Burn-Out Rekord im KAV, Stadt will aber weiter „sparen“!

25% des Wiener und des Nieder-österreichischen Gesundheitspersonals geben laut einer Studie der Arbeiterkammer und des ÖGB an, von Burn-Out betroffen zu sein, bzw. haben schon die entsprechende Diagnose erhalten. Das ist ein Rekordwert! Allgemein nehmen Experten an, dass 10% aller ArbeiterInnen, die in Risikoberufen arbeiten (zum Beispiel SozialarbeiterIn,ÄrztIn, LehrerIn, Kranken- und AltenpflegerIn) vom Burn-Out Syndrom betroffen sind. Die Ursache für diesen traurigen Rekord in den Krankenhäusern ist vor allem Überbelastung in Folge von Personalmangel.

Die Studie im Detail: http://noe.arbeiterkammer.at/online/page.php?P=99&IP=54817&AD=0&REFP=921

Dennoch will die rot-grüne Wiener Stadtregierung auf Kosten der Gesundheitsbediensteten und der Bevölkerung radikal sparen!

Insgesamt sollen beim KAV (Wiener Krankenanstalten Verbund) 50 Millionen Euro eingespart werden. Faktisch soll das durch indirekten Personalabbau (keine, oder schleppende Nachbesetzungen) und Entprofessionalisierung (Ersetzen eines Teiles des diplomierten Personals durch PflegehelferInnen) geschehen.

Dass das Krankenhauspersonal, am Ende seiner Kräfte angelangt, hier nicht einfach „Ja und Amen“ sagen kann, haben die Verantwortlichen in weiser Voraussicht geahnt: „Der MitarbeiterInnenstand lässt sich jedoch nicht beliebig erweitern. Das ist nicht leistbar, nicht sinnvoll und auch keine Garantie für höhere MitarbeiterInnenzufriedenheit.“, heißt es da selbstgerecht im „Spitalskonzept 2030“ unter dem Punkt  „MitarbeiterInnenzufriedenheit“. (http://www.wien.gv.at/gesundheit-soziales/spitalskonzept.html)

Was leistbar ist und was nicht, ist tatsächlich eine Frage des politischen Willens – man denke nur an die Milliarden Euro an Bankenhilfe. Dass eine Personalaufstockung, anstatt Personalabbau, notwendig ist, belegt die zitierte Studie eindeutig. Die Betroffenen wissen es aber auch ohne diese Studie, und sie wissen es besser, als die „politischen VertreterInnen“.

Widerspruch ja, Widerstand nein?

Die zuständigen ÖGB Gewerkschaften (GPA, vida und GdG) haben reagiert und die Entwicklungen in Presseaussendungen angeprangert. Ob die darin enthaltenen Forderungen auch in Protest- oder gar Kampfmaßnahmen münden, bleibt abzuwarten. Wenn man aber den ÖGB kennt, muss man wohl zweifeln. Schärfer und widerständiger als die Teilgewerkschaften als Ganzes formuliert es die KIV (konsequente Interessensvertretung in der GdG, siehe hier), wenn  hier auch eine abwartende Haltung dominiert. Man wartet vor allem ab, was die Dienststellenausschüsse (PersonalvertreterInnen) beschließen. Und das, obwohl gerade der KIV sattsam bekannt ist, dass die GdG von der SPÖ dominiert ist und somit der Stadtregierung wohl näher steht, als denen, die sie vorgibt, zu vertreten.

Vertrauen in den ÖGB enden wollend

Der ÖGB lebt in einer sozialpartnerschaftlichen Traumwelt, die einem Realitätscheck nicht mehr standhält. Der vor allem in der GdG allgegenwärtige politische Filz macht die Sache noch schlimmer. Deshalb tun die Gewerkschaftsbosse das, was sie am besten können: im Namen anderer labern und lamentieren. Deshalb ist es wichtig, sich zusammen zu schließen und die eigenen Forderungen selbst zu artikulieren und sich selbst an die Medien und die betroffene Öffentlichkeit zu wenden (vor allem an die PatientInnen und deren Angehörige). Das Vertrauen in den ÖGB ist gering und daran ist er selbst schuld. Das Verständnis für Protestmaßnahmen wird in der Bevölkerung umso höher, je selbstorganisierter der Protest ist (denn Betroffenen glaubt man immer mehr, als BerufsgewerkschafterInnen). Es ist auch wichtig, sich nicht auf die Dienststellenausschüsse zu verlassen, sondern Betriebsversammlungen ein zu fordern und dort Kampfmaßnahmen zu fordern. Eine Dienststellenversammlung können mehr als ein Viertel der stimmberechtigten Bediensteten unter Angabe des Grundes verlangen. Man kann sich aber auch an eineN vertrauenswürdigeN PersonalvertreterIn wenden, oder man versammelt sich einfach – wir werden ja auch nicht gefragt!

