In eigener Sache: Join the Union!

Die LISA-FAS ist nun schon 7 Jahre alt. Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Waren wir anfangs noch ein paar idealistische aber weitestgehend ahnungslose Jung-SozialhacklerInnen, haben wir im Laufe der Zeit unser Profil geschärft und den einen oder anderen Erfolg erzielt. Wir haben viel gelernt und tun es noch immer – sowohl aus Misserfolgen, als auch aus Erfolgen. Gestartet wurde das Projekt in einer Privatwohnung (wie ironischerweise der ÖGB auch). Unsere Intention als libertär denkende Menschen, die gerade im Begriff waren, ins Berufsleben einzusteigen, war, eine Basisgewerkschaft in unserer Branche zu gründen. Mit dem ÖGB konnten wir nicht. Seine Strukturen und seine Ausrichtung schreckten uns ab (und tun es immer noch). Auch wenn wir das genaue Gegenteil sein wollten, waren wir aber Anfangs wohl das, was man eine Politgruppe bezeichnet. Erst allmählich stellte sich heraus, welche Formen eine Basisgewerkschaft in unsrer Branche annehmen kann, welche Betätigungsfelder eine libertäre Initiative besetzen könnte. Dem konnte auch nicht anders sein, schließlich gab es „so etwas“ wie uns nie zuvor in Österreich.

Der steinige Weg vom Image der im besten fall Utopisten oder Politniks und im schlimmsten Fall Chaoten, zu einer zumindest in manchen Belangen echten Alternative zum Dinosaurier ÖGB hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Auch wenn wir von Anfang feststellten, dass wir keine DogmatikerInnen sind (wohl aber – no na –unsere Prinzipien haben) und bei uns alle SozialhacklerInnen willkommen sind, mussten wir erst mal beweisen, dass dem tatsächlich so ist. Es ist der Spagat, seine Standpunkte zu vertreten, ohne anderen ihre madig zu machen, sowie die eigene Initiative zu bewerben, ohne als „Keiler“, „Rattenfänger“ oder sonst was wahrgenommen zu werden, der uns anscheinend gelungen ist. In der Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und Initiativen lautete und lautet unsere Devise stets „Kooperation auf Augenhöhe“ – sowohl mit dem ÖGB, als auch mit Kleingruppen!

Die LISA-FAS hat sich dadurch anscheinend einen guten Ruf erarbeitet, und darauf sind wir schon ein bisschen stolz. Wir haben mit anderen Initiativen wohl dazu beitragen, dass ein bisschen Bewegung in verkrustete Strukturen kommt und die Haltung vieler SozialhacklerInnen zu ihren eigenen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht mehr ganz so passiv erscheint, wie noch vor ein paar Jahren. Das findet seinen Ausdruck darin, dass sich in den letzten Jahren in unserer Branche immer wieder neue Initiativen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten gebildet haben. Das ist gut so – dennoch würden wir lügen, wenn wir behaupten würden, dass die Stärkung unserer eigenen Gruppe für uns Nebensache ist.

Wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die LISA-FAS kein „Netzwerk“, „Neigungsgruppe“ oder „Selbsthilfegruppe“ ist – wir sind Gewerkschaft. Und Gewerkschaft funktioniert am besten, wenn sie viele aktive Mitglieder in den Betrieben und den Kommunen hat.

Wir haben es schon oft dargestellt, wollen es aber an dieser Stelle noch mal tun. Nämlich was wir unter Gewerkschaft verstehen:

Die LISA-FAS ist radikaldemokratisch, das heißt, dass alle Entscheidungen von jenen getroffen werden, die von der Entscheidung betroffen sind! Es gibt keine bezahlten Funktionäre oder Sekretäre, die im Namen anderer Entscheidungen treffen.

Das heißt aber auch, dass niemand stellvertretend tätig wird. Aktionen werden gemeinsam beschlossen und durchgeführt. Hilfe wird gegenseitig geleistet und Kämpfe werden gemeinsam ausgefochten. Wir bieten keine Rechtsberatung und schon gar keine Rechtsschutzversicherung an. Wir tauschen Erfahrungen und Wissen aus und versuchen, für ein Problem gemeinsam eine Lösung zu finden.

So wie wir keine bezahlten Funktionäre, Sekretäre und ReschtsberaterInnen haben, haben wir keine Millionen passive Mitglieder, die jene bezahlen. Wir bauen auf direkte und praktische Solidarität.

Genauso wie es ein Mythos ist, dass nur Massengewerkschaften etwas erreichen können, ist es ein Mythos, dass eine Basisgewerkschaft nur mit wenigen Mitgliedern funktioniert.

Gewerkschaft beschränkt sich für uns nicht auf den eigenen Betrieb oder die eigene Branche. Gewerkschaft beschränkt sich für uns nicht auf lokale, regionale und nationale Grenzen.

