Es brodelt in der Gerüchteküche!

Das Jahr ist noch jung und schon kündigen sich eine Reihe schmerzhafter Einsparungen im Sozialbereich an. Es sind die Auswirkungen des im Herbst auf Bundesebene beschlossenen Sparpaketes, die jetzt langsam konkrete Formen annehmen. Es dürften vor allem die Länder sein, die in den nächsten Monaten deutlich ihre Ausgaben kürzen werden und zwar dort, wo es nicht die Kaste der Politiker_innen trifft, oder die Lobbyist_innen, bedeutsame Arbeitgeber_innen, Industrielle und Kapitalist_innen. Nein, sondern es wird dort gespart werden, wo die meiste Kohle zu holen ist, bei der breiten, lohnabhängigen Bevölkerung. Jene, die den gesellschaftlichen Reichtum produzieren und nur ein klein wenig an diesem Teilhaben dürfen, sind auch jetzt wieder gefragt, mehr zu leisten, mehr zu arbeiten und wenn möglich gleichzeitig mehr zu konsumieren, damit das Rad am laufen bleibt.
Gespart wird aber auch bei jenen, die keine Lobby haben, wie z.B. Asylwerber, oder Wohnungslose, sozial bedürftig (gemachte) Personen, die Pflege- und Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen. Als erstes Bundesland hat die Steiermark Klartext gesprochen und über die Medien mittgeteilt, dass in den kommenden Jahren €80Mio. im Sozialbereich eingespart werden. Das ist ein Minus von 20% auf Kosten derer, die am wenigsten an den Ursachen der Finanzkrise beteiligt waren.
Für uns Arbeitende im Sozialbereich heißt das natürlich auch „warm anziehen“, denn wer in die unglückliche Lage kommt den Job zu verlieren, ist selbst ganz schnell nicht mehr Arbeiter_in, sondern Kunde_in beim AMS.
Bei den LISA-Treffen, in Gesprächen mit Kolleg_innen und beim Lesen der Tageszeitungen stellen wir fest: es brodelt in der Gerüchteküche! Was fast schon zum Alltag im Sozialbereich wurde, nämlich die Unsicherheit über den Fortbestand einzelner Projekte, erlangt zur Zeit eine neue Dimension. Jede Woche ein neues Gerücht über diesen und jenen Verein, der vielleicht kurz vor dem Aus steht, oder dem bald massiv die Fördergelder gekürzt werden sollen. Gerade so unkonkret und noch nicht endgültig genug, dass wir darüber berichten könnten. Doch das wird sich – wenn sich die ersten Zeichen erfüllen – in naher Zukunft ändern, so unsere Befürchtung.
Daher unser Appell an alle Sympathisant_innen, Freund_innen und Leser_innen: Haltet die Augen und Ohren offen und berichtet uns, wenn ihr etwas über geplante Einsparungen in eurer Einrichtung erfahrt. Auch wenn euch nur €2.000,- von Magistrat xy gestrichen werden, oder es die Förderung yz nicht mehr gibt. Es ist wichtig, dass diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen und wir nicht zulassen, dass Politik und Mainstream Medien ein Monopol auf die öffentliche Meinung haben. Ebenfalls ist es wichtig, dass wir rechtzeitig von Einsparungen erfahren um uns zu vernetzen, auszutauschen und zu organisieren, damit wir nicht jede Verschlechterung kommentarlos hinnehmen müssen.
Dies ist letztlich auch ein Appell sich am Arbeitsplatz mit den Kolleg_innen zusammenzusetzen und in einer oder mehreren verlängerten Kaffeepausen zu besprechen, wie ihr euch bei Kürzungen, die euren Arbeitsplatz betreffen verhalten wollt. Der beste Zeitpunkt für den Austausch über Möglichkeiten der Solidarität mit anderen Arbeiter_innen, gemeinsamen Arbeitskampf und direkte Aktionen am Arbeitsplatz, ist jetzt! Wartet nicht, bis die ersten gekündigt werden, euer Budget halbiert wird, sondern meldet euch schon vorher zu Wort. Macht „denen dort oben“ klar, dass ihr nichts kritik- und kampflos hinnehmen werdet, was zu einer Verschlechterung eurer Arbeits- und Lebenssituation beiträgt.
Wenn es in der Gerüchteküche brodelt, wird es höchste Zeit ein eigenes Süppchen zu kochen!
Wö mia san a ned auf da Nudlsuppn daheag’schwumman!

2 Antworten zu “Es brodelt in der Gerüchteküche!

  1. Viel Kraft und Schlagkraft wünsche ich Euch im Klassenkampf.

  2. Pingback: BAGS ruft zur „sozialen Landesverteidigung“ auf – na dann, macht doch mal! |

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