Wenn eine Krankenhausbelegschaft kämpft, sieht das zwangsläufig anders aus, als wenn das z.B. die Belegschaft einer Autofabrik macht. Sowohl die KAV Bosse, als auch die Gewerkschaftsbosse werden versuchen, euch zu beschwichtigen und zu erklären, dass ihr nicht streiken könnt oder dürft. Die Kreativität, an der es den Gewerkschaftsbossen mangelt, bringt aber die Basis allemal auf. Wenn auch Streik im Gesundheitsbereich nur bedingt möglich (aber nicht unmöglich) ist, so gibt es tausend andere Möglichkeiten des Arbeitskampfes!

Hier eine winzig kleine Auswahl:

– Scheißstreik

– Allgemeine Gedanken zum Thema Sreik in usnrer Branche

– „Info Picketing“

Sollten sich die zuständigen Gewerkschaften doch dazu durchringen, Kampfmaßnahmen einzuleiten, ist es noch wichtiger, sich als Basis nicht einfach passiv zu verhalten. Niemand kennt die Situation in euerer Hackn besser als ihr selbst, niemand weiß besser, was ihr braucht und was nicht, niemand macht eure Arbeit für euch – Somit soll auch niemand ungefragt in eurem Namen sprechen, verhandeln und entscheiden!

Darum ist es wichtig, Versammlungen abzuhalten, gemeinsam Forderungen zu artikulieren und den Kontakt mit der Öffentlichkeit selbst herzustellen und aufrecht zu halten (z.B. „Streikposten“ stehen, auch ohne Streik!)!

Schlusswort(e)

Man hat sich darauf geeinigt, dass wir ArbeiterInnen die Krise ausbaden sollen. Dies haben wir nun mehrfach getan: zuerst wurde von unserem Geld das Bankenrettungspaket bezahlt, dann mussten viele von uns Lohneinbusen hinnehmen oder verloren gar den Arbeitsplatz und nun wird der Haushalt auf unsre Kosten saniert (Sozialabbau)! Das alles ist keine Naturgesetzliche Notwendigkeit. Das passiert, weil es immer so gemacht wurde und vor allem, weil man es MACHEN KANN (der Widerstand war bis dato ja verhalten). Hier geht es nicht um eine Lappalie und schon gar nicht um ein „Opfer, das erbracht werden muss“. Jedes mal, wenn die Öffentliche Hand (oder der ideelle Gesamtkapitalist) ein Sparpaket schnürt oder die Arbeitsbedingungen der öffentlich Bediensteten verschlechtert, statuiert sie damit ein Exempel. Es dauert meist nicht lange und es folgen auch Verschlechterungen für ArbeiterInnen in der Privatwirtschaft. Einmal beschlossen, werden Verschlechterungen auch nicht rückgängig gemacht – Außer die Betroffenen wehren sich! Aktuell brodelt es weltweit – dass man nicht alles hinnehmen kann, zeigen zur Zeit z.B. ArbeiterInnen (vor allem öffentlich Bedienstete) in Wisconsin. Wird Zeit, dass sich auch hierzulande mal was tut…


„Ein Angriff auf EineN ist ein Angriff auf Alle!“

6 Antworten zu “Burn-Out Rekord im KAV, Stadt will aber weiter „sparen“!

  1. Die LISA-FAS hat schon im Winter 2009 eine Demo mit dem Titel „Keine Budgetsanierung auf Kosten des Sozial- und Gesundheitsbereichs“ organisiert. Wir waren und sind alles andere als HellseherInnen. Dennoch haben wir gewusst, dass es so kommen würde.
    Es gab damals Gruppen, die erklärten, sie würden zwar bei einer ÖGB Demo zum gleichen Thema mitmachen, nicht aber bei einer LISA-FAS Demo. Warum dem so ist, wissen wir bis heute nicht. Wir vermuten, dass die LISA-FAS manchen zu „politisch“ erschien oder erscheint. Dabei ists der ÖGB, der parteipolitisch dominiert ist, nicht die LISA-FAS.
    Die Demo wurde zwar fein aber eher klein. Viele Menschen dachten und denken wohl, „so schlimm wird es schon nicht werden“. Wie schlimm es werden kann, wollen wir aber nicht erleben, ja nicht mal erahnen! Drum ists allerhöchste Eisenbahn, sich zu wehren!!!

  2. raus mit dem protest auf die straße und dann selbigen gestärkt zurück in den betrieb tragen!!!
    wenn wir lohnabhängigen uns nicht bewegen, bewegt sich gar nix (zumindest nicht zu unseren gunsten)

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