Nun wollen wir klarstellen, was wir nicht sind:

Wir sind weder eine politische Organisation, noch dulden wir Politik in der Gewerkschaft.

Wir sind keine ideologische Organisation. Niemand muss ein Glaubensbekenntnis ablegen oder eine Bücherliste abarbeiten, um bei uns mit zu machen.

Wir sind keine Chaoten (im negativen Sinn). Wir haben genaue Regeln, die unsere interne Demokratie garantieren und wir haben strukturierte Treffen.

Wir lehnen Reformen nicht ab, wohl aber Reformismus als Konzept.

Wir sind weder die „tu was man dir sagt Gewerkschaft“, noch die „tu was du willst Initiative“!

Dass wir keine Nationalismen, Rassismen, Sexismen sonstige Herrschaftsverhältnisse, Leute die ArbeiterInnen einstellen oder feuern können, in unsrer Gewerkschaft dulden, sei erwähnt, versteht sich aber von selbst.

Warum ist es uns so wichtig, die Gewerkschaft von anderen Initiativen zu unterscheiden?

Wir haben alle unterschiedliche Vorstellungen, Präferenzen und Anliegen. Man stelle sich aber vor, es gebe 33 ähnliche Initiativen mit jeweils drei Mitgliedern und man stelle sich eine Gewerkschaft mit 99 Mitgliedern vor. Die Initiativen können sich vernetzen, gegenseitig unterstützen, Kontakte aufbauen und eine brauchbare Kommunikation auf die Beine stellen etc. Eine Gewerkschaft besitzt das alles schon und die Mitglieder kommunizieren als solche miteinander. Eine Gewerkschaft in unserem Sinne ist kein Apparat, sondern die Summe ihrer Mitglieder, ihrer Erfahrungen, ihres Know-How, ihrer Wünsche und Kämpfe!

Natürlich ist jede einzelne Initiative wichtig und zieht ihre Berechtigung schon daraus, dass Menschen sich zusammenschließen, um ein gemeinsam definiertes Ziel (oder mehrere Ziele) zu erreichen.

Es gibt aber Interessen und Anliegen, die wir alle teilen: z.B. das Interesse an guter Bezahlung und das Interesse an besseren Arbeits- und Lebensbedingungen. Dem im Wege stehen die Interessen der Sozialbetriebe. Sie wollen, dass wir möglichst billig arbeiten und möglichst wenig Einfluss auf die Arbeitsbedingungen haben (Deshalb ist der ÖGB auch ein verlässlicher Partner der Betriebe, weil in der Regel nicht die Mitglieder, sondern die Gewerkschaftsführung verhandelt und beschließt.). Darum ist gewerkschaftliche Organisierung so wichtig, weil wir uns einzeln und vereinzelt kaum wehren können und diese Interessen schwer durchsetzen können.

Aus einer radikaldemokratischen Gewerkschaft wie der LISA-FAS heraus können einzelne Mitglieder Arbeitsgruppen zu sämtlichen Themen, unsre  Arbeits- und Lebenswelten betreffend, starten. Die Initiativen können logischerweise aber auch unabhängig von der LISA-FAS bestehen. Was jemand zusätzlich zu seinem/ihrem gewerkschaftlichen Engagement macht, wird die Gewerkschaft selbstverständlich nicht vorschreiben oder verbieten (außer es steht im diametralen Gegensatz zu unsren Prinzipien, z.B. FPÖ Mitgliedschaft). Die LISA-FAS kann also sowohl reine Interessensvertretung sein, als auch zusätzlich einen Rahmen für über die reine Gewerkschaftstätigkeit hinaus gehendes Engagement bieten. Was wie gehandhabt wird, bestimmt jedeR letztendlich für sich selbst und bestimmen wir gemeinsam, wenn wir uns organisieren!

Denkt darüber nach und denkt daran, was derzeit auf unsrem Planeten passiert. Es wird zunehmend wichtiger, sich als Lohnabhängige zu organisieren, um uns angemessen verteidigen zu können, aber auch, um ernsthaft darüber nachzudenken, wie eine Alternative zu den herrschenden Verhältnissen aussehen könnte (und diese versuchen, um zu setzen!).

Dieser Appell soll keinesfalls als Übernahmedrohung oder Vereinnahmungsversuch missverstanden werden! Es geht uns einzig darum, eine schlagkräftige Basisgewerkschaft aufzubauen und dafür brauchen wir Dich – denn DU bist die Gewerkschaft!

Kommt vorbei, seht es euch an, macht mit. Niemand zwingt euch zu etwas, niemand verbietet euch etwas.

Für Kontaktaufnahme, Fragen, Wünsche und Beschwerden, hier klicken…

Eine Antwort zu “In eigener Sache: Join the Union!

  1. wir gratulieren und würden uns freuen, wenn es mal auch zu gemeinsamen aktionen in sachen minisicherung oder bags/babe-kv transitarbeiterInnenregelung käme (ein linktausch wär auch nett)

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