Keine Sparmassnahmen auf Kosten von PatientInnen & Gesundheitspersonal!

Per 1.1.2012 soll in allen Schweizer Spitälern das sog. DRG-System (Fallkostenpauschalen-System) eingeführt werden. Dieses ist weder medizinisch, noch ethisch, politisch oder ökonomisch vertretbar und wird zu katastrophalen Auswirkungen führen, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen. Daher wurde am 5. März 2011 in Zürich unter dem Motto: „Gemeinsam für ein gerechtes und gutes Gesundheitswesen!“ auch eine Demo organisiert.

Hier geht’s zu weiteren Infos & Links, Kritik & Forderungen und natürlich einer Onlinepetition für die transnationale Solidarität. Video gibt’s extra.

Ab 2012 wird in allen Schweizer Spitälern das DRG-System eingeführt. Mit diesem erhält das Spital für jede Diagnose, die gestellt wird, einen bestimmten fixen Geldbetrag (z.B. für die Diagnose „Lungenentzündung“ den Betrag x CHF) – unabhängig davon, wie lange die PatientIn im Spital bleibt und welche Komplikationen zusätzlich auftreten. Das bedeutet konkret:

Blutige Entlassungen:
Je rascher eine Patientin entlassen wird, umso mehr Geld bleibt von der Pauschale für das Spital übrig – überschreiten die Hospitalisationskosten hingegen die Pauschale, muss dies das Spital aus eigener Tasche bezahlen.

Verschärfter Wettbewerb:
Betagte und grundversicherte PatientInnen sind für die Spitäler nicht rentabel. Dadurch entsteht für die Spitäler ein Wettbewerbsdruck, diese gar nicht erst zu behandeln oder rasch zu entlassen, bzw. unter einem Vorwand an ein anderes Spital zu überweisen.

Neues aus Absurdistan:
Ein Patient, der sich nach der Abklärung als gesund herausstellt, ist für das Spital eine finanzielle Katastrophe. Profitable Behandlungen werden vermehrt durchgeführt, selbst, wenn sie nicht erforderlich sind oder gar für den Patienten ein zusätzliches Risiko darstellen.

Fehlende Evidenzen:
Das DRG-System zielt darauf ab, die Kosten im Gesundheitswesen einzudämmen. Bisher hat es jedoch in allen Ländern, welche die DRG eingeführt haben, zum Gegenteil geführt: im stationären Bereich nahmen die Kosten aufgrund frühzeitiger Entlassungen sowie Abbau beim medizinischen Personal (seit der Einführung der DRG 2003 wurden in Deutschland 30‘000 PflegerInnen entlassen) zwar ab, dafür stiegen sie aber im ambulanten Bereich (HausärztInnen, Spitex) umso stärker an. Auch ist bisher keine Begleitforschung initiiert worden, welche die Folgen der DRG abschätzen liesse.

Schlechtere Arbeitsbedingungen:
Der Abbau beim Gesundheitspersonal (Pflegepersonal, ÄrztInnen, etc.) sowie der Druck, schneller zu behandeln, führen zu einem Qualitätsabbau im Gesundheitswesen. Zusätzlich steigt die Belastung des medizinischen Personals.

Schlechtere Ausbildung:
Die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal ist im SwissDRG-System nicht geregelt. Daher drohen Qualitätseinbussen.

Deshalb fordern wir ein DRG-Moratorium!

Die DRG werden zu katastrophalen Auswirkungen führen, die uns alle betreffen werden; spätestens als PatientInnen. Daher laden wir euch herzlich ein, gemeinsam für ein gerechtes und gutes Gesundheitswesen zu demonstrieren!

Medizinstudierende für ein DRG-Moratorium

Die Erfahrungen in Ländern und Kantonen, welche die diagnosebezogenen Fallkostenpauschalen (Diagnosis Related Groups DRGs) bereits eingeführt haben, zeigen: mit den DRGs können die erhofften gesundheitspolitischen Ziele, nämlich Transparenz, Vergleichbarkeit und Kosteneinsparung nicht erreicht werden.

Trotzdem will die Schweiz nun ein nationales DRG-System einführen, das an Radikalität alle andern Länder übertrifft: Das DRG-System soll ausnahmslos für alle Leistungen (inkl. Anteil der Investitionen) der stationären Akutversorgung gelten. Dies bedeutet eine wesentliche Verschärfung gegenüber den in einigen Kantonen an-gewandten DRG-Systemen.

Die auf kurzfristige ökonomische Kenndaten ausgerichtete „Logik“ der DRGs führt am Ziel vorbei und wird sehr rasch zu irreversiblen Kollateralschäden in der Gesundheits-versorgung führen.

  • Die Versorgungssicherheit aller Patientinnen und Patienten muss gewährleistet sein.
  • Der Datenschutz darf nicht angetastet werden.
  • Die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie des gesamten Gesundheitspersonals muss sichergestellt und finanziert sein.
  • Die Arbeitsbedingungen des gesamten Gesundheitspersonals und damit die Qualität der medizinischen und pflegerischen Leistungen dürfen nicht verschlechtert werden. Die verschiedenen Spitaltypen und die regionalen Lohn- und Kostenstrukturen müssen gebührend berücksichtigt werden. In der Pflege ist der Effizienzdruck besonders gross (in Deutschland fielen seit der DRG-Einführung 30’000 Vollzeitstellen zum Opfer).
  • Die Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerten Bereiche (z.B. Hausärztinnen und Hausärzte, Pflegeinstitutionen, Spitex, Rehabilitation- insbesondere Neurorehabilitation) müssen bekannt sein. Es darf keine unkontrollierte Verschiebung der Gesundheitskosten in den ambulanten Bereich mit entsprechender Prämienerhöhung stattfinden.
  • Schwierig standardisierbare Bereiche wie die Pädiatrie, seltene Krankheiten und die Behandlung von polymorbiden Patientinnen müssen vom DRG-System ausgenommen und sinnvoll geregelt werden.
  • Es muss klar sein, wie die immer wichtiger werdenden psychosozialen Aspekte angemessen berücksichtigt werden können.
  • Die Kosten, welche die gesamtschweizerische Einführung von DRG verursachen, wie Investitionen in den steigenden Verwaltungsapparat und wiederkehrende Betriebskosten für Kodierung, Kontrollen und Korrekturen müssen transparent geregelt sein und dürfen nicht zu Lasten der direkten Patientenversorgung gehen.
  • Die herrschenden vielen Unklarheiten und Unsicherheiten bezüglich Einbezug derInvestitionskosten müssen beseitigt und frühzeitig und realistisch geklärt werden.
  • Für die definitive Preissetzung (Baserate) müssen die Kriterien klar und transparent festgelegt sein.
  • Alle Leistungserbringer – auch Versorger im ambulanten Bereich – müssen in die Umsetzungsarbeiten einbezogen werden.
  • Die Begleitforschung muss ein bis zwei Jahre vor Einführung der flächendeckenden Anwendung von DRG in der Schweiz einsetzen.

Helft alle mit um das DRG-Moratorium zu unterstützen. Unterzeichnet die Petition auf www.drg-moratorium.ch.

Textquellen:

zur OnlinePetition


2 Antworten zu “Keine Sparmassnahmen auf Kosten von PatientInnen & Gesundheitspersonal!

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