partnerorganisationen.
    Ein/e MitarbeiterIn Ihrer neuen Betreuungsorganisation setzt sich mit Ihnen in Verbindung. Ihre Betreuung ist damit auch weiterhin sichergestellt und wird ohne Unterbrechung fortgeführt.

    Ihre Förderbewilligung bleibt selbstverständlich auch nach dem Organisationswechsel aufrecht!

    Sollten Sie die vereinbarten Betreuungsleistungen dennoch nicht erhalten, melden Sie sich bitte umgehend bei der eigens dafür eingerichteten Notfallnummer des Fonds Soziales Wien unter: 05 05 379 / 66 150 (täglich von 8.00 – 20.00 Uhr), damit Ihre Betreuung sichergestellt werden kann.

    Wir sind da, um für Sie da zu sein! …bla,bla
    http://pflege.fsw.at/aktuelles/2011.06.09_wr-hauskrankenpflege_insolvent.html